In Gedenken an Pavel Feinstein  |  | Pavel Feinstein ist gestorben | |
Pavel Feinstein ist tot. Der jüdische Maler starb in der Nacht auf den 17. Mai im Alter von 65 Jahren. Feinstein wurde 1960 in Moskau geboren und wuchs in Tadschikistan auf, wo er ab 1978 die Kunstfachschule in Duschanbe besuchte. Im Alter von 20 Jahren emigrierte er mit seiner Familie nach Deutschland und führte sein Kunststudium bei Gerhart Bergmann an der Hochschule der Künste in Berlin fort. Als „Meister der kleinen Dinge“ belebte er die Tradition der barocken Maler in seinen Stillleben wieder, wobei er Inspiration auch im Russischen Realismus, in der spanischen und niederländischen Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts sowie Cézannes Werken fand.
Die melancholischen Kompositionen des „neuen Altmeisters“ basieren auf biblischen Geschichten und entführen den Betrachter laut Manfred Schwarz in „schwindelerregende Bildwelten“, die von grundlegenden Glaubenserfahrungen handeln. Laut Schwarz ist es „vor allem das Gespenstische, das Tragische an Feinsteins Bildwelt, das Gefangensein im ewigen Kreisen um Schuld und Sühne, das diesen Werken Eindringlichkeit verleiht“. Trotz der reduzierten Motivik seiner Arbeiten schaffte es Pavel Feinstein, seine Gemälde erzählerisch zu halten und die Schwere seiner Kompositionen humoristisch aufzulösen, indem er beispielsweise einen toten Fisch ähnlich wie den gekreuzigten Christus in mittelalterlichen Darstellungen bandagierte. Auch seine jüdische Herkunft thematisierte der Künstler in seinen Arbeiten, indem er mit stereotypen Judenbildern spielte, die gleichermaßen humoristisch und grotesk wirken.
Im Jahr 1986 fand Feinsteins erste Einzelausstellung in der Berliner Galerie Taube statt, auf die zahlreiche weitere Präsentationen seiner Stillleben, Akte, Portraits und symbolgeladenen Figurenbilder folgen sollten. 2002 widmete ihm das Jüdische Museum Berlin die bis dahin umfangreichste Ausstellung mit fast 70 Werken, was im Jahr 2010 vom Osthaus Museum in Hagen verdoppelt wurde. Die jüngst eröffnete Ausstellung „Kein Tag ohne Linie“ ist noch bis zum 20. Juni in der Galerie Classico in Steglitz zu sehen und befasst sich mit den täglich skizzierenden Übungen des Künstlers. Auch die Galerie Friedmann-Hahn in Berlin, die Feinstein bereits seit 16 Jahren vertritt, hat ein Kabinett mit seinen Bildern eingerichtet. |