Bahc und Pietschmann erhalten Preise der Stiftung Kunstfonds  |  | Gin Bahc hat den Kalinowski-Preis 2026 gewonnen | |
Die Stiftung Kunstfonds vergibt in diesem Jahr den Kalinowski-Preis an Gin Bahc und den Förderpreis Schulz-Schönhausen an Julia Pietschmann. Die jeweils mit 10.000 Euro dotierten Preise haben das Ziel, relevante künstlerische Positionen zu fördern und bekannter zu machen. Gin Bahc, 1985 in Südkorea geboren, studierte an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe und ist dort mittlerweile als Konzeptkünstlerin tätig. In ihrer Kunst arbeitet sie an der Schnittstelle von Zeichnung, Performance und Installation und entwickelt ihre Werke in direkter Auseinandersetzung mit konkreten Räumen und Situationen. Ihre Arbeiten entstehen prozesshaft und beziehen das Publikum aktiv ein: Bewegung und Präsenz der Besucherinnen und Besucher beeinflussen ihren Verlauf unmittelbar. Dabei hebt Bahc die Grenzen zwischen Werk, Raum und Betrachter auf und untersucht körperliche sowie soziale Dynamiken. Im Fokus stehen Fragen von Sichtbarkeit, Kontrolle und Kontrollverlust. Zugleich macht sie jene oft verborgenen Strukturen sichtbar, die Räume organisieren und prägen. Ihre Arbeiten wurden unter anderem im Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen, im Kunsthaus Baselland, in der Jason Platform in Kopenhagen sowie in der ILG Factory Hall in Chicago präsentiert.
Julia Pietschmann wurde 1987 in Neubrandenburg geboren und ist in Berlin ansässig. Schon vor ihrem Studium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee bei Nanne Meyer und Steffen Schuhmann arbeitete sie als staatlich geprüfte Grafikerin. Sie richtet ihren Blick auf wenig beachtete Grenzräume der Landschaft, etwa Hecken, Zäune oder Uferzonen. Für sie sind diese Übergangsbereiche Orte des Austauschs, an denen sich die Beziehung zwischen Mensch und Natur besonders deutlich zeigt. Ähnlich wie bei Bahc entstehen Pietschmanns Arbeiten prozesshaft, sowohl im Freien als auch im Atelier. In ihren Zeichnungen kombiniert sie Kohle und Pastell mit feinen Strukturen und erweitert diese durch Experimente mit Folien und Alltagsmaterialien, die das Spannungsfeld zwischen Natur und Künstlichkeit thematisieren. Ihre Arbeiten wurden zuletzt 2025 in der Galerie Historischer Keller Berlin, im KunstWerk Köln und aktuell im Projektraum Scotty Berlin ausgestellt.
Der Kalinowski-Preis geht auf den Bildhauer und Grafiker Horst Egon Kalinowski zurück, der an der Staatlichen Kunstakademie Karlsruhe lehrte. 2011 gründete er eine Nachlass-Stiftung, die seit seinem Tod im Jahr 2013 seine Kunst bewahrt und öffentlich zugänglich hält. Seitdem würdigt die Stiftung Kunstfonds jährlich Absolvent*innen der Kunstakademie Karlsruhe, die mithilfe der Erträge der Nachlass-Stiftung auf Kalinowskis Wunsch hin gefördert werden. Gin Bahc wurde von einer Fachjury aus 30 Bewerbungen ausgewählt. Der Förderpreis „Valerie und Prof. Kurt M. Schulz-Schönhausen“ wurde von der Journalistin Valerie Schulz-Schönhausen gestiftet und wird von der Stiftung Kunstfonds vergeben. Ihr Mann Kurt M. Schulz-Schönhausen war Grafiker und Maler und lehrte ab 1957 an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach. Sein künstlerischer Nachlass wird heute im Künstler*innenarchiv der Stiftung Kunstfonds aufbewahrt. Die Preisträgerin Julia Pietschmann wurde von den 16 Mitgliedern des Kuratoriums der Stiftung Kunstfonds aus allen eingereichten Bewerbungen ausgewählt. |