Jury der Biennale von Venedig zurückgetreten  |  | Die Kunstbiennale von Venedig kommt nicht aus den Schlagzeilen | |
Die internationale Jury der Kunstbiennale von Venedig hat ihr Amt niedergelegt. Wie die Biennale di Venezia bekanntgab, gingen am vergangenen Donnerstag die Rücktritte aller fünf Mitglieder des Preisvergabegremiums unter dem Vorsitz der brasilianischen Kunsthistorikerin und Kuratorin Solange Oliveira Farkas ein. Ihm gehören noch die vorwiegend im südostasiatischen Raum tätige Kuratorin und Autorin Zoe Butt, die spanische Kuratorin und Museumsdirektorin Elvira Dyangani Ose afrikanischer Herkunft, die US-Amerikanerin Marta Kuzma, Professorin an der Yale University, und die italienische Kunsthistorikerin Giovanna Zapperi, Professorin an der Universität in Genf, an.
Einen konkreten Grund für ihren Rücktritt nannten die fünf Jurymitglieder nicht. Man tue dies „in Übereinstimmung mit unserem am 22. April 2026 veröffentlichten Leitbild“. Darin hatten sie mitgeteilt, keine Länder bei der Preisvergabe zu berücksichtigen, deren Staatschefs vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt werden sollen. Dies betrifft vor allem die beiden umstrittenen Teilnahmen von Russland und Israel. Wie es nun mit der Preisvergabe weitergeht, ist noch nicht geklärt. Die Biennale-Leitung kündigte an, dass die Goldenen Löwen für den besten Länderpavillon und den besten Beitrag in der kuratierten Hauptausstellung „In Minor Keys“ erst am Ende der Kunstschau im November vergeben werden sollen. Ausnahmsweise könnte es dabei zwei „Leoni dei Visitatori“, von den Biennale-Besuchern gewählte erste Preise geben. Dabei sollen dann auch die Beiträge aus Russland und Israel zur Auswahl stehen.
Die Kunstbiennale von Venedig kommt wenige Tage vor ihrem Start weiterhin nicht zur Ruhe und steht im Zentrum einer politischen Kontroverse, in der es vor allem um den russischen Pavillon geht. So will Russland seit dem Krieg gegen die Ukraine heuer zum ersten Mal wieder mit einem eigenen Beitrag an der international wichtigen Ausstellung zeitgenössischer Kunst teilnahmen und hat dafür Rückendeckung bei der Biennale-Leitung um ihren Präsidenten Pietrangelo Buttafuoco, der dies als Zeichen der Verständigung und des Friedens wertet. Da die Beteiligung Russlands aber EU-Sanktionen widerspricht und die EU-Kommission angekündigt hat, Gelder für die Biennale einzufrieren, hat die die italienische Regierung in der vergangenen Woche Inspektoren nach Venedig geschickt, um die Protokolle des Verwaltungsrats und die vollständige Korrespondenz zwischen der Biennale-Stiftung und russischen Vertretern zu untersuchen. Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und ihr Kulturminister Alessandro Giuli wollen jedenfalls der prestigeträchtigen Eröffnung der Biennale in diesem Jahr fernbleiben. |