Lina Lapelyte macht Hamburger Bahnhof zum Ort des gemeinsamen Handelns  |  | in der Ausstellung „Lina Lapelyte. We Make Hours Out of Years“ | |
Mit 400.000 Holzwürfeln verwandelt die litauische Künstlerin Lina Lapelyte die historische Halle des Hamburger Bahnhofs in Berlin ab heute in einen Ort des gemeinschaftlichen Bauens, Veränderns aber auch Singens und Zuhörens. Die ein Kubikdezimeter großen Klötze aus Fichten- und Kiefernholz sind Teil ihrer Performance „We Make Years Out of Hours“, in der Lapelyte an den Schnittstellen von Skulptur und Performance, Individuum und Kollektiv agiert. Sie fordert Performer*innen sowie Besuchende dazu auf, die Holzblöcke zu stapeln, neu anzuordnen oder bestehende Strukturen weiter aufzubauen. Dabei entscheidet jede*r selbst, was verändert werden soll. Somit stellt die Künstlerin Fragen nach dem, was bleibt und was vergeht. Hierbei setzt sie vor allem auf Partizipation und Gemeinschaft. Der Titel „We Make Years Out of Hours“ beschreibt dabei die Bedeutung des Teils für das Ganze: Aus Stunden werden Jahre, aus Einzelnen wird eine Gemeinschaft.
Lapelyte ergänzt das stille Bauen durch den Klang von Stimmen. Dreimal wöchentlich füllen Perfomer*innen den Raum mit gesungenen Liedern. Die Texte stammen von fünfzehn internationalen Schriftsteller*innen vom frühen 20. Jahrhundert bis in die Gegenwart wie dem vietnamesisch-amerikanischen Dichter Ocean Vuong, der libanesisch-amerikanischen Malerin Etel Adnan oder dem palästinensischen Dichter Mahmoud Darwich. Ihre Texte beschäftigen sich mit Gemeinschaft, Entstehung, Liebe, Verlust und Hoffnung. Das Singen hat für die Künstlerin, wie für die baltischen Staaten allgemein eine tief verwurzelte Tradition und gilt als Ausdruck von Heimatstolz, Einheit und Widerstandskraft. Während der sogenannten Singenden Revolution protestierten die Menschen in Litauen, Estland und Lettland durch gemeinsamen Gesang gegen die sowjetische Besatzung.
Lina Lapelyte wurde 1984 in Kaunas, Litauen, geboren und arbeitet als Künstlerin und Komponistin. Ihr Werk ist tief in der Performance verwurzelt, wobei es sich immer an der Schnittstelle von Klang und Darstellung bewegt. Sie studierte Violine an der Musikakademie in Vilnius und Performancekunst am Royal College of Art in London. Mit ihren Werken war sie unter anderem beim Festival d’Automne/Bourse de Commerce in Paris, im Moderna Museet im schwedischen Malmö, bei der Manifesta in Marseille oder der Biennale in Venedig vertreten, wo sie gemeinsam mit ihren litauischen Kolleginnen Rugile Barzdziukaite und Vaiva Grainyte 2019 den Goldenen Löwen für ihre Oper „Sun & Sea“ erhielt.
Die Ausstellung „Chanel Commission: Lina Lapelyte. We Make Hours Out of Years“ läuft vom 1. Mai bis zum 10. Januar 2027. Der Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 20 Uhr und am Wochenende erst ab 11 Uhr geöffnet. Zum Gallery Weekend vom 1. bis 3. Mai steht das Museum bis 22 Uhr offen. Der Eintritt beträgt 16 Euro, ermäßigt 8 Euro; für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist er frei. Die Performances finden dienstags, donnerstags, samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr statt. Der begleitende Katalog kostet im Museum 12 Euro.
Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart
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