Kunstmuseum St. Gallen würdigt Urs Frei  |  | Urs Frei, Ohne Titel, 1990 | |
Mit der Ausstellung „Urs Frei. A–Z“ präsentiert das Kunstmuseum St. Gallen die erste Retrospektive des Schweizer Künstlers und würdigt drei Jahre nach seinem frühen Tod sein Œuvre in einem umfassenden Überblick, der die verschiedenen Schaffensphasen in Beziehung zueinander setzt. Die Kurator*innen Henna Keski-Mäenpää und Christoph Schenker haben zentrale Werkgruppen aus mehr als vier Jahrzehnten versammelt und vermitteln die gattungsübergreifende Entwicklung von Freis Arbeiten: von den analytischen Positionen der frühen 1980er Jahre über die farbintensiven Kissenobjekte und assemblageartigen Werke der 1990er Jahre mit ihren gesteckten, geknickten und gebundenen Elementen bis hin zum malerischen Spätwerk. Wie Keski-Mäenpää und Schenker betonen, macht die retrospektive Gegenüberstellung „die ästhetische und konzeptuelle Radikalität von Freis Werk eindrucksvoll sichtbar, die bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren hat“. Insbesondere die künstlerische Arbeit mit Alltagsmaterialien erfährt derzeit in vielen jüngeren Positionen eine neue Aufmerksamkeit.
Urs Frei wurde 1958 in Zürich geboren und studierte bis 1984 an der Hochschule für Bildende Künste in Frankfurt am Main. Seine Arbeiten waren vor allem im deutschsprachigen Raum in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen zu sehen, unter anderem in der Kunsthalle Luzern, der Kunsthalle Zürich und in der Wiener Secession. Zudem erhielt er verschiedene Stipendien, Werkbeiträge und Auszeichnungen. 1997 vertrat Frei die Schweiz auf der Biennale di Venezia. Sein Œuvre steht in der Tradition einer künstlerischen Praxis, die mit einfachen, alltäglichen Materialien arbeitet. Frei verwendete Bau- und Verpackungsmaterialien wie Holz, Metall, Karton und Kunststoff für seine Arbeiten, die sich zwischen abstrakter Malerei, Skulptur und Objektkunst bewegen. Inspiriert von postminimalistischen Ideen entwickelte er Ansätze für seine Vorstellung vom Bild als einem veränderlichen Setting unterschiedlicher Elemente, gebrauchter Objekte oder Materialien, die er in Prozessen des Akkumulierens, Kombinierens, Umwandelns und Überarbeitens zu Kunstwerken formte. Ihn interessierte dabei die Frage, was beim Transfer der Dinge aus dem Alltag in den Kunstraum passiert. Im Zentrum seiner Kunst stehen die Auseinandersetzung mit Material, Farbe und Raum sowie der Arbeitsprozess ans sich, Fragilität und Gleichgewicht.
Die Ausstellung „Urs Frei. A–Z“ ist bis zum 13. September zu sehen. Das Kunstmuseum St. Gallen hat täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 12 Franken, ermäßigt 6 Franken oder 10 Franken. Im Herbst erscheint im Verlag Scheidegger & Spiess eine reich illustrierte, kunsthistorisch fundierte Publikation, die Freis Werk umfassend dokumentiert und im Kontext der Schweizer wie auch der internationalen Gegenwartskunst verortet.
Kunstmuseum St. Gallen
Museumstrasse 32
CH-9000 St. Gallen
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