Richard Hawkins in Hannover  |  | in der Ausstellung „Richard Hawkins. Potentialities“ | |
Die Kestner Gesellschaft in Hannover widmet Richard Hawkins mit „Potentialities“ derzeit eine Überblicksausstellung. Seit den frühen 1990er Jahren hat der in Los Angeles lebende Künstler eine Arbeitsweise entwickelt, die aus der Lust an intensiver Betrachtung, akribischer Recherche und dem Zusammenspiel von Fankultur und Begehren hervorgeht. Der Fokus der Schau liegt auf Werken aus acht Gruppen, die in den letzten zwanzig Jahren entstanden. Kuratorin Eva Birkenstock hat über 100 Exponate, darunter Gemälde, Skulpturen, Collagen und Keramikreliefs sowie KI-generierte Videos, die sich mit Online-Subkulturen und Memes beschäftigen.
Der Ausstellungstitel „Potentialities“ verweist auf die Fähigkeit von allem und jedem, etwas anderes zu werden, und auf die grenzenlosen Möglichkeiten des Seins. In Hawkins’ Arbeit ist diese Idee sowohl als Konzept wie auch als Methode am Werk. Bilder und Themen bleiben hier über Malereien, Collagen und Videos hinweg stets im Fluss: ausgeschnitten, überlagert und in Konstellationen mit offenem Ende neu kombiniert. Den Anfang bildet Malereiserie der Zeit zwischen 2017 und 2024, die auf Verfahren des Ausschneidens und Einfügens von Bildern aus Magazinen und Publikationen beruhen. Richard Hawkins verbindet hier Materialen verschiedener Quellen wie Abbildungen von griechisch-römischen Statuen, Porträts von Haar-Models, sogenannte „Thirst Traps“, verführerische Selbstinszenierungen auf Social Media, schwule Erotikfilm-Darsteller und Hollywood-Ikonen miteinander. Schon hier baut er auf Collage und Kombination unterschiedlicher Referenzen als zentrale künstlerische Methode auf. Die zweite Werkgruppe bilden bunte Acrylgemälde, in denen Hawkins von 2019 bis 2024 Celebrity-Portraits auf gemalte Textfragmente sowie Figuren wie Vampire, Zombies, oder Stierkämpfer miteinander verschränkt.
Bei Richard Hawkins bilden Begehren und Fandom weniger feste Themen als ein fortwährendes Beziehungsfeld, so Birkenstock. Bedeutung wird nicht durch fixe Referenzen, sondern durch Beziehungen produziert. Die Collage, verstanden als das Zusammenbringen disparater Elemente, strukturiert dabei seine Arbeiten, die sich bei der Popkultur ebenso bedient wie auch aus Literatur oder Kunstgeschichte. Hawkins, der bereits im Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt, der Kunsthalle Wien oder dem Museum of Contemporary Art in Los Angeles ausstellte, geht auch auf die Praktiken und Obsessionen anderer Künstler*innen ein, etwa bei den Gemälden und Papierarbeiten aus der Reihe „Forrest Bess Variations“ von 2021/23, in denen Hawkins die Arbeit und Theorien des Fischers und Malers Forrest Bess interpretiert, oder auch die großformatige Tafel „Death to Mike Kelley“ von 2019; denn Mike Kelley war sein Lehrer. Den Abschluss bilden jüngere Werke, die eine Hommage an Pierre Bonnard sind. Hier übernimmt er Bonnards Umgang mit Farbe und modifiziert dessen Originalszenen.
Die Ausstellung „Richard Hawkins. Potentialities“ ist bis zum 2. August zu sehen. Die Kestner Gesellschaft hat dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr, am Donnerstag zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 7 Euro, ermäßigt 5 Euro, für Kinder und Jugendliche bis 14 Jahren ist er kostenfrei. Der begleitende Katalog kostet im Haus 38 Euro, die Edition „Mystery Cult of Harpocrates (Hannover Version)“ 300 Euro.
Kestner Gesellschaft
Goseriede 11
D-30159 Hannover
Telefon: +49 (0)511 – 701 200 |