Kröller-Müller Museum bereist mit Isaac Israëls Europa  |  | Isaac Israëls, Der Trevi-Brunnen in Rom, 1923/28 | |
Seit dem Wochenende gewährt das Kröller-Müller Museum im niederländischen Otterlo Einblicke in das kosmopolitische Leben des frühen 20. Jahrhunderts und konzentriert sich dabei auf das Schaffen des berühmtesten niederländischen Impressionisten Isaac Israëls. Der 1865 in Amsterdam geborene Sohn des wohlhabenden und erfolgreichen Malers Jozef Israëls siedelte 1871 mit seinen Eltern nach Den Haag um. Schon als Vierjähriger zeigte sich sein künstlerisches Talent, das in einer Ausbildung beim Vater, an der Koninklijke Academie van Beeldende Kunsten in Den Haag und der Rijksakademie van Beeldende Kunsten in Amsterdam heranreifte. Danach hielt es Isaac Israëls selten lange an einem Ort. Angeregt durch das Elternhaus und von literarischen Werken, sprachbegabt und voller Entdeckerfreude, weltoffen und die Kunstzentren im Visier, schuf er auf Reisen in ganz Westeuropa Porträts, Bilder von Alltagsszenen, Freizeitvergnügungen oder von Kulturereignissen. Das Museum Kröller-Müller verzeichnet 23 Gemälde sowie 300 Zeichnungen, Aquarelle und Pastelle von ihm in seinem Bestand. Darauf basierend, arrangierte die Kuratorin Renske Cohen Tervaert einen kompakten Überblick aus rund 100 Ölgemälden, Aquarellen, Zeichnungen, Skizzenbüchern und Dokumenten. Sie nehmen den Besucher in einige der 69 westeuropäischen Orte mit, die Israëls besuchte. Nach Ländern in sechs Kapitel gegliedert, bieten sich Impressionen in die künstlerische Entwicklung des Malers und die Atmosphäre der jeweiligen Gegenden.
Von den ersten beiden großen Reisen mit seinen Eltern zwischen 1877 und 1879 nach Paris, London, in die Schweiz, nach Österreich und Italien zeugt unter anderem ein Skizzenbuch mit Ansichten von Venedig. Es folgen arbeitende Menschen und Landschaften, die Isaac Israëls bei Aufenthalten in die belgische Bergbauregion Borinage rund um die Stadt Mons 1885 und nach Hamburg 1894 illustrierte. Ab 1904 war für fast zehn Jahre Paris seine Heimat, wo er sich anspruchsvollen Themen widmete und zeitweise ein Atelier unterhielt. Er skizzierte das quirlige Straßenleben, das Dasein besser gestellter Kreise oder Pferderennen. Diese Sujets übertrug er später in Gemälde. Sozialkritik blieb dabei außen vor. Der dritte Abschnitt widmet sich Israëls’ Faszination für Spanien und Russland, wobei er letztgenanntes Land nie bereisen konnte. Konzentriert auf Porträts hellte sich seine Farbpalette um 1900 etwas auf. Die Betonung des Motivs und eine breite pastose Pinselführung genießen dennoch Vorrang vor Licht- und Schattenwirkungen.
Ab 1913 zog es Isaac Israëls für einige Jahre nach London. Die in seinem dortigen Atelier entstandenen Werke zeugen von seiner Euphorie für Menschenmassen, den rauschenden Verkehr, Parkanlagen oder die pferdereitende Elite. Ab 1914 besuchte er mehrfach die Schweiz. In lebendig gehaltenen Stadtveduten aus Bern oder Fribourg sowie Gebirgspanoramen fing er das Flair des Landes ein, gefolgt von maritimen Sujets, die er auf einer Reise nach Kopenhagen und Stockholm 1919 erblickte. Von Antibes, dem Wohnort seiner Lebensgefährtin aus, unternahm er in den letzten Jahren Ausflüge nach Italien. Kraftvoll ausformulierte Wahrzeichen verschiedener Städte, wie der Trevi-Brunnen oder die Engelsburg in Rom, stehen im abschließenden Kapitel hell strahlenden Strandmotiven gegenüber, die die lockere Atmosphäre an Italiens sonnenverwöhnten Küsten simulieren. Die letzten Lebensjahre verbrachte Isaac Israëls in seinem Haus in Den Haag. Auch hier malte er, inspiriert von seinem Freund Max Liebermann, lichterfüllte Strandszenen, bevor er 1934 an den Folgen eines Verkehrsunfalls starb.
Die Ausstellung „Isaac Israëls’ Europa“ ist bis zum 20. August zu besichtigen. Das Kröller-Müller Museum hat dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet, im Juli und August auch montags. Der Eintritt beträgt 27,75 Euro, ermäßigt 20,80 Euro für Jugendliche oder 6,95 Euro für Kinder. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der im Museum 29,95 Euro kostet.
Kröller-Müller Museum
Houtkampweg 6
NL-6731 AW Otterlo
Telefon +31 (0)318 – 591 241 |