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Das flanierende Paar / Max Stern

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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Bei den Gemälden Alter Meister hatte Koller mit einigen Ausfällen zu kämpfen. Dafür lief beim 19. Jahrhundert und bei den Arbeiten auf Papier fast alles wie am Schnürchen

Erntefreuden



Pieter Breughel d.J.,  Allegorie des Herbstes, 1622

Pieter Breughel d.J., Allegorie des Herbstes, 1622

Pieter Breughel d.J. hatte ein großes künstlerisches Vorbild, seinen Vater Pieter Bruegel d.Ä., obwohl er ihn kaum kannte. Denn der starb 1569, als sein Sohn gerade einmal fünf Jahre alt war. Dennoch hielt sich der jüngere Breughel im Gegensatz zu seinem Bruder Jan Brueghel d.Ä. streng an das bildnerische Repertoire seines Vaters, das er durch Zeichnungen und weit verbreitete Druckgrafiken, vielleicht auch durch einzelne originale Gemälde kennengelernt hatte, und bediente mit seiner Kunst die um 1600 stark gestiegene Nachfrage nach den Kompositionen von Pieter Bruegel d.Ä. So bezeichnete Karel van Mander 1604 den damals vierzigjährigen Maler als guten Kopisten der Werke seines Vaters. In diese familiäre Tradition reiht sich auch ein Genrebild ein, auf dem Bauern in einem Dorf vor dem Gasthof Krone gerade ein Schwein schlachten, Kornähren in dem Dachspeicher lagern, Winzer auf den Rebhängen die Trauben lesen und den Wein nach dem Keltern in Fässern abtransportieren. Diese Allegorie auf den Herbst, die Pieter Breughel auf das Jahr 1622 datiert hat, gehörte mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Jahreszeitenfolge, die wohl zuletzt 1935 bei Sotheby’s als Ganzes versteigert und dann von der Baseler Kunsthändlerin Marguerite Schulthess einzeln veräußert wurde. Nach vier Generationen im selben Schweizer Familienbesitz kam Breughels Herbstbild mit einer bescheidenen Schätzung von 300.000 bis 500.000 Franken wieder auf den Markt löste im Züricher Auktionshaus Koller einen Begeisterungssturm aus. Der Hammer fiel nach einem zehnminutigen Bietgefecht schließlich bei 1,5 Millionen Franken zugunsten einer neuen Schweizer Privatsammlung.


Obwohl von den 87 Gemälden Alter Meister am 27. März gerade etwas mehr als die Hälfte veräußert wurde, waren es diese Steigerungsraten, die Cyrill Koller jubilieren ließen: Die Frühjahrsauktionen seien in allen Abteilungen mit bemerkenswerten Preisen sehr erfolgreich verlaufen; insgesamt habe der Gesamterlös das Eineinhalbfache der unteren Schätzwerte erreicht und unterstreiche damit die anhaltende Stärke des Marktes, insbesondere im oberen Segment. Das bewiesen schon die ersten Positionen der Auktion, etwa eine innige Geburtsszene, in der Maria, der kleine Johannes der Täufer, Maria Magdalena und zwei Hirten den Neugeborenen in einem ruinösen Stall vor weiter Flusslandschaft anbeten. Die Altartafel mit halbrunden Abschluss wird dem in der Toskana tätigen Meister von 1493 zugewiesen und kletterte von 60.000 Franken auf 150.000 Franken. Auch für die fein gemalte Sacra conversazione der Florentiner Frührenaissance um 1410/15, in der sich um die thronende Maria die Heiligen Dorothea, Katharina von Alexandrien, Jakobus d.J. und Antonius Abbas auf grüner Wiesenzone und vor goldenem Himmel versammelt haben, ist der Maler nicht gesichert. Sie wird mit Gherardo Starnina oder Lorenzo Monaco in Verbindung gebracht und heimste 125.000 Franken ein (Taxe 80.000 bis 120.000 SFR).

Die Alten Meister

Zwei Altarflügel mit den formatfüllenden Heiligenfiguren des Evangelisten Johannes und der Nothelferin Katharina, die in der Werkstatt Goswin van der Weydens, eines Enkels des bekannten Meisters Rogier van der Weyden, entstanden, hatten bei 75.000 Franken ebenfalls leichtes Spiel (Taxe 40.000 bis 60.000 SFR), ebenso Joachim Beuckelaers manieristische, alttestamentliche Weisheitsszene „Das Urteil des Salomon“ von 1562 bei 105.000 Franken (Taxe 30.000 bis 50.000 SFR). Doch bei den Niederländern taten sich dann einige Lücken auf. So fanden unter anderem Adam Willaerts’ Küstenszene mit Booten und Segelschiffen samt elegantem Paar an einem belebten Fischmarkt, (Taxe 60.000 bis 80.000 SFR), Ferdinand Bols Bildnis des älteren Geistlichen Adriaen Noirot (Taxe 70.000 bis 100.000 SFR) und Nicolaes Berchems italianisante Landschaft mit Kühen, Ziegen, Hirten und tanzenden Musikanten von 1646 keine Abnehmer (Taxe 50.000 bis 70.000 SFR), und Abraham de Vries kam mit seinem freundlichen Bildnis eines Mädchens als Schäferin nur auf 65.000 Franken (Taxe 70.000 bis 100.000 SFR).

Diese Scharten machten Jan van Goyen und Salomon van Ruysdael wieder etwas wett: Goyens tonal braunes Hafenbild samt Fischerbooten und Dordrecht im Hintergrund von 1655 spielte 300.000 Franken ein (Taxe 200.000 bis 350.000 SFR), Ruysdaels motivisch verwandte, aber etwas bunter angelegte Flussgegend samt Segelbooten 400.000 Franken ebenfalls in der Mitte der Schätzungen. Beide Gemälde gingen in deutsche Privatsammlungen. Auch Willem van de Velde d.J. durfte sich über 38.000 Franken für sein Fischerboot bei Windstille an der Küste freuen (Taxe 20.000 bis 30.000 SFR). Bei den Stillleben reüssierten Cornelis de Heems locker arrangierter, sommerlicher Blumenstrauß in einer Glasvase bei 72.000 Franken (Taxe 40.000 bis 60.000 SFR) und vor allem Carstian Luyckx’ Himmelsglobus, der auf einem offenen Buch steht und von Schmetterlingen umschwirrt wird, bei 70.000 Franken (Taxe 25.000 bis 35.000 SFR), während der Neapolitaner Luca Forte mit seinen zwei üppigen, mild beleuchteten Früchteanhäufungen auf Felsvorsprüngen für 180.000 bis 250.000 Franken passen musste.

Das 18. Jahrhundert hatte wiederum einige Highlights zu bieten, etwa Giovanni Battista Tiepolos Ölskizze mit dem Martyrium der heiligen Agatha, die in Verbindung mit einem Auftrag für die Basilica di Sant’Antonio in Padua steht und 45.000 Franken einbrachte (Taxe 25.000 bis 35.000 SFR). Daran schloss sich François Boucher an, der auch als Dekorateur am Theater und an der Oper tätig war. Seine felsige Flusslandschaft mit zwei jungen Männern von 1761, die so gar nicht aus sich selbst heraus lebendig wirkt, gilt als Entwurf für eine Bühnenausstattung und brachte 100.000 Franken an der unteren Schätzgrenze ein. Das Augenmerk bei Boucher lag vor allem auf der „Hochzeit von Ariadne und Bacchus auf der Insel Naxos“, einer Wiederentdeckung in einer Schweizer Privatsammlung. Die mit mythologischen Figuren reich ausgestattete Szene, die Boucher als Ölskizze wohl in Vorbereitung für eine Tapisseriefolge der Manufacture de Beauvais in Grisailletechnik gemalt hatte, hielt sich mit einem Zuschlag bei 220.000 Franken wiederum an die Vorgaben. Jean-Victor Bertin, der sich von seinen Italienaufenthalten 1814 zu einer „Arkadischen Landschaft“ mit Häusern, Vieh und Hirten beim Müßiggang inspirieren ließ, generierte 43.000 Franken (Taxe 40.000 bis 60.000 SFR).

Das 19. Jahrhundert

Überflieger bei den Neueren Meistern war Ivan Konstantinovich Ajvazovskij. Die Zeichnung und die drei Gemälde des auf der Krim gebürtigen Armeniers, der zu den zentralen Gestalten der russischen Marinemalerei gehört, hatte Koller aber auch vergleichsweise günstig angesetzt. Schon seine mit Bleistift, Gouache und Tusche entwickelte Grisaille eines sinkenden Schiffs auf ruhiger nächtlicher See aus dem Jahr 1888 schoss von 8.000 Franken auf 78.000 Franken. Sein atmosphärischer Farbverlauf aus zarten Gelb-, Blau- und Rottönen, den er im diffusen Sonnenlicht eines dunstigen Himmels sowie dessen Reflexionen auf dem Wasser in dem kleinen Ölgemälde einer Meeresküste am Abend eingefangen hatte, blieb gleichfalls nicht bei der Erwartung von 20.000 bis 30.000 Franken stehen, sondern animierte die Käufer zu 155.000 Franken. Recht weltumspannend war ihre Nachfrage nach Ajvazovskij-Gemälden. So übernahm ein Bieter aus Hongkong seine Armada hintereinander aufgereihter Segelschiffe, die vor einer gebirgigen Küste gerade eine Salve an rauchigen Salutschüssen abfeuern, für 240.000 Franken (Taxe 80.000 bis 120.000 SFR). An einen Sammler aus der Türkei ging schließlich eines seiner begehrten dramatischen Seestücke, in denen die Naturgewalten menschliches Leben bedrohen, wie bei dem „Schiffbruch an der Felsenküste“ von 1872. Dafür musste er aber 580.000 Franken aufwenden (Taxe 180.000 bis 250.000 SFR).

Bei einer hohen Abnahmequote samt Nachverkauf von 95 Prozent hielten sich die übrigen Gemälde des 19. Jahrhundert weitgehend an die Vorgaben. Es gab nur noch wenige Ausreißer nach oben, vor allem im unteren Preissegment, darunter Carl Spitzwegs unscheinbare Ölstudie eines Gartenaufgangs mit blühendem Holunderbusch für 14.000 Franken (Taxe 2.500 bis 3.500 SFR), Jean-Baptiste Robies duftigen Rosenstrauß im Grünen, an dem gerade eine Hummel schnuppert, wiederum für 14.000 Franken (Taxe 5.000 bis 7.000 SFR) oder die verhaltenen „Deux baigneuses“, gemalt von Henri Fantin-Latour um 1891 in einem symbolistischen Klassizismus, für 20.000 Franken (Taxe 5.000 bis 7.000 SFR). Der Genre- und Jagdmaler Jan Chelminski, der wie etliche Polen seiner Zeit an der Münchner Kunstakademie studierte, ließ bei den Sammler ebenfalls nicht locker, bis für seine drei Pferde samt Fuhrwerk in der Abenddämmerung aus dem Jahr 1874 unerwartete 18.000 Franken erreicht waren (Taxe 4.000 bis 6.000 SFR).

Sein gleichfalls in München ausgebildeter Kollege Alfred von Wierusz-Kowalski hatte mit einem verwandten Motiv dagegen das Nachsehen: Seine „Wolfsattacke auf einen Pferdeschlitten“ in winterlich verschneiten östlichen Weiten verabschiedete sich erst im Nachverkauf bei 95.000 Franken (Taxe 100.000 bis 150.000 SFR). Auf den musste auch Johann Heinrich Füssli warten, bis seine gespenstische Szene „Das Grab des Rosicrucius“ aus der englischen Schauerromantik von 1803 bei 100.000 Franken erlöst wurde (Taxe 150.000 bis 250.000 SFR). Sein schottischer Landsmann David Roberts hatte alsdann nicht so viel Glück. Trotz des ikonischen Blicks über den Canal Grande auf die Kirche Santa Maria della Salute in schimmernden Lichteffekten und stimmungsvoller Leichtigkeit à la Turner fiel seine Vedute aus dem Jahr 1852 von 30.000 Franken auf die Hälfte zurück.

Zeichnungen und Grafiken

Bei den Arbeiten auf Papier konnte sich Koller abermals nicht beklagen; wurden doch auch hier 90 Prozent der siebzig Losnummern übernommen. Jean-Honoré Fragonards charaktervolle Pinselzeichnung eines älteren bärtigen Mannes verfehlte dabei ihre Wirkung nicht. In das Blatt, das zu seinen berühmten „Greisenköpfen“ aus der zweiten Hälfte der 1760er Jahre gehört, mit denen Sotheby’s in New York erst im Februar Erfolge feiern konnte, verguckte sich vor allem ein britischer Sammler und spendierte letztendlich 120.000 Franken (Taxe 20.000 bis 30.000 SFR). Höhepunkte der gut sortierten Suite mit Rembrandt-Radierungen, die bei günstigen Preisvorgaben komplett übernommen wurde, waren die eindringliche biblische Unterweisung „Abraham und Isaak“ von 1645 für 8.500 Franken (Taxe 3.000 bis 4.000 SFR), die „Bauernfamilie auf der Wanderschaft“ um 1652 für 4.200 Franken (Taxe 2.000 bis 3.000 SFR), der „Mann, nach einem Gipsabguss zeichnend“ um 1641 für 4.500 Franken sowie „Christus und die Samariterin am Brunnen“ von 1657 für 4.800 Franken (Taxe je 1.500 bis 2.000 SFR).

Eine 1594 datierte Waldlandschaft mit lustigen Satyrn und musizierenden Musen konnte dem Münchner Manieristen Georg Pecham nur zugeschrieben; dennoch schnellte die figurenreiche, zart blau lavierte Tuschezeichnung von 2.000 Franken auf 8.500 Franken. Auch bei einer Madonna mit dem Jesusknaben, dem heiligen Sebastian und zwei Franziskanermönchen war die Urheberschaft Francesco Guardis nicht gesichert; aber auch bei diesem ansprechenden Blatt aus dem venezianischen Rokoko um 1728/30 stand mit 5.000 Franken am Ende das Doppelte der oberen Schätzung auf der Rechnung. Beim 19. Jahrhundert überzeugten Marie Ellenrieders feinsinniges Pastellportrait einer jungen Frau im Profil nach links von 1845 zu 2.200 Franken (Taxe 1.000 bis 1.500 SFR), zwei Wilhelm Busch zugeschriebene Zeichnungen zur Folge „Der Gefällige“ mit Grete, die eben zum Hühnernest hochsteigt und wie dann die Leiter unter ihrem Gewicht zusammenbricht, zu 5.000 Franken (Taxe 1.500 bis 2.000 SFR) und vor allem der Russe Aleksandr Karlovich Beggrov mit seinem Aquarell einiger festlich geschmückter Schiffe auf der Newa vor St. Petersburg von 1899 zu 13.000 Franken (Taxe 2.000 bis 3.000 SFR).

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Koller Auktionen

Hardturmstrasse 102

CH-8031 Zürich

Telefon:+41 (044) 445 63 63

Telefax:+41 (044) 273 19 66

E-Mail: office@kollerauktionen.ch

Startseite: www.kollerauktionen.com



10.04.2026

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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