Modigliani-Gemälde geht an Kunsthändlererben zurück  |  | Amedeo Modigliani, L’Homme assis (appuyé sur une canne), 1918 | |
Nach einem jahrelangen Rechtsstreit erhalten die Erben des jüdischen Kunsthändlers Oscar Stettiner das Gemälde „Sitzender Mann mit Stock“ von Amedeo Modigliani zurück. Das geht auf ein Urteil des New York Supreme Court vom 3. April zurück. Das Portrait aus dem Jahr 1918, das wohl den Schokoladenfabrikanten Georges Ménier zeigt, war während der NS-Besatzung aus der Pariser Kunsthandlung Stettiners konfisziert worden. Nach weiteren Besitzerwechseln erwarb die Familie Nahmad, eine der einflussreichsten Dynastien im internationalen Kunsthandel, das Portrait 1996 auf einer Auktion bei Christie’s in London für knapp 2,1 Millionen Pfund brutto und bewahrte es seitdem in einem Lager in der Schweiz auf.
Mit Unterstützung der auf Restitution von Raubkunst spezialisierten kanadischen Firma Mondex bemüht sich Philippe Maestracci, ein Enkel des 1948 verstorbenen Stettiners, seit 2011 um die Rückgabe des Modigliani-Gemäldes. Erste Auskunftsersuchen an die Helly Nahmad Gallery, die das Bild 2005 in ihren New Yorker Räumen präsentiert hatte, blieben ohne Antwort. Daraufhin legte Maestracci 2015 eine Klage auf Rückerstattung ein und setzte damit einen langwierigen Rechtsstreit in Gang. Lange war unklar, wer hinter dem „International Art Center“, einer Briefkastenfirma in Panama, steckt, die das Bild 1996 bei Christie’s erworben hatte. Erst durch die Veröffentlichung der Panama Papers 2016 stellte sich heraus, dass es die Firma von David Nahmad ist. In späteren Gerichtsverhandlungen argumentierten seine Anwälte zudem, dass es unsicher sei, ob es sich bei dem Kunstwerk um den Modigliani handelt, der zuvor in Stettiners Besitz war.
Vergangene Woche urteilte Richter Joel M. Cohen zugunsten Philippe Maestracci. Zwar habe die Familie Nahmad mit falschen Provenienzangaben im Christie’s-Katalog von 1996 das Portrait im guten Glauben erworben, doch handle es sich um dasselbe Gemälde, auf das Stettiner einen vorrangigen Besitzanspruch habe, da es ihm unrechtmäßig entzogen worden war. Die Nahmads hätten keine überzeugenden Beweise vorlegen können, die diesen Anspruch widerlegen. Cohens Urteil stützt sich dabei auf ein Verfahren aus dem Jahr 1946, in dem Oscar Stettiner selbst bereits die Rückgabe des Gemäldes erstritten habe. Zwar ordnete ein französisches Gericht damals die Restitution an, doch das Werk war zu diesem Zeitpunkt bereits weiterverkauft worden und blieb unauffindbar. Nach Jahrzehnten, in denen das Gemälde verschollen war, und dem langwierigen Rechtsstreit soll David Nahmad das Gemälde nun zeitnah an den Erben übergeben. Mittlerweile wird Modiglianis „Sitzender Mann“ auf 25 bis 30 Millionen Euro geschätzt. |