Österreich setzt Expertenrat zur Täterkunst ein  |  | An Otto Muehls Kunst, wie hier einem titellosen Gemälde von 1984, scheiden sich die Geister | |
Der österreichische Vizekanzler und Kulturminister Andreas Babler will einen Fachrat zum verantwortungsvollen Umgang mit Kunstwerken aus Gewaltkontexten einrichten. Hintergrund sind die anhaltenden Debatten um die Kunst von Otto Muehl, der 1991 wegen Unzucht und Beischlaf mit Minderjährigen und Vergewaltigung in seiner Kommune zu sieben Jahren Haft verurteilt wurde. Sein System des Missbrauchs stand in direktem Zusammenhang mit seinem künstlerischen Schaffen. „Wir haben eine zweifache Verantwortung: Die Verantwortung gegenüber Betroffenen von Gewalt zur Aufarbeitung und zur Kontextualisierung. Das ist eine Frage des Respekts gegenüber den Menschen“, sagte Babler. „Und wir haben eine Verantwortung gegenüber der Kunst, hier behutsam, mit offenem Blick neue Wege zu gehen. Wegschauen und Verdrängen, indem wir problematische Werke im Lager verstauben lassen, ist keine Auseinandersetzung, sondern ihr Gegenteil.“
Dabei geht es für Andreas Babler nicht nur um den Fall Otto Muehl. Den Umgang mit Kunst auch aus anderen Gewaltkontexten soll der neue Expertenrat daher mit juristischer, kunsthistorischer und psychosozialer Expertise überprüfen, bewerten und Empfehlungen aussprechen, wie mit entsprechenden Werken im Wirkungsbereich der Bundesmuseen und darüber hinaus zu verfahren sei. Die Opferperspektive soll dabei immer im Vordergrund stehen. Für einen Erkenntnisgewinn seien die transparente, interdisziplinäre Aufarbeitung und die Einbindung der Betroffenen notwendig. Babler verwies in diesem Zusammenhang auf die Kunsthistorikerin Marie-Therese Hochwartner, die zusammen mit der Gruppe „Mathilda“ im Rahmen der Ausstellung „Vom Kunstwerk zum Artefakt“ und dem laufenden Forschungsprojekt „Wiener Aktionismus revisited“ einen Maßstab in der kuratorischen und wissenschaftlichen Aufarbeitung gesetzt habe. |