Die Vedutenmaler Canaletto und Bellotto  |  | in der Ausstellung „Canaletto & Bellotto“ | |
Das Kunsthistorische Museum (KHM) in Wien widmet sich in seiner aktuellen Schau „Canaletto & Bellotto“ den führenden italienischen Vedutenmalern des 18. Jahrhunderts: Giovanni Antonio Canal und seinem Neffen und Schüler Bernardo Bellotto. Ihre Stadtansichten entfalten ein facettenreiches Panorama Europas und zeugen vom kulturellen Austausch ihrer Zeit. So beginnt die Schau in Venedig und thematisiert dann Canalettos Aufenthalt in England; neben Venedig waren die Wirkstätten Bellottos Wien, Dresden und Warschau. Kurator Mateusz Mayer betont, dass ihre Stadtansichten zwar oft als Abbilder der Realität verstanden werden, sie jedoch sorgfältig konstruierte Bilder und von künstlerischen Entscheidungen, sozio-politischen Rahmenbedingungen und den Erwartungen der Auftraggeber beeinflusst sind. Unter den 32 Gemälde der beiden Maler finden sich prominente Leihgaben wie Canalettos um 1748 datierte Vedute „London: Die Themse am Lord Mayor’s Day“ und Bellottos „Gartenpalais Liechtenstein in Wien vom Belvedere“ von 1759/60. Weitere Gemälde, Grafiken und wissenschaftliche Instrumente ergänzen die Schau.
Veduten gehörten zu begehrten Souvenirs, die junge Aristokraten auf ihren Bildungsreisen durch Europa erwarben. Sie waren Zeichen ihrer neu gewonnenen Weltgewandtheit und dienten der Erinnerung an ihre Reiseerfahrung. Bis heute prägen Giovanni Antonio Canal und Bernardo Bellotto die Vorstellungen europäischer Städte. Sie wussten, das Licht und die Atmosphäre effektvoll auf die Leinwand zu bannen, und veränderten die alltäglichen Orte in Kombination mit architektonischer Präzision zu Sehnsuchtsorten. Jonathan Fine, Generaldirektor des KHM, erklärt: „Die Werke von Canaletto und Bellotto zeigen Europa als Raum kultureller Begegnungen, lange bevor der Begriff der europäischen Öffentlichkeit geprägt wurde. Ihre Veduten verbinden Städte wie Venedig, Dresden, London oder Wien durch die Perspektive der Reisenden und Sammler des 18. Jahrhunderts. Die Ausstellung macht sichtbar, wie Kunst zur visuellen Sprache eines gemeinsamen europäischen Erfahrungsumfelds wurde.“
Canaletto erzielte in den 1730er Jahren mit seinen Veduten in Venedig Höchstpreise. Als jedoch 1740 der acht Jahre andauernde Österreichische Erbfolgekrieg begann, brach sein Markt zusammen, weil der internationale Reiseverkehr stockte und die zahlungskräftige Kundschaft ausblieb. Zunächst versuchten es Onkel und Neffe mit neuen Bildthemen. Rasch erkannten sie jedoch, dass sich ihnen außerhalb Italiens bessere Perspektiven boten. Canaletto etwa ging nach England, wo er sich in der Metropole London sein neues Betätigungsfeld erschloss und etwa 1749 die „Westminster Abbey mit einer Prozession der Ritter des Bath-Ordens“ festhielt. Canaletto führte anders als sein Neffe das unsichere Leben eines freiberuflichen Malers mit wechselnden Auftraggebern. Bellotto hingegen nahm 1747 eine feste Anstellung an den Höfen des Kurfürsten von Sachsen und nach 1763 in Warschau bei König Stanislaw II. August an, wo er dann 1780 starb.
Die Ausstellung „Canaletto & Bellotto“ läuft bis zum 6. September. Das Kunsthistorische Museum hat täglich von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt online 22 Euro, ermäßigt 19 Euro; vor Ort 24 Euro, ermäßigt 20 Euro. Für Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren ist er frei. Der begleitende Katalog kostet im Museum 39,95 Euro.
Kunsthistorisches Museum Wien
Maria-Theresien-Platz
A-1010 Wien
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