Stetten-Kunstpreis für Anaïs-Tohé Commaret  |  | Anaïs-Tohé Commaret, Pol Taburet, Sarah-Anaïs Desbenoit – die drei Finalisten des Dorothea von Stetten-Kunstpreises 2026 | |
Anaïs-Tohé Commaret hat den diesjährigen Dorothea von Stetten-Kunstpreis des Kunstmuseums Bonn gewonnen. Die 1992 geborene französisch-chilenische Künstlerin konnte sich gegen Sarah-Anaïs Desbenoit und Pol Taburet durchsetzen und erhält nun ein Preisgeld von 10.000 Euro, das sie aber mit ihren beiden Mitbewerbern teilen will. Die Arbeiten von Anaïs-Tohé Commaret haben die Jury nach eigener Aussage „besonders berührt“. „Mit ihrer eindrücklichen Bildsprache fängt sie die Poesie und Hoffnung, aber auch Zweifel und Unsicherheit der Gegenwart ein“, führte das Preisgremium weiter aus. „Als Bühne und Akteur für die alltäglichen Momente des Lebens dient der Pariser Vorort Vitry-sur-Seine, in dem die Künstlerin selbst aufgewachsen ist. Für ihre Installation im Kunstmuseum Bonn aktiviert sie außerdem die ungewöhnliche Architektur des kleinen Auditoriums, indem sie ihren filmischen Kosmos durch präzise Setzungen im Raum erweitert.“
Anaïs-Tohé Commaret, geboren 1992, arbeitet zwischen Experimental- und Dokumentarfilm. In ihren Arbeiten thematisiert sie toxische Beziehungen, Sexarbeit und Kriminalisierung. Dabei verbindet sie soziopolitische Themen und Intimität. Harter Realität stellt sie Träume des Erwachsenwerdens gegenüber. Die meist weiblichen Protagonist*innen, oft Kinder oder Teenagerinnen, sind von ihrem Umfeld und den Betonbauten der Vorstädte eingeengt und gesellschaftlich marginalisiert. „Mit ihrer grenzenlosen Fantasie aber widersetzen sie sich tradierten Machtstrukturen und Asymmetrien. Die vermeintliche Hilflosigkeit ihrer Figuren weist Commaret so zurück und findet stattdessen intensive Erzählungen voller Solidarität und Hoffnung“, so die Jury weiter. Neben dem Dorothea von Stetten-Kunstpreis hat Commaret 2026 bereits den Pontopreis MMK erhalten und präsentiert ihr Schaffen aktuell auch in der Preisträgerschau des Museum Moderner Kunst in Frankfurt am Main.
Der Dorothea von Stetten-Kunstpreis wird seit 1984 alle zwei Jahre im Kunstmuseum Bonn vergeben. Seit 2014 richtet er sich an junge Künstlerinnen und Künstler aus den Nachbarländern Deutschlands, um internationale Vernetzung und Sichtbarkeit zu fördern. Im Jahr 2026 nimmt der Preis erstmals das Kunstschaffen in Frankreich in den Blick. Die diesjährigen drei Finalist*innen wurden unter zehn Nominierten ausgewählt und überzeugten die Jury durch die „hohe Qualität der Beiträge“ und deren „Arrangements im Raum“. So erzählt der 1997 geborene Pol Taburet in seinen Gemälden, Skulpturen, Zeichnungen und Installationen geheimnisvolle Geschichten als wären sie Theaterstücke und verbindet in ihnen Bilder aus der Karibik mit Popkultur und Referenzen aus dem Kanon der europäischen Kunstgeschichte. Die Künstlerin und Filmemacherin Sarah-Anaïs Desbenoit, Jahrgang 1992, kreiert fragile Landschaften, in denen sich Architektur und Erinnerung vermischen. Sie nutzt Lichter, Sound und Miniaturen, etwa kleine Modellhäuser, und erschafft damit Illusionsräume und Déjà-vus, bevorzugt Bahnhöfe und andere Transitzonen des Stadtraums.
Die Ausstellung „Dorothea von Stetten-Kunstpreis 2026. Tohé Commaret – Sarah-Anaïs Desbenoit – Pol Taburet“ läuft vom 26. März bis zum 16. August. Das Kunstmuseum Bonn hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, mittwochs bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 5 Euro.
Kunstmuseum Bonn
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