Constantin von Mitschke-Collande in Nürnberg  |  | Constantin von Mitschke-Collande, Mütter, 1919 | |
Constantin von Mitschke-Collande ist einer der vielen Unbekannten in der Kunst der Moderne. Den siebzigsten Todestag des Malers und Grafikers nimmt nun die Kunstvilla in Nürnberg zum Anlass, sein Leben und Schaffen wieder aus der Versenkung zu holen. Für die Ausstellung hat Kuratorin Andrea Dippel, Leiterin der Kunstvilla, Werke aus dem museumseigenen Bestand, der Sammlung des Kunstforums Ostdeutsche Galerie in Regensburg sowie aus Firmen- und Privatbesitz vereint, präsentiert ein Œuvre, das zwischen Expressionismus, Kubismus, Neuer Sachlichkeit und neoklassizistischen Tendenzen changiert, und würdigt nicht nur den Künstler, sondern auch den Menschen, der nach Krieg und Vertreibung in Nürnberg eine neue Heimat fand und dort bis zu seinem Tod am 12. April 1956 wirkte.
Constantin von Mitschke-Collande entstammte der schlesischen Adelsfamilie Mitschke-Collande und kam 1884 auf dem Schlossgut Kollande bei Breslau zur Welt. Zunächst studierte er in München Architektur und besuchte gleichzeitig die private Malschule von Heinrich Knirr. 1907 ging er dann an die Dresdner Akademie, wo ihn unter anderem der deutsche Impressionist Robert Hermann Sterl, die Symbolisten Richard Müller und Osmar Schindler und der neusachliche Maler Oskar Zwintscher unterrichteten. Daneben hinterließen Künstlerreisen nach Rom und Florenz, wo er mit der italienischen Malerei der Renaissance und des Barock in Berührung kam, sowie Paris, wo er Maurice Denis und Fernand Léger kennenlernte, bleibende Eindrücke.
Nach dem Ersten Weltkrieg gehörte Mitschke-Collande gemeinsam mit Otto Dix und Oskar Kokoschka zu den Gründern der gesellschaftskritischen Künstlervereinigung „Dresdner Sezession Gruppe 1919“, woran sich eine expressionistische Werkphase in seinem Schaffen anschloss. Eine weitere Zäsur stellte die folgende Diffamierung durch die Nationalsozialisten dar: 1937 wurde eines seiner Gemälde in der Münchner Femeausstellung „Entartete Kunst“ gezeigt, weitere wurden beschlagnahmt oder vernichtet. Die Zerstörung seines Ateliers durch die Bombardierung Dresdens im Zweiten Weltkrieg bedeutete den Verlust eines Großteils seines bis dahin entstandenen Œuvres. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kam Mitschke-Collande zuerst bei der Adelsfamilie von Guttenberg in Oberfranken unter, begann hier wieder künstlerisch zu arbeiten und gestaltete etwa das Wandbild der Kirche im nahegelegenen Traindorf. Dann zog er nach Rothenburg ob der Tauber und 1952 schließlich weiter nach Nürnberg.
Die Ausstellung „Constantin von Mitschke-Collande – Ein Künstlerleben zwischen Dresden und Nürnberg“ ist bis zum 28. Juni zu sehen. Die Kunstvilla Nürnberg hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, mittwochs zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Geschlossen bliebt an Karfreitag, Ostermontag und Pfingstmontag. Der Eintritt beträgt 6 Euro, ermäßigt 4 Euro; für Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr ist er kostenlos.
Kunstvilla Nürnberg
Blumenstraße 17
D-90402 Nürnberg
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