Wolfgang Hollegha in Wiesbaden  |  | Wolfgang Hollegha, Ohne Titel, 1976 | |
Dass ein österreichischer Künstler der Nachkriegsepoche in einem deutschen Museum eine Ausstellung erhält, ist bis auf wenige Ausnahmen eher selten. Das Museum Reinhard Ernst in Wiesbaden zeigt ab diesem Wochenende einen Werküberblick zu Wolfgang Hollegha und feiert nach eigenen Worten „die fulminante Deutschlandpremiere eines der international bedeutendsten österreichischen Maler nach 1945“. Involviert sind dabei Daniel Hollegha, der Sohn des 2023 verstorbenen Künstlers, und die Kurator*innen Lea Schäfer vom Museum Reinhard Ernst und Günther Holler-Schuster von der Neuen Galerie in Graz, mit der die Schau zusammen konzipiert wurde. Sie präsentieren 27 großformatige Arbeiten Holleghas aus sechs Jahrzehnten, die aus seinem Nachlass, aus dem Museum Liaunig sowie aus privaten Sammlungen stammen, und setzten sie in Beziehung zu Arbeiten seiner amerikanischen Zeitgenossen Friedel Dzubas, Helen Frankenthaler, Morris Louis, Jules Olitski, Jackson Pollock und Larry Poons.
Der 1929 in Klagenfurt geborene Hollegha, der von 1947 bis 1954 er an der Akademie der bildenden Künste in Wien studierte, erhielt Ende der 1950er Jahre in New York, einem Zentrum der künstlerischen Avantgarde jener Zeit, bereits früh große Anerkennung. Gefördert von Clement Greenberg, dem einflussreichen US-amerikanischen Kunstkritiker, stellte er gemeinsam mit den Protagonist*innen des Abstrakten Expressionismus aus. Als jüngster Preisträger wurde Wolfgang Hollegha 1958 für Österreich mit dem Guggenheim Award ausgezeichnet, zeitgleich mit Alberto Giacometti, der den Preis für die Schweiz entgegennahm, und Mark Rothko für die USA. Trotz seiner internationalen Erfolge entschied sich Wolfgang Hollegha bewusst gegen eine Karriere in den Kunstmetropolen. 1962 zog er sich auf einen Bauernhof aus dem 17. Jahrhundert am Rechberg nördlich von Graz zurück, wo er über mehr als sechs Jahrzehnte ein eigenständiges, oft monumentales Œuvre schuf.
Bekannt wurde Hollegha für seine fließenden bewegten Farbstränge und den mal locker, mal dichter konfigurierten Farbseen, mit denen er 1964 etwa auf der Documenta in Kassel und drei Jahr später auf der Biennale in São Paulo vertreten war. Dabei ließ er sich von Alltäglichem in seinem Wohnhaus und seinem Atelier inspirieren. Als Motivvorlagen seiner in dünnem lasierendem Farbauftrag entwickelten Gemälde dienten ihm beispielsweise Kinderspielzeug, ein Korb oder Holzscheite, die er in einer präzisen Verdichtung und Reduktion in die Ungegenständlichkeit überführte und somit ein Gespräch zwischen der Wirklichkeit und der Abstraktion initiierte. So beeindruckt in Wiesbaden das Gemälde „Mütze zwei Holzscheite“ aus dem Jahr 2002 auf sechs Metern Breite durch seine rhythmische tänzerische Geste.
Die Ausstellung „Wolfgang Hollegha. Denk nicht, schau!“ läuft vom 15. März bis zum 25. Oktober. Das Museum Reinhard Ernst hat täglich außer montags von 12 bis 18 Uhr, am Mittwoch zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 14 Euro, ermäßigt 12 Euro, für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ist er frei. Der Katalog aus dem Wienand Verlag kostet im Museum 29,90 Euro.
Museum Reinhard Ernst
Wilhelmstraße 1
D-65183 Wiesbaden
Telefon: +49 (0) 611 – 763 88 880 |