Dresden untersucht den Plattenbau in Ost- und Westdeutschland  |  | Montagebau in der Legienstraße in Hamburg-Horn, November 1961 | |
Im Stadtmuseum Dresden dreht sich alles um die Großtafelbauweise, bei der Gebäude aus vorgefertigten, wand- oder raumgroßen Betonteilen zusammengesetzt werden. Diese Art des Bauens, die als „Plattenbau“ nicht immer nur auf Zustimmung traf und trifft, führte vor allem in den 1960er bis 1980er Jahren zu einer Vielzahl an Wohnungen, die sowohl in der ehemaligen DDR wie auch in Westdeutschland verbreitet sind. Aktuell besteht in Deutschland weiterhin Wohnungsnot, wobei die Verantwortlichen auch auf ein modulares serielles Bauen setzen. In der Ausstellung nehmen die Kurator*innen Claudia Quiring und Jonas Malzahn die Entwicklung des Plattenbaus im gesamten Deutschland in den Blick und gehen den Fragen nach, wann und warum die Idee des industriellen Wohnungsbaus aufkam, wie die dafür erforderlichen Strukturen entstanden und der Plattenbau sich in den folgenden Jahrzehnten bis heute weiterentwickelte. Vertiefend sprechen sie zudem Themen wie den Wohnkomplex und Siedlungsbau, die baugebundene Kunst, das Image der Platte oder den Umgang mit der Altstadt an. Für die Zeit nach 1990 zeigen sie vielfältige Möglichkeiten auf, baulich und sozial verträglich mit bestehenden Plattensiedlungen umzugehen und diese zukunftsorientiert weiterzuentwickeln.
Quiring und Malzahn betrachten das Thema Plattenbau nicht rein bauhistorisch, sondern beziehen konsequent die Perspektive der Bewohner und Bauleute ein. Dazu dienen unter anderem in Dresden-Prohlis und Köln-Chorweiler für die Ausstellung neu produzierte Interviews. Somit wird Sozialpolitik mit Architekturgeschichte zusammengeführt und Menschen nach ihren Erfahrungen und Erlebnissen befragt. In den Videos berichten auch die beteiligten Architekt*innen von den Umständen des Bauens aus ihrer Sicht. Die Schau stellt unter anderem Beispiele aus Aschersleben, Berlin, Cottbus, Dortmund, Gera, Rostock, Saarbrücken, München oder Wolfsburg vor.
So genießen etwa in Dresden-Mockritz mehrere Damen um 1974 den Nachmittag gemeinsam unter dem Schutz der Sonnenschirme auf einem mit Gras bewachsenen Grünstreifen vor der hohen gerasterten Waschbetonfassade des Altersheims Olga Körner. Der Einzug in die Plattenwohnungen gestaltet sich beim dem Ausladen der LKWs mit Mobiliar, Kleidung und Teppichen sowohl in Hamburg als auch in Dresden ähnlich. Aufschluss über die Anfertigungen der Bauplatten bieten Bilder aus dem Plattenwerk München-Lerchau von 1964/65 oder der Montage in der Hamburger Legienstraße 1961. Kinder konnten mit dem Spiel „Moderner Grossblock Baumeister“ der Manfred Spritzguss-Erzeugnisse um 1960 das Plattenprinzip erlernen und umsetzen. Schließlich zeigt das Projekt „Einfamilienhaus-Haus“ in Stendal, wie sich ein mausgrauer DDR-Plattenbau zu modernen, ökologischen und attraktiven Wohnraum für Familien mit Gärten auf verschiedenen Ebenen wandeln kann.
Die Ausstellung „Platte Ost/West. Wohnen und Bauen in Großtafelbauweise“ ist vom 29. November zu sehen. Das Stadtmuseum Dresden hat dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 6 Euro; freitags ist er ab 12 Uhr frei.
Stadtmuseum Dresden
Wilsdruffer Straße 2
D-01067 Dresden
Telefon: +49 (0)351 – 488 72 72 |