Edgar Calel in Bern  |  | in der Ausstellung „Edgar Calel. Ni Musmut“ | |
Die Kunsthalle Bern widmet sich aktuell dem Künstler Edgar Calel. Der 1987 in Guatemala geborene Amerikaner gehört der indigenen Gemeinschaft der Maya-Kaqchikel an und versteht seine multimediale Praxis nicht als Kunst im westlichen Sinn, sondern als „Naoj“, als Ausdruck kollektiven Wissens, spiritueller Erfahrung und kultureller Erinnerung der Kaqchikel. In seinem Schaffen greift der Absolvent der Escuela Nacional de Artes Plásticas in Guatemala-Stadt auf Rituale und Bräuche seiner Heimat zurück und thematisiert Arbeitsbedingungen, Agrarwirtschaft und deren Folgen auf die Umwelt in Guatemala. Hierfür nutzt er Materialien wie Textil, Steine, Pflanzen oder Fundstücke und integriert zudem die lebendige Tradition der Maya in seiner Installationen. So stickte Calel, der internationale Anerkennung durch seine Beiträge an der Berlin Biennale 2020 oder 2023 auf den Biennalen in Liverpool, São Paulo und Gwangju erhielt, gemeinsam mit Familienmitgliedern textile Bilder, die auf das Gemeinschaftsleben, die traditionelle Landwirtschaft, die Ahnengeschichte oder die Natur eingehen.
Edgar Calel, der in Chi Xot, in der Amtssprache Spanisch San Juan Comalapa, zur Welt kam, lebt und arbeitet an seinem Geburtsort. Er beschäftigt sich mit dem Wissen der Maya-Vorfahren und bezieht sich in seiner Kunst auf dieses Erbe. Seine Werke spiegeln vor allem seine Sorge um die ausbeuterische Behandlung von Land und Arbeit, die mit dem unaufhörlichen Streben nach Profit einhergeht. Durch seine Kunst schafft Edgar Calel einen Raum für Erzählungen über Land und Boden und lädt dazu ein, über Alternativen zum endlosen Wachstum nachzudenken. So ist in Bern eine begehbare Landschaft mit Bergen aus Salz zu sehen. Die Installation geht auf die Bemühungen indigener Gemeinschaften Guatemalas ein, gegen die Ausbeutung ihres Landes und für ihre Rechte und den Schutz der Natur zu kämpfen. In der Installation symbolisieren Ameisen aus Kupfer und Gold die Landarbeiter*innen, deren individueller Beitrag unsichtbar bleibt.
Edgar Calel beleuchtet zudem die Arbeitsbedingungen in der exportorientierten Agrarindustrie, insbesondere auf Palmöl- und Kaffeeplantagen, die zwar für die Wirtschaft des Landes wesentlich sind, allerdings auch Auswirkungen auf die Umwelt haben. Schließlich führt der intensive Anbau von Kaffee, Zuckerrohr, Bananen und Palmöl in Guatemala zu Abholzung, Bodenschäden und der Verknappung natürlicher Ressourcen. In „The Echo of an Ancient Form of Knowledge“ platziert Calel auf Steinen Bananen oder Ananasstücke mit Mandarinen oder Zweigen und erklärt hierzu: „In der Geisteshaltung der indigenen Kaqchikel wird beinahe nichts einzeln gemacht.“ Indem Calel den Steinen Obst, Gemüse oder andere Geschenke überreicht, werden sie symbolisch zu Körpern seiner Ahnen, in denen sie Leben oder Zuflucht finden können. Die Zeremonien und Rituale, die Calel hierfür ausführt, sind sowohl Teil seiner künstlerischen Praxis, aber auch ein indigener Mechanismus, der aufzeigt, „wie das Leben mit der Natur, der Erinnerung und dem Geist, jener die vor uns kamen, verbunden ist“, so Calel.
Die Ausstellung „Edgar Calel“ läuft bis zum 10. Mai. Die Kunsthalle Bern hat täglich außer montags von 11 Uhr bis 18 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt regulär 10 Franken, ermäßigt 6 Franken und ist für Kinder und Jugendliche bis zum 16. Lebensjahr kostenfrei.
Kunsthalle Bern
Helvetiaplatz 1
CH–3005 Bern
Telefon: +41 (0)31 – 350 00 40 |