Trauer um VA Wölfl  |  | Ein Selbstporträt VA Wölfls aus den 1960er Jahren | |
VA Wölfl ist tot. Der Maler, Aktions- und Videokünstler, Fotograf, Choreograf und Tanztheaterleiter starb am 1. März mit 82 Jahren in Heiligenhaus bei Düsseldorf. Das gab die Akademie der Künste in Berlin, die um ihr Mitglied trauert, und würdigte sein vielgestaltiges Schaffen, das in keine Schublade passt. Wölfl, der am 19. Dezember 1943 in Rouen mit den Vornamen Volkhart Armin geboren wurde, wollte zuerst Maler werden und studierte zwischen 1961 und 1966 unter anderem bei dem legendären Oskar Kokoschka an der Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst in Salzburg. Anschließend wechselte er zur Fotografie und an die Folkwang Hochschule nach Essen, wo der nicht minder berühmte Otto Steinert und Willy Fleckhaus ihn bis 1969 unterrichteten. Im Rahmen des Studiums ging er nach New York, porträtierte Künstler wie Andy Warhol, Roy Lichtenstein oder Allen Ginsberg und dokumentierte in einer einzigartigen Schwarz-Weiß-Serie das Woodstock-Festival. Die Bilder der Hippie-Party präsentierte VA Wölfl nach langen Jahren unter Verschluss 2021 im Düsseldorfer Malkasten.
Mitte der 1980er Jahre gründete er gemeinsam mit Wanda Golonka die freie Tanzgruppe „Neuer Tanz“, die er seit 1995 alleine führte. Sein multidisziplinäres Arbeiten mit experimenteller Fotografie, Performance, Film- und Videokunst habe seinen künstlerischen Höhepunkt und international ausgiebig rezipierten Ausdruck in den Bühnenwerken dieses Ensembles gefunden, so die Akademie der Künste. Bis zum Ende der Tanzkompanie sei in jährlicher Neuproduktion ein die Ästhetik des Tanztheaters auf ganz eigene Weise bildkünstlerisch inspirierendes und prägendes Werk entstanden, das mit Stücken wie „Ballettabend“, „Revolver“ oder „Ich sah: Das Lamm auf dem Berg Zion, Offb. 14,1“ regelmäßig auf den großen europäischen Bühnen und Festivals zu Gast war. Der Choreograf VA Wölfl agierte hierbei an der Schnittstelle zu Malerei, Fotografie und Videokunst und sorgte mit seiner unkonventionellen Verwendung der traditionellen Gestaltungmittel Bewegung, Raum, Ton und Licht für eine besondere Dynamik.
Ehrungen ließen nicht lange aus sich warten. So erhielt Wölfl unter anderem 1982 den „World-Wide-Video-Award“, 1995 den „Deutschen Produzentenpreis für Choreographie“, 2006 den „Deutschen Kritikerpreis“ und 2008 eine Nominierung für den Theaterpreis „Der Faust“ in der Kategorie „Beste Choreographie“. 2007 nahm ihn die der Akademie der Künste in Berlin als Mitglied in der Sektion „Darstellende Kunst“ auf. Akademie-Kollegin Reinhild Hoffmann lobte an Wölfls Schaffen den „unvollendeten Prozess, eine Aktion mit unerwartetem Verlauf, und Licht, das in ungewöhnlicher Weise ein Hauptakteur in seinen Arbeiten ist, wie auch sein versteckter Humor!“ |