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Liebermann und der deutsche Impressionismus in Potsdam

Max Liebermann, Papageienmann, 1901

Hasso Plattner, Mitbegründer des IT-Unternehmens SAP und Kunstmäzen, ist ein Freund des Impressionismus und seiner nachfolgenden Kunststile. In seinem Museum Barberini in Potsdam steht diese Epoche des ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhunderts daher immer wieder im Zentrum der Wechselausstellungen. Diesmal geht es um den Impressionismus in Deutschland. Dafür haben die Kurator*innen Ortrud Westheider und Daniel Zamani 116 Werke aus 65 internationalen Sammlungen und von privaten Leihgebern zusammengeführt, blicken über Lovis Corinth, Max Liebermann und Max Slevogt, das „Dreigestirn des deutschen Impressionismus“, hinaus und widmen sich anderen Maler und vor allem auch Malerinnen der Zeit, wie Charlotte Berend-Corinth, Philipp Franck, Emilie von Hallavanya, Dora Hitz, Heinrich Hübner, Gotthardt Kuehl, Sabine Lepsius, Eva Stort, Fritz von Uhde oder Lesser Ury.

Max Liebermann war nicht der erste, aber wohl der wichtigste Wegbereiter der künstlerischen Avantgarde in Deutschland. Mit seinem frühen und richtungsweisenden Blick nach Frankreich leitete er hierzulande eine Erneuerung der Malerei ein. In seiner Rolle als Künstler, Sammler und Präsident der Berliner Secession gab Liebermann entscheidende Impulse für die Internationalisierung des deutschen Kunstbetriebs und steht daher im Zentrum der Schau, die einen Bogen von den 1880er Jahren bis in die 1930er Jahre spannt und die von Frankreich ausgehenden Impulse und ihre Resonanz im Schaffen deutscher Künstler*innen betrachtet. Ein besonderer Fokus der Ausstellung liegt auf dem lange vernachlässigten Beitrag von Künstlerinnen zur Entwicklung des deutschen Impressionismus. Sie behaupteten sich bereits im konservativen Kaiserreich künstlerisch und ermöglichen heute ein erweitertes Verständnis der Bewegung.

Auch Max Liebermann setzte sich über die engen Vorstellungen der kaiserlichen Kunstpolitik hinweg und wurde um 1900 zum Vorbild für viele Künstler*innen in Deutschland. Früh sammelte er Werke französischer Impressionisten und beriet den damaligen Direktor der Nationalgalerie in Berlin, Hugo von Tschudi, bei seinen Ankäufen in Paris. Die erste Präsentation französischer Impressionisten in Deutschland fand 1883 in Berlin statt: In der Galerie Fritz Gurlitt wurden Gemälde von Edouard Manet, Claude Monet, Camille Pissarro und Alfred Sisley gezeigt. Um die Jahrhundertwende präsentierten die Berliner Secession und die Galerie Paul Cassirer regelmäßig Werke aus Frankreich, darunter auch skandalöse Arbeiten wie Monets „Impression. Sonnenaufgang“ oder Manets „Frühstück im Grünen“. In Deutschland wurde der Impressionismus auch als Widerstand gegen die national geprägten Kunstideen des Kaisers verstanden.

Zudem geht es Westheider und Zamani darum, wie sich das Themenspektrum aus pulsierenden Stadtansichten, Freizeit- und Naturdarstellungen, Kinderportraits oder Theaterszenen in Deutschland künstlerisch weiterentwickelte. Die Impulse aus Frankreich setzten deutsche Künstler*innen in einer eigenständigen Bildsprache um. Ihr Augenmerk richtete sich zunehmend auf die soziale Dimension der Kunst. So malten sie fortschrittliche Sozialeinrichtungen wie holländische Waisenhäuser und nahmen die neuesten Strömungen der Reformpädagogik in ihre Werke auf. Die prägende Bedeutung des Theaters um 1900 als Erlebnisraum von Emotionen spiegelte sich etwa in der malerischen Auseinandersetzung mit Rollenportraits wider. Daneben inszenierten die deutschen Künstler*innen biblische Geschichten wie „Simson und Delila“ als Ausdruck des Geschlechterkampfs, der im Zug der Emanzipationsbewegung an Brisanz gewann.

Die Ausstellung „Avantgarde. Max Liebermann und der Impressionismus in Deutschland“ ist bis zum 7. Juni zu sehen. Das Museum Barberini hat täglich außer dienstags von 10 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt regulär 16 Euro, am Wochenende 18 Euro, ermäßigt 10 Euro. Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ist er frei. Der Ausstellungskatalog aus dem Prestel Verlag kostet im Museum 39,90 Euro, im Buchhandel 45 Euro.

Museum Barberini
Humboldtstraße 5-6
D-14467 Potsdam
Telefon: +49 (0)331 – 23 60 14 499


04.03.2026

Quelle: Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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