Erste Retrospektive zu Kerry James Marshall in der Schweiz  |  | in der Ausstellung „Kerry James Marshall: The Histories I Geschichte(n)“ | |
Das Kunsthaus Zürich widmet Kerry James Marshall mit „The Histories | Geschichte(n)“ die erste Überblicksschau in der Schweiz. Die gemeinsam mit der Royal Academy of Arts in London und dem Pariser Musée d’Art Moderne erarbeitete Ausstellung zeigt das Œuvre des 1955 in Birmingham in Alabama geborenen afroamerikanischen Künstlers, der als einer der wichtigsten Maler der Gegenwart gilt. Seine vielschichtigen Bilder stellen schwarze Menschen in den Mittelpunkt. In seinen stets figurativen Arbeiten verbindet Marshall neben kunsthistorischen Bezügen auch Motive der Popkultur, politische Geschichte, den afroamerikanischen Alltag und persönliche Erinnerungen zu erzählerischen Werken. Intensive Farbigkeit, technische Virtuosität und präzise Komposition prägen die Gemälde, in denen Fragen von Repräsentation, Macht, Zugehörigkeit und historischer Verantwortung ebenso verhandelt werden wie Freude, Präsenz und Hoffnung. Der Künstler selbst erklärt: „Ich denke nicht, dass Kunstwerke einen Menschen zu einer Aktion mobilisieren können. Doch sie setzen Fragen beim Betrachter frei, die ihm zuvor nicht in den Sinn kamen.“
Bereits in der Highschool wandte sich Kerry James Marshall der Malerei zu und fand in dem einflussreichen afroamerikanischen Künstler Charles Wilbert White seinen Mentor. Beide verband eine tiefe Freundschaft, und Marshall absolvierte bis 1978 bei White sein Kunststudium am Otis College of Art and Design in Los Angeles. Seine allegorischen und anspielungsreichen Werke nähren sich aus einem Geflecht persönlicher und kultureller Bezugspunkte. Fokus seines Schaffens ist die marginalisierte Darstellung schwarzer Menschen in der westlichen Bildtradition. Dafür setzt er sich seit den frühen 1980er Jahren mit der Historienmalerei auseinander, kreiert neue Deutungen der Geschichte und entfaltet Erzählungen über Themen wie Bürgerrechtsbewegungen, transatlantische Sklaverei, kulturellen Transfer und schwarze Alltagskultur. So drehte Marshall in „Haul“ von 2025 den Raub afrikanischer Kunst während der Kolonialzeit ins Gegenteil um und zeigt schwarze Menschen, die westliches Kulturgut, darunter eine weiße Uhr, barocke Bildrahmen, eine blonde bekrönte Perücke, Geschmeide, Textilien und weitere verpackte Beutestücke in einem bunten Boot nach Afrika fahren.
Die Ausstellung „Kerry James Marshall: The Histories I Geschichte(n)“ ist bis zum 16. August zu sehen. Das Kunsthaus Zürich hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 31 Franken, ermäßigt 22 Franken. Für Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren sowie für alle am Mittwoch ist er kostenlos. Der begleitende Katalog aus dem Hirmer Verlag ist im Museumsshop für 52 Franken erhältlich.
Kunsthaus Zürich
Heimplatz 5
CH-8001 Zürich
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