Gerhard Hoehme in Duisburg  |  | in der Ausstellung „Gerhard Hoehme – enträtsel nicht die Orte“ | |
Unter dem Titel „enträtsel nicht die Orte“ zeigt das Museum Küppersmühle in Duisburg seit letzter Woche eine konzentrierte Werkübersicht zu Gerhard Hoehme. Dazu vereinte das Kuratorenteam aus Eva Müller-Remmert und Kay Heymer rund 80 Gemälde, Installationen und Grafiken aus den Jahren 1951 bis 1988. Vornehmlich stammen sie aus dem museumseigenen Bestand von Sylvia und Ulrich Ströher. Um die gesamte gestalterische Bandbreite des Künstlers abzudecken, ergänzen sechs Leihgaben aus der in Düsseldorf ansässigen Gerhard und Margarete Hoehme-Stiftung die Präsentation. Das Schaffen Gerhard Hoehmes nimmt eine zentrale Stelle bei den Versuchen einer künstlerischen Neuorientierung in der jungen BRD ein. Geprägt von Abstraktion und Informel, pendelnd zwischen Malerei und Objekt, kündet es von Experimentierfreude, Offenheit, Facettenreichtum und der Suche nach Widersprüchen. Plakative eindeutige Aussagen fehlen. Gemäß Hoehmes Intention „Meine Bilder sollen gelesen, nicht betrachtet werden. Ich möchte ein Stück Unbegreifliches sichtbar machen, es aber im Unbegreiflichen belassen“ richtet sich seine Kunst gegen die zwanghafte Neigung, alles zu erklären oder zu entschlüsseln. Sie bleibt im Ungewissen, wobei der Betrachter zum „Mitarbeiter“ und Teil des Bildes wird.
Ein wichtiger Aspekt ist Hoehmes Dienst als Jagdflieger zwischen 1935 und 1945, der sich bestimmend für die visuelle Prägung erweisen sollte. Aufsichten und Verschwommenheit sind Merkmale vieler Werke. Nach frühen tachistisch-lyrisch angelegten Bildern begann er 1957, von konventionellen rechteckigen oder quadratischen Bildformaten Abstand zu nehmen und freie Zuschnitte aus dem intuitiven malerischen Gestus zu entwickeln. Stets interessierte ihn die Tiefe unter der Oberfläche. Nach 1965 entstanden kalligrafische Schrift- und Strukturbilder, die entgegen konkreter Sprache Illusionen auslösen und über die Strömung des Informel hinausgehen. Ab 1967 fügt Hoehme Schnüre oder Schläuche seinen Bildern hinzu, die in Anspielung auf offene Räume zwischen den Dingen wie Fühler in die Umgebung des Bildes greifen. Sie wurden zum essentiellen Ausdrucksmittel seiner Kunst. Auf den Austausch zwischen Musik und Literatur verweisen zudem die poetischen assoziativen Bildtitel.
Im Gegensatz zu den scharfen politisch konfrontativen Haltungen in den 1970er Jahren entwickelte Gerhard Hoehme eine individuelle Variante und griff dabei auf Texte avantgardistischer Lyrik, politische Kampfbegriffe oder Fragmente aus der Werbesprache zurück. Dennoch sind seine Symbole oder Aussagen nicht eindeutig, deren Gehalt nicht auflösbar. Nach der Teilnahme an der Documenta II 1959 lehnte er eine erneute Mitwirkung an der Documenta 3 im Jahr 1964 ab, da es ihn störte, dass die Pop Art derart dominierte. Ab 1960 lehrte er an der Kunstakademie Düsseldorf, ab 1965 als Professor für Freie Malerei. Sigmar Polke gehörte zu seinen berühmtesten Schülern. Im Sog des Informel entwickelte Hoehme einen Gegenentwurf zur totalitären Vergangenheit, der in der heutigen, zwischen Ordnung und Chaos gebeutelten Zeit so aktuell erscheint wie selten.
Die Ausstellung „Gerhard Hoehme – enträtsel nicht die Orte“ ist bis zum 31. Mai zu sehen. Das Museum Küppersmühle hat mittwochs bis sonntags und feiertags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 4 Euro; für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre ist er frei. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der im Museum 30 Euro kostet.
MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst
Philosophenweg 55
D-47051 Duisburg
Telefon: +49 (0)203 – 30 19 48 11 |