Ewa Partum in Linz  |  | Ewa Partum, Conceptual Exercises, 1972 | |
Mit der Schau „conceptual exercises“ richtet das Francisco Carolinum in Linz ab heute Ewa Partum die erste umfassende Personale in Österreich aus und stellt eine der wenigen Künstlerinnen und Künstlern aus dem osteuropäischen Raum vor, die bereits in den 1960er und 1970er Jahren mit konzeptuellen Strategien arbeiteten. Dabei konzentrieren sich Nathalie Hoyos und Rainald Schumacher auf Werke aus der Zeit in ihrer polnischen Heimat; denn als dort 1981 das Kriegsrecht verhängt wurde, um die demokratischen Bestrebungen und die unabhängige Gewerkschaft Solidarnosc auszuschalten, emigrierte die 1945 geborene Partum nach Deutschland und lebte ab 1982 in West-Berlin. Bereits in ihrem frühen Schaffen kombinierte die Polin feministische Anliegen mit konzeptuellen und ästhetischen Strategien, setzte parallel zu ihren Arbeiten mit Buchstaben, die sie häufig im öffentlichen Raum inszenierte, aber auch in Mail Art-Aussendungen verbreitete, ihren eigenen nackten Körper als künstlerisches Werkzeug ein und entwickelte daraus eine Position, die laut dem Kuratorenduo „intellektuell klar und präzise ist, gesellschaftliche Sprengkraft entfaltet, und gleichzeitig von Liebe und Sanftmut getragen ist“.
Zeitlich beginnt die Schau im Jahr 1967 mit der Arbeit „Presence / Absence“ und spannt den Bogen bis zur Fotoaktion „Ost-West Schatten“ aus dem Jahr 1984, bei der Ewa Partum nackt auf Highheels einen Meter von der Berliner Mauer entfernt stand und in der linken Hand den Buchstaben „O“ für Ost, in ihrer rechten den Buchstaben „W“ für West hielt. 1971 stellte sie auf dem Freiheitsplatz in Lódz Verkehrs- und selbst gestaltete Verbotsschilder auf und machte damit auf die Absurdität totaler staatlicher Kontrolle des öffentlichen Raums aufmerksam. Damit wollte Partum die Möglichkeit eines Freiraums jenseits von Konsum und Erlebnissen schaffen. Diese öffentliche Aktion „The Legality of Space“ wurde für die Linzer Ausstellung in der Grünanlage vor dem Francisco Carolinum neu inszeniert.
Berührend war 1974 ihre Aktion „Change“, bei der Partum eine Hälfte ihres damals noch jungen Gesichts wie das einer gealterten Frau schminkte, um so den meist von Männern propagierten Irrglauben, nur eine junge Frau könne auch attraktiv sein, zu hinterfragen; rund 600 Poster dieser Transformation wurden vier Jahr später öffentlich plakatiert. Wegweisend war auch ihre Arbeit „Self-Identification“ von 1980. Dafür collagierte sie ihren nackten Körper in Straßenszenen, die sie als Akt in ungewöhnlichen Kontexten an verschiedenen öffentlichen Orten in Warschau zeigen, etwa in einer Warteschlange, gegenüber einer Polizistin, zwischen Passanten, in einem Geschäft und auch vor dem polnischen Regierungsgebäude. Zur Ausstellungseröffnung betrat Partum nackt den Gehsteig vor der Galerie just in dem Moment, als sich dort eine Hochzeitsgesellschaft vor einem Standesamt aufhielt.
Die Ausstellung „ewa partum – conceptual exercises“ läuft vom 27. Februar bis zum 28. Juni. Das Francisco Carolinum hat dienstags bis sonntags und feiertags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt regulär 6,50 Euro, ermäßigt 3 Euro. Für Senioren ist er frei.
Francisco Carolinum Linz
Museumstraße 14
A-4020 Linz
Telefon: +43 (0)732 – 7720 522 00 |