Münchner Medienkunstpreis für Ilinca Fechete  |  | Ilinca Fechete, After Inertia, 2026 | |
Der diesjährige Medienkunstpreis der Kunststiftung Ingvild und Stephan Goetz geht an Ilinca Fechete. Die 2002 geborene Rumänin, Absolventin der Akademie der Bildenden Künste München, darf sich nun über 5.000 Euro freuen, mit dem sie ihr Projekt „After Inertia“ realisieren kann. In dieser Installation samt webbasiertem Ableger beschäftigt sich Fechete mit der Frage, wie digitale Technologien unsere Wahrnehmung von Raum, Bewegung und Orientierung beeinflussen. „After Inertia“ ist ein computergestütztes System, das in Echtzeit mit frei zugänglichen geografischen Daten arbeitet. Daraus entstehen fortlaufend neue Bilder und Klänge. Das Werk funktioniert ohne Datenspeicherung oder klassisches maschinelles Lernen: Es reagiert ausschließlich auf seine eigenen Prozesse. Bewegung, Rotation und algorithmische Rückkopplung bestimmen, wie sich das Werk visuell und akustisch weiterentwickelt. Jede Situation ist einmalig und nicht wiederholbar.
Für ihre Installation plant Ilinca Fechete zwei lange, horizontale Bildschirme, die parallel zueinander im Raum hängen und einen begehbaren Zwischenraum bilden. Begleitet wird die visuelle Ebene von einem parametrischen Klangsystem. Teile des Tons werden über Ultraschall erzeugt und sind nur dann hörbar, wenn sie auf reale Oberflächen im Ausstellungsraum treffen. Dadurch entsteht eine direkte Beziehung zwischen dem Werk, dem Raum und den Besuchenden. Ergänzend zur Installation will Fechete eine webbasierte Version von „After Inertia“ entwickeln, die außerhalb des Ausstellungsraums weltweit und barrierefrei erlebt werden kann. Inhaltlich geht es Fechete um eine Auseinandersetzung mit digitalen Karten, Navigationssystemen und automatisierten Technologien, die unseren Alltag zunehmend bestimmen. Das Projekt lädt dazu ein, diese Systeme nicht nur als Werkzeuge zu betrachten, sondern ihre Wirkung auf Wahrnehmung, Orientierung und Entscheidung kritisch zu reflektieren.
Der Medienkunstpreis der Kunststiftung Ingvild und Stephan Goetz ist eine Kooperation zwischen der Akademie der Bildenden Künste München und der Sammlung Goetz. Er soll den künstlerischen Nachwuchs im Bereich Medienkunst fördern, die Schaffung neuer Werke unterstützen und ihre Wahrnehmung in der Öffentlichkeit stärken. Über die Vergabe des Preises entschied eine Jury, die aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Sammlung Goetz, der Akademie der Bildenden Künste München, der Kunststiftung Ingvild und Stephan Goetz sowie externen Kunstexpertinnen bestand. Neben dem Preisgeld wird Ilinca Fechete ihr Werk ab September zudem in der Münchner Akademie Galerie präsentieren. |