Hamburger Kunsthalle erwirbt Bruyckere-Skulptur  |  | Berlinde de Bruyckere, Zonder Titel, 1993 | |
Mit Mittel der Hermann Reemtsma Stiftung hat die Hamburger Kunsthalle eine überlebensgroße figürliche Skulptur von Berlinde de Bruyckere ihrem Bestand zugefügt. Bei der titellosen Arbeit handelt es sich um ein frühes Werk aus dem Jahr 1993, von dem sich die 1964 geborene Belgierin nun getrennt hat. Kunsthallen-Direktor Alexander Klar, der auf die vielfältigen Werke von zeitgenössischen Bildhauerinnen in der Sammlung des Museums verwies, sagte zur Neuerwerbung: „Dass Berlinde de Bruyckere uns eine frühe Skulptur übereignet hat, die in ihrem Œuvre eine so zentrale Rolle einnimmt, dass sie sich bislang nicht von ihr trennen wollte, ist Vertrauensbeweis und Wertschätzung gleichermaßen. Das bedeutet uns viel – kann die Hamburger Kunsthalle als Bürger*innenmuseum doch nur durch das Engagement der Künstler*innen und der Förder*innen gedeihen.“
Berlinde de Bruyckere zählt zu den renommiertesten Bildhauerinnen der Gegenwart. Im Zentrum ihres Schaffens stehen die großen Themen der menschlichen Existenz: Nähe und Distanz, Liebe und Schmerz, Verletzlichkeit und Resilienz. Entsprechend setzt die Künstlerin in ihren Skulpturen Materialien ein, die ambivalent gedeutet werden können. Im Fall des Neuzugangs „Zonder Titel“ ist es eine gebrauchte karierte Decke: Sie symbolisiert sowohl Schutz, Sicherheit und Wärme, als auch Not, Krankheit und Verborgenes. Faszinierend und unheimlich zugleich stakst die Skulptur auf Stelzenbeinen, die Bruyckere aus alten roten kegelförmigen Feuerlöschern gebildet hat: Das tänzelnde Navigieren wird so zu einem spannungsvollen Balanceakt. Die Neuerwerbung ist ab sofort bis Ende Juli im Lichthof der Galerie der Gegenwart zu sehen und ergänzt ihre seit 2021 in den Sälen der Alten Meister platzierte Skulptur „Arcangelo II“ von 2020. In Referenz zu der Gestalt eines „Erzengels“ balanciert hier eine fast gänzlich durch eine Decke aus Wachs und Tierhaar verhüllte Figur zwischen Fallen und Fliegen und berührt immerwährende menschliche Aspekte wie Fürsorge, Empathie und universelles Leid. |