Ulla von Brandenburg in Hamburg  |  | Ulla von Brandenburg, Un bal sous l’eau (Ein Unterwasserball), 2023 | |
Seit Sonntag ist im Hamburger Ernst Barlach Haus die Schau „Schüttelt Schattendramen aus dem Ärmel“ mit Werken Ulla von Brandenburgs zu sehen. Ausgangspunkt ihrer aktuellen Präsentation ist der fünfmonatige Stipendienaufenthalt der 1974 in Karlsruhe geborenen Künstlerin im Sommer und Herbst 2024 in der Villa Kujoyama in Kyoto. Die Wahlpariserin, die in ihrem Gesamtkunstwerk mit Malerei, Skulptur, Textilarbeiten, Film und Performances arbeitet, erforschte in Japan die dortige Kultur, etwa das Figuren- und Puppentheater, textile Färbetechniken, die Ästhetik des Zwielichts und der Dämmerung nach Tanizaki Jun’ichiro oder den Volksglauben an die Yokai, eine Vielzahl von Fantasiewesen. Die Schau in Hamburg zeigt diese in Japan entstandenen Arbeiten, aber auch frühere Werke, darunter ihren Film „Un bal sous l’eau“ von 2023. Die Performance ihres Schattenspiels „Wir werden wieder Raum haben und nicht bloß Fläche“, die Ulla von Brandenburg gemeinsam mit Benoit Résillot und Giuseppe Molino zur Ausstellungseröffnung realisiert hat, ergänzt als Film die bunte, faszinierende und rätselhafte Exponatewelt.
Während Ulla von Brandenburg in Japan war, lernte sie die sogenannten Yokai kennen. Diese übernatürlichen Wesen können dämonische oder alptraumhafte Züge annehmen, weisen oft tierische Formen auf, sind nicht nur Geister, sondern auch Gestaltwandler, Dämonen oder Betrüger, die Menschen gegenüber neutral, gut oder böswillig auftreten. In ihrem blauen Textilwerk „Le Pari“ von 2024/25 stellt Ulla von Brandenburg zwei Schatten dieser geisterartigen Yokai gegenüber, die eine Wette abzuschließen scheinen. Eine Art westliche Version findet sich in Brandenburgs textilem Bild „Margarete“ von 2023, auf dem die blonde Heilige mit ihrem Hammer energisch auf einen schattenhaften liegenden Teufel einschlägt. In der Serie „Kakémono“, zu Deutsch „Gehängte Sache“, greift die Künstlerin auf die fernöstlichen Rollbilder für Kalligrafie oder Gemälde auf Papier und Seide zurück, lässt hier traumartige Landschaften entstehen und entwirft ein farbenprächtiges Schattenspiel.
Die Ausstellung „Ulla von Brandenburg. Schüttelt Schattendramen aus dem Ärmel“ läuft bis zum 7. Juni. Das Ernst Barlach Haus hat dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintrittspreis beträgt 9 Euro, ermäßigt 6 Euro; Besucher unter 18 Jahren dürfen das Museum kostenlos besichtigen.
Ernst Barlach Haus
Baron-Voght-Straße 50a
D-22609 Hamburg
Telefon: +49 (0)40 – 82 60 85 |