Thomas Bayrle ruft in Frankfurt zum Fröhlichsein auf  |  | in der Ausstellung „Thomas Bayrle. Fröhlich sein!“ | |
Thomas Bayrle sei eine Legende, so die Schirn Kunsthalle in Frankfurt am Main, die dem 1937 in Berlin geborenen, seit langem in Frankfurt lebenden Künstler derzeit die Soloschau „Fröhlich sein!“ mit über fünfzig Werken der letzten zwanzig Jahre ausrichtet. „Seine Kunst ist eng mit Frankfurt verschränkt und auf der ganzen Welt geschätzt“, untermauert Schirn-Direktor Sebastian Baden die Aussage. Sein Lebensweg sei von technischer Innovation, von der Industrialisierung zur Digitalisierung gezeichnet. „Seit mittlerweile etwa sechzig Jahren untersucht Thomas Bayrle visuell die gesellschaftlichen Auswirkungen der zunehmend beschleunigten, konsumorientierten Gegenwart. Während sein Kompositionsprinzip der Superform in früheren Werken die digitale Pixelästhetik vorweggenommen hat, antwortet es heute auf die hoch technologisierte Medienlandschaft der Gegenwart“, so Baden weiter. Dafür bedient sich Bayrle Formen und Strukturen des Rasters, der Akkumulation und Serialität und setzt seine Bilder oft aus sich wiederholenden kleinen Motiven zusammen, die erst in der Gesamtschau das Thema des Kunstwerks offenbaren.
Den Ausstellungsparcours hat Kurator Matthias Ulrich nach motivischen Werkgruppen und Serien angeordnet, wobei einige Themen wiederholt auftreten. Er beginnt mit einer mehrteiligen Arbeit über die Architektur von Philip Johnson, die Thomas Bayrle zwischen 1999 und 2001 schuf. Die Installation besteht aus der quaderförmigen Holzlattenskulptur „Layout Philip Johnson“ und den zehn Postern „Philip Johnson / The New York Times“ und kann als struktureller Vergleich von Architektur und Zeitungslayout betrachtet werden. In den Postern werden verschiedene Zeitungsseiten der New York Times übereinandergelegt. Dadurch wird der Text unleserlich, aber das Raster der Zeitungsseite sichtbar. Sie erscheint nun in weißen quer und senkrecht verlaufenden Streifen als Architektur.
Das Motiv der Autobahn spielt seit den 1970er Jahren eine zentrale Rolle in Bayrles Werk. 2006 produzierte er mit Daniel Kohl, seinem ehemaligen Studenten an der Frankfurter Städelschule, die Videoarbeit „Autobahnkreuz“ und ließ dafür zahlreiche Kacheln des immer gleichen Bildausschnitts von auf der Autobahn fahrenden Autos mittels einer langsamen, herauszoomenden Bewegung in der Darstellung des gekreuzigten Jesus münden. Auch hiermit greift Bayrle grundlegende Aspekte der modernen Gesellschaft. Wie hängen Religion und Gesellschaft, Individuum und Masse, industriell gefertigte Produkte und die technischen Apparate ihrer Herstellung zusammen? Neben den Strukturen von Konsum, Arbeit, Urbanität und Technologie spielen Fortbewegung, Pop- und Massenkultur sowie Religion und deren Ersatz eine zentrale Rolle bei ihm. Mit dem Ausstellungstitel nimmt die Schirn Bezug auf Bayrles Zeit als Professor an der Städelschule von 1975 bis 2002. „Fröhlich sein!“ war ein Leitsatz, den er seinen Studierenden gerne und häufig mit auf den Weg gab. Für Bayrle selbst ist dieses Motto eine Lebensauffassung, eine künstlerische und politische Haltung.
Die Ausstellung „Thomas Bayrle. Fröhlich sein!“ ist bis zum 10. Mai zu sehen. Die Schirn Kunsthalle hat Dienstag bis Sonntag von 10 bis 19 Uhr geöffnet, donnerstags bis 22 Uhr. Der Eintrittspreis liegt bei 10 Euro, ermäßigt 8 Euro, und Kinder unter 8 Jahren dürfen kostenlos in das Museum.
Schirn Kunsthalle Frankfurt
Gabriel-Riesser-Weg 3
D-60325 Frankfurt am Main
Telefon: +49 (0)69 – 29 98 820 |