Gianna Surangkanjanajai in Berlin  |  | Gianna Surangkanjanajai, Untitled, 2024 | |
Das Haus am Waldsee startet heute in Berlin mit seinem neuen Jahresprogramm und präsentiert dazu eine Ausstellung von Gianna Surangkanjanajai. Dafür hat die 1991 in Köln geborene Künstlerin eigens Werke geschaffen, die skulptural gedacht sind, aber keinen festen, abgeschlossenen Zustand annehmen. Laut Kuratorin Beatrice Hilke geht es Surangkanjanajai vielmehr darum, wie Handlungen Form hervorbringen, wie Materialien auf Eingriffe reagieren und wie Bedeutung aus dem Zusammenspiel dieser Faktoren entsteht. So bindet sie das Prozesshafte und Zeitliche als Bedingungen in ihre Skulpturen ein und lässt eine Entwicklung zu, deren Verlauf sie nicht vollständig bestimmt. Ausgangspunkt ihrer Werke sind häufig einfache geometrische durchsichtige Körper, die Materialien aufnehmen und begrenzen. Innerhalb dieser Strukturen reagieren Flüssigkeiten, Farbe oder andere Stoffe auf Licht, Temperatur und Schwerkraft. Spannungen treten hervor, Zustände verschieben sich, innere Ordnungen geraten in Bewegung. Diese Dynamiken bleiben sichtbar und setzen sich fort, ohne sich zu einer endgültigen Gestalt zu verdichten.
Eine der neuen Werkgruppen ist „Push“. Dafür hat Gianna Surangkanjanajai vier großformatige Plexiglasquader mit industrieller Farbe gefüllt. Bereits im Ruhezustand wirkt die Masse der Flüssigkeit auf die geometrischen Strukturen: Die hohe Dichte der Farbe erzeugt einen konstanten Druck auf Wandflächen und Klebefugen, der sich bei Bewegung weiter erhöht. Verformung oder strukturelles Versagen kalkuliert Surangkanjanajai dabei als latente Möglichkeiten ein. Schon mit dem Titel verweist sie auf eine performative Handlung. Auf Rollbrettern platziert, werden die Quader in den Ausstellungsraum gestoßen. Der Ort, an dem sie zum Stillstand kommen, ergibt sich aus Gewicht, Geschwindigkeit und den spezifischen Bedingungen des Raums. Spuren dieses Vorgangs bleiben im Inneren der Körper ablesbar: Farbe, die an die Wände schlägt, setzt sich anschließend ab und zieht Schlieren entlang der transparenten Oberfläche.
In einem weiteren Raum hat Surangkanjanajai eine bewegliche Wand installiert, die von den Besucher*innen entlang einer Deckenschiene nach Belieben verschoben werden kann. Mit ihrer Bewegung verändern sich Proportionen und Lichteinfall; Durchgänge öffnen oder verengen sich, Wege werden blockiert oder umgeleitet. Die mobile Wand hat Surangkanjanajai mit einem hellen Tarnmuster überzogen, das ursprünglich darauf abzielt, Dinge oder Personen visuell in ihrer Umgebung aufgehen zu lassen. Doch mit ihrer Arbeit konterkariert Surangkanjanajai spielerisch dieses Versprechen. Während das Muster Tarnung suggeriert, bleibt die Wand in ihrer raumteilenden Präsenz unübersehbar. Selbst mit dem Ausstellungstitel setzt Surangkanjanajai auf Veränderung und Prozesshaftigkeit: Vor der Eröffnung ist die Schau mit „Upcoming“ überschrieben, während ihrer Laufzeit heißt sie „Open“ und nach ihrem Ende „Closed“.
Die Ausstellung „Gianna Surangkanjanajai – Upcoming“ läuft vom 20. Februar bis zum 25. Mai. Das Haus am Waldsee hat dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 6 Euro. Für Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr ist er kostenlos.
Haus am Waldsee
Argentinische Allee 30
D-14163 Berlin
Telefon: +49 (0)30 – 801 89 35 |