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Das flanierende Paar / Max Stern

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Berliner Ansicht Unter den Linden mit Reiterstandbild Friedrichs des Großen, 1920 / Otto Pippel

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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Neumeister versteigert in München den Nachlass von Nikolaus Gysis

Ein Grieche in Bayern



Nikolaus Gysis,  Grieche in Nationaltracht, um 1865/68

Nikolaus Gysis, Grieche in Nationaltracht, um 1865/68

Mit einer nicht alltäglichen Auktion startet der Münchner Versteigerer Neumeister ins neue Jahr: Am 25. Februar kommt ein Teil des Nachlasses von Nikolaus Gysis auf den Kunstmarkt. Das Konvolut enthält mehrere hundert Zeichnungen sowie über 40 Gemälde und Plastiken des 1842 in dem kleinen Dorf Sklavochori auf der Kykladen-Insel Tinos geborenen und 1901 in München verstorbenen griechischen Künstlers. Die Objekte stammen alle aus dem Nachlass von Gysis’ Tochter Penelope. Da diese Arbeiten im Zweiten Weltkrieg nach Beuerberg bei Wolfratshausen ausgelagert waren, wurden sie anders als der Großteil seines Vermächtnisses vor den Zerstörungen des Krieges verschont. Während in Griechenland einige der Kunstwerke auf Ausstellungen präsentiert wurden, sind sie in Deutschland während der Neumeister-Vorbesichtigung seit über 100 Jahren erstmals wieder zu sehen.


Nikolaus Gysis prägte mit seinem Schaffen die Kunstwelt des ausgehenden 19. Jahrhunderts in München. Nach Studienanfängen in Athen kam der Grieche 1865 dank eines Stipendiums an die Münchner Kunstakademie und wurde zunächst Schüler von Hermann Anschütz und Sándor Wagner, ab 1868 dann von Carl Theodor von Piloty, dessen Meisteratelier er bis März 1871 besuchte. Ein seltenes Werk dieser frühen Phase ist sein „Grieche in Nationaltracht“ (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR). Durch die Regentschaft des Wittelsbachers Otto als König von Griechenland waren enge Verbindungen zwischen Bayern und Griechenland aufgebaut worden, vor allem im kulturellen und wissenschaftlichen Bereich. Viele griechische Künstler machten sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf den Weg nach München. Gysis’ Vater Onoufrios erkannte und förderte das künstlerische Talent seines Sohnes früh, der den Zimmermann in griechischer Tracht mit zwei Messern in den 1870er Jahren in Öl verewigte (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Nikolaus blieb der bayerischen Hauptstadt treu und kehrte nur noch auf Reisen in seine Heimat zurück.

Neben Studien und Skizzen finden sich einige Portraits, Landschaften, Stillleben, etwa das Arrangement aus Holzkrug und Granatapfel für 3.000 bis 4.000 Euro, mythologische Entwürfe und Szenen aus Gysis’ Familienleben. Auch dem Genre widmete er sich: Bevorzugte Gysis’ in den 1870er Jahren eher bayerisch-alpine Motive, wandte er sich in den 1880er Jahren griechischen Sujets zu. Diese Arbeiten ließen ihn zu einem der wichtigsten Genremaler der Münchner Schule werden. Bei der Auktion finden sich Beispiele mit dem skizzenartigen in Öl angelegten „Großvater neben der Wiege“ (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR) oder der genauso flott entwickelten Studie „Die Verabschiedung vom Vater“ (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR). In den Sommer 1885 können einige Gemälde einer größeren Reihe von Interieurbildern datiert werden, darunter das aus klugen Ausschnitten komponierte „Interieur mit Fenster und blauem Vorhang“ (Taxe 1.200 bis 1.500 EUR), die Gysis während eines Aufenthalts in Oberaudorf im Inntal malte.

Zeitgleich interessierte sich Gysis auch für idealistisch-allegorische Themen, so in dem Tondo „Des Künstlers Seele“ (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR). Etwas günstiger liegen mit einigen hundert bis zu wenigen tausend Euro die Skizzenbücher und Zeichnungen zu diesem symbolistischen Motivgebiet. Die Skizzen der Reisen nach Kleinasien (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR), Tirol (Taxe 2.500 bis 3.000 EUR) oder Szenen des Münchner Stadtlebens sind zu Konvoluten zusammengefasst (Taxe 2.000 bis 2.500 EUR). Von hoher Präsenz ist zum gleichen Preis die Rötelzeichnung eines bärtigen alten Mannkopfes. Bei den Skulpturen aus seinem Spätwerk überwiegt ebenfalls ein realistischer Zugriff, so bei seinem „Trinkenden Hirten“ (Taxe 2.000 bis 2.500 EUR) oder den drei bronzierten Gipsfiguren eines Mädchens beim Nähen, Lesen und Stricken (Taxe je 1.000 bis 1.200 EUR). Doch ist die Oberfläche der Skulpturen sehr bewegt und tendiert damit zu gleichaltrigen Schöpfungen von Rodin.

Gysis’ späte symbolistische Gemälde werden von einigen Wissenschaftlern als frühe Vorläufer des Münchner Jugendstils angesehen. Symbolistisch-esoterisch wirkt seine Vorstudie zu dem Gemälde „Siehe, der Bräutigam kommt mitten in der Nacht“, dessen Ausführung in der Nationalgalerie in Athen hängt. Hier verbindet Gysis seine Experimente mit Farbspektren in einer sternartig geometrischen Formation vor schwarzem Grund und stellt dazu eine eingeschobene Kreisstruktur samt Figurenszene. Die stilistische Strenge und Symmetrie beziehen sich auf die byzantinische Kunst der Nachantike (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Das trifft auch auf die Ölstudie „Madonna mit Kind“ zu, die Gysis so angelegt hat, dass sie zum griechisch-orthodoxen Glauben, aber auch in ein katholisch geprägtes Umfeld der Zeit um 1900 passt (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR).

Die Auktion beginnt am 25. Februar um 17 Uhr. Die Besichtigung ist bis zum 24. Februar montags bis freitags von 10 bis 17 Uhr möglich. Der Internetkatalog listet die Objekte unter www.neumeister.com.

Kontakt:

Neumeister Münchener Kunstauktionshaus

Barer Straße 37

DE-80799 München

Telefax:+49 (089) 23 17 10 55

Telefon:+49 (089) 231 71 00

E-Mail: auctions@neumeister.com



18.02.2026

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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