Hans Fischlis Frühwerk in Bern  |  | Hans Fischli, Ohne Titel, 1931 | |
Im Rahmen der Ausstellungsserie „Fokus“ widmet sich das Zentrum Paul Klee in Bern aktuell Hans Fischli und richtet seinen Blick auf dessen Frühwerk aus den bewegten 1930er und 1940er Jahren. Dafür haben die Kuratoren Fredi Fischli und Niels Olsen eine Serie zarter Papierarbeiten sowie drei Architekturprojekte und einige Blätter ausgewählt, die während einer Haftstrafe Fischlis entstanden. Hans Fischli, 1909 in Zürich geboren, studierte nach einer Bauzeichnerlehre in Zürich ab 1928 am Bauhaus in Dessau, wo Paul Klee, Josef Albers, Wassily Kandinsky und Oskar Schlemmer zu seinen Lehrern gehörten. Danach arbeitete Fischli als Bauzeichner und Architekt in der Schweiz und widmete sich als Künstler für einige Jahre fast nur der Zeichnung. Die Schau in Bern präsentiert Arbeiten aus seinen Werkgruppen „Zellengebilde“, „Celerina“ wie auch „Montana“ und thematisiert Fragen zum historischen und diskursiven Kontext der Schweizer Moderne.
Im Schatten des Ersten Weltkriegs und des aufkommenden Nationalsozialismus in Deutschland schuf Hans Fischli ab Ende der 1920er Jahre eine erste umfangreiche Folge zarter Farbstift- und Tuschezeichnungen. Wegen Dienstverweigerung musste er dann im Sommer 1930 eine dreimonatige Haftstrafe im Bezirksgefängnis Meilen im Kanton Zürich absitzen. Der Künstler erklärte später in einem Interview, dass hierfür seine Aussage „Ich komme erst gar nicht, um mich von euch prüfen zu lassen, ob ihr mich wollt oder ob ihr mich brauchen oder nicht brauchen könnt, ich will nicht“ verantwortlich war. Die drei Monate Isolationshaft seien für ihn enorm wichtig gewesen, weil er „endlich einmal nichts anderes machen konnte als zu zeichnen“. Dabei kam seine nummerierte Werkgruppe „Zellengebilde“ heraus, deren Titel auf den Entstehungsort verweist. In der Gefängniszelle standen Fischli nur bescheidene Mittel zur Verfügung; so gestaltete er auf kleinem Format filigrane, organische Formen und Figuren mit Tusche und Bleistift, teils auch mit sanfter Aquarell- oder Farbstiftkolorierung.
Zeigen sich auf einigen Blättern menschliche Züge, etwa im „Zellengebilde 89“, widmen sich andere Zeichnungen Tieren, Pflanzen oder Fabelwesen. Das Träumerische dieser Fantasiebilder unterscheidet sich von der Auffassung einer konstruktiven Moderne, die nach objektiven, rationalen Prinzipien in der Abstraktion strebt. Hier steht Fischlis Schaffen dem von Paul Klee recht nahe. Sein „Zellengebilde 46“ könnte sowohl eine organisch anmutende Abstraktion sein, erinnert aber auch an mikroskopisch vergrößerte Zellen einer Pflanze. Ab 1936 entwarf Hans Fischli unter zunehmend widrigen Umständen ein Atelierwohnhaus im Schwarzwald für seinen Freund Oskar Schlemmer. Nachdem die Reichsversicherung ihren Baukredit zurückgezogen hatte, wurde das Projekt zu einem Zeugnis des Bauens am Existenzminimum. Als Architekt ließ sich Fischli zudem von gesellschaftlichen Belangen in Dienst nehmen, etwa 1945 als Architekt für die Wanderausstellung „Kriegsgefangen“ des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, oder als pädagogisch interessierten Erbauer des Kinderdorfes für Kriegswaisen „La Rasa“ in Norditalien von 1949/50.
Die Ausstellung „Fokus. Hans Fischli (1909-1989)“ läuft bis zum 3. Mai. Das Zentrum Paul Klee ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 20 Franken, ermäßigt 18 Franken, 10 Franken bzw. 7 Franken.
Zentrum Paul Klee
Monument im Fruchtland 3
CH-3006 Bern
Telefon: +41 (0)31 – 359 01 01 |