Pauli-Preis für Annette Kelm  |  | Der Pauli-Preis 2026 geht an Annette Kelm | |
Annette Kelm erhält den Pauli-Preis 2026 der Kunsthalle Bremen. Die 1975 in Stuttgart geborene, heute in Berlin lebende Künstlerin wird für ihre Fotoserie „Die Bücher“ von 2019/21 ausgezeichnet, in der sie ausgewählte Exemplare der im Nationalsozialismus als „undeutsch“ verbotenen und 1933 zum Teil öffentlich verbrannten Bücher porträtiert. Die damaligen Machthaber wollten die Werke und Ideen dieser Autor*innen und Gestalter*innen der Moderne aus dem kollektiven Gedächtnis löschen. Die Konzeptarbeit besteht aus insgesamt 102 Fotografien, die jeweils das Cover eines verbotenen und verbrannten Buches zeigen. Kelm hat die Umschläge der Publikationen, die für die kulturelle Vielfalt ihrer Zeit stehen, stets aus derselben Distanz und mit derselben Beleuchtung aufgenommen, sodass sie eine fast skulpturale Wirkung entfalten.
In der Jurybegründung heißt es: „Die Arbeit ‚Die Bücher‘ von Annette Kelm überzeugt durch ihre Direktheit und konzeptuelle Stringenz. Der unversehrte Zustand der dargestellten Bücher zeugt von der Unzerstörbarkeit der Gedanken und der Ideenwelten, die sie verkörpern. Die Ruhe, die das Werk in seiner seriellen Anlage ausstrahlt, steht im Gegensatz zu der brutalen Gewalt, mit der die Nationalsozialisten gegen die Bücher und ihre Verfasser*innen vorgingen, sie zu zerstören und auszulöschen versuchten.“
Der Pauli-Preis ging 2024 aus dem Kunstpreis der Böttcherstraße hervor, der 1955 erstmals vergeben wurde, und erinnert an Gustav Pauli (1866-1938), den ersten wissenschaftlichen Direktor der Kunsthalle Bremen. Auf seine progressive Sammlungspolitik gehen die berühmtesten Werke der Sammlung zurück. Die mit 30.000 Euro dotierte Auszeichnung, die Paulis fortschrittlichem Geist verpflichtet ist, richtet sich heuer zum fünfzigsten Mal an im deutschen Sprachraum lebende Künstler*innen, die sich durch einen hervorragenden Beitrag zur Gegenwartskunst bewährt haben. Neben Annette Kelm waren Jan Albers, Christiane Baumgartner, Harry Hachmeister, Caroline Kryzecki, Phung-Tien Phan, Liesl Raff und Anike Joyce Sadiq in diesen Jahr für den Pauli-Preis nominiert.
Die Ausstellung „Pauli-Preis 2026“ mit Arbeiten aller Nominierten ist noch bis zum 4. Oktober zu sehen. Die Kunsthalle Bremen hat täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr, dienstags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 6 Euro; für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist er frei. Der Ausstellungskatalog kostet 18 Euro. Die öffentliche Preisverleihung findet am 15. September in der Kunsthalle Bremen statt.
Kunsthalle Bremen
Am Wall 207
D-28195 Bremen
Telefon: +49 (0)421 – 32 90 83 80 |