Richard Paul Lohse in Zürich  |  | Richard Paul Lohse, Serielles Reihenthema in achtzehn Farben, Variation C, 1981/82 | |
Das Museum Haus Konstruktiv in Zürich startet heute sein Jahresprogramm mit einer umfangreichen Ausstellung zum Œuvre von Richard Paul Lohse, der zu den Schlüsselfiguren der konstruktiv-konkreten Kunst gezählt wird. Die Kuratorinnen Sabine Schaschl und Evelyne Bucher haben dafür über 50 Gemälde, Entwürfe, Konstruktionszeichnungen und Farbtabellen zusammengestellt, die die künstlerische Entwicklung des Malers von 1942 bis 1987 ersichtlich machen. Damit veranschaulichen sie auch, wie Lohses systematische Malerei Entwicklungen vorwegnahm, die später in der Farbfeldmalerei, der Minimal Art und der konzeptuellen Kunst zentral wurden.
Sein künstlerischer Prozess basiert auf präziser Arbeit, der feste Zahlensysteme, mathematische Prinzipien und sein Konzept der modularen und seriellen Ordnungen zugrunde liegen. Charakteristisch für seine Kunst sind die Doppeldatierungen, da zwischen Entwurf und Ausführung eines Werkes oftmals Jahre verstreichen. In seinen früheren Arbeiten tendierte Richard Paul Lohse zu frei schwebenden geometrischen Formen, die von der niederländischen De Stijl-Bewegung und dem russischen Konstruktivismus inspiriert waren. Ab den frühen 1940er Jahren schuf Lohse dann orthogonal strukturierte Bildfelder, in denen er alle Farben und Formen gleichwertig behandelte. Gemälde wie „Vertikaler Rhythmus“ von 1942 oder die großformatige Bildsequenz „Serielles Reihenthema in achtzehn Farben“ von 1981 illustrieren anschaulich seine auf Logik basierende Arbeitsweise.
Zusätzlich spiegelt Lohses Kunst seine politische Einstellung wider, für die er auch außerhalb des Ateliers einstand. Der Künstler vertrat die Meinung, dass Ästhetik ohne gesellschaftliche Verantwortung nicht denkbar sei. Die visuelle Ordnung seiner Arbeiten soll in diesem Kontext ein Modell für eine gerechtere Gesellschaft vorgeben. Richard Paul Lohse arbeitete nach klaren, nachvollziehbaren Strukturen und ließ kein Element das andere dominieren, so wie in einer idealen Gesellschaft kein Mensch über dem anderen stehen sollte. Somit symbolisiert seine Kunst Gleichheit, da er in seinen Werken Machtverhältnisse auflöste und Ordnung als ethisches Prinzip etablierte. Lohse erklärte seine Ambitionen mit folgenden Worten: „Meine Arbeiten versuchen ein Bild davon zu geben, wie die Strukturen der Welt verbessert werden können.“
Die Ausstellung „Richard Paul Lohse“ läuft vom 5. Februar bis zum 10. Mai und hat dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr, am Mittwoch bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 18 Franken, ermäßigt 12 Franken und ist für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre kostenlos. Der Katalog aus dem Hatje Cantz Verlag kostet 39 Franken.
Museum Haus Konstruktiv – Stiftung für konstruktive und konkrete Kunst
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