Marianna Simnett kopflos in Brühl  |  | Marianna Simnett, Prayers for Roadkill (Bird), 2022 | |
Marianna Simnett ist derzeit im rheinischen Brühl zu Gast. Seit dem Wochenende präsentiert dort das Max Ernst Museum eine Übersicht über ihr Schaffen aus den vergangenen sieben Jahren. Dafür haben die Kuratorinnen Madeleine Frey und Sarah Louisa Henn Gemälde, Skulpturen, Video- und KI-Arbeiten der 1986 geborenen, britisch-kroatischen Künstlerin ausgewählt, die traumhafte Bildwelten zwischen Faszination und Horror erwecken. So entsteht ein zugleich verstörender wie verführerischer Kosmos aus zersplitterten Realitäten und unheimlichen Begegnungen. Gerade in der Erforschung des Unbewussten und der Abkehr von Rationalität und Logik, in denen sich etwa Mensch und Tier zu Zwitterwesen vereinen, Körper fließende Identitäten annehmen oder sich griechische Mythologie mit Märchen aus unterschiedlichen Kulturkreisen paart, zeigt Simnett ihre Nähe zum Surrealismus. Damit behandelt sie Themen wie Verletzlichkeit, Autonomie, Kontrolle, Schmerz, Metamorphose und Fürsorge aus einer dezidiert weiblichen Sicht.
Überschrieben ist die Ausstellung mit „Headless“. Dabei hat sich Marianna Simnett von Max Ernsts erstem Collageroman „La femme 100 têtes“ aus dem Jahr 1929 inspirieren lassen und eigens für Brühl eine neue, mit „Headless“ betitelte Serie von Gemälden geschaffen. Ihr ging es darum, wie in der Collage unterschiedliche Ideen und Motive zusammenzuführen und miteinander zu verschmelzen. „Für mich ist die Collage ein sehr spannendes künstlerisches Werkzeug, weil sie Dinge zusammenbringt, die eigentlich nicht zusammengehören“, so Simnett. „Mich interessierte die kaleidoskopartige Bedeutungsvielfalt des Begriffs ‚kopflos‘, von gewaltsamer Enthauptung über das Sich-Verirren im Wald bis hin zum Stereotyp einer ‚dummen Frau‘. Betrachten wir den Begriff aus einer misogynen, genderspezifischen Perspektive, ist er häufig mit Vorstellungen von Zerstreutheit oder Albernheit verbunden. Diese vielschichtigen Bedeutungen wollte ich untersuchen und sichtbar machen.“
Die Ausstellung „Marianna Simnett – Headless“ ist bis zum 5. Juli zu sehen. Das Max Ernst Museum täglich außer montags sowie feiertags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 13 Euro, ermäßigt 8 Euro, für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ist er frei. Der Ausstellungskatalog kostet im Museum 29 Euro.
Max Ernst Museum Brühl des LVR
Comesstraße 42 / Max-Ernst-Allee 1
D-50321 Brühl
Telefon: +49 (0)2232 – 57 930 |