Opelvillen verlängern Ausstellung zu Hélène de Beauvoir  |  | Hélène de Beauvoir, Die Riesin (La Géante), 1988 | |
Die Opelvillen in Rüsselsheim präsentieren derzeit die erste museale Ausstellung zum Werk von Hélène de Beauvoir in Deutschland. Die Neuentdeckung der Malerin, die eigentlich am 8. Februar enden sollte, geht nun in die Verlängerung und läuft bis Anfang April. Damit kann Direktorin und Kuratorin Beate Kemfert weiterhin auf ein künstlerisches Leben aufmerksam machen, das lange nur im Schatten ihrer berühmten Schwester Simone de Beauvoir wahrgenommen wurde. Denn Hélène de Beauvoirs Laufbahn und ihr Kampf um Anerkennung waren geprägt von intellektuellen Auseinandersetzungen mit der großen Philosophin und Feministin. Dennoch kann das Schaffen der Malerin laut Kemfert für sich stehen. Mit der Schau „Hélène de Beauvoir. Mit anderen Augen sehen“ will sie die vergessene Künstlerin und ihr vielschichtiges Werk einer Neubewertung unterziehen.
Dafür hat sich Beate Kemfert in Europa auf die Suche nach Arbeiten von Hélène de Beauvoir begeben und in privaten Sammlungen auch manches bislang unbekannte Werk aufgestöbert. Herausgekommen ist eine Auswahl von 177 Exponaten aus den Jahren 1925 bis 1994. Mit Kupferstichen, Aquarellen, Acrylbildern und Ölgemälden kann Kemfert die gesamte Spannweite von Beauvoirs Kunst abdecken und führt chronologisch durch Beauvoirs Œuvre, angefangen bei Zeichnungen, die die 1910 in Paris geborene Künstlerin bereits als 15jährige schuf.
In ihren kraftvollen und farbintensiven Bildern, die sich teils weit der Ungegenständlichkeit annähern und zweitweise in eine kristalline Farbaufsplitterung münden, stehen oft Frauen im Mittelpunkt. Dabei machte Hélène de Beauvoir immer wieder auf die Willkür und Unterdrückung gegen ihr Geschlecht aufmerksam und sah ihre Kunst als einen Akt der Befreiung von herrschenden Rollenbildern. So malte sie Richter in Roben, die über nackte Frauen urteilen, Frauen in Kriegssituationen oder thematisierte in dem Gemälde „Ich liebe dich, ach sag es mit Pflastersteinen“ die Polizeigewalt während der Pariser Studentenproteste 1968. Es stammt aus der 30teililgen Werkreihe „Der schöne Mai“, in der die Malerin 1969 erstmals eindeutig zu politischen Ereignissen Stellung bezog. Aber auch mit der Zerstörung der Umwelt beschäftigte sich Beauvoir, die 2001 starb und bis ins hohe Alter produktiv war. So malte sie einen Zyklus zum Giftunglück von Seveso oder ein „Klagelied über den Tod eines Waldes“, weshalb Kemfert Beauvoir als „frühe Ökofeministin“ bezeichnet.
Die Ausstellung „Hélène de Beauvoir. Mit anderen Augen sehen“ ist bis zum 6. April zu sehen. Die Opelvillen haben täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, mittwochs bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt dienstags bis freitags 8 Euro und am Wochenende 10 Euro. Ermäßigt kostet der Besuch 6 Euro. Für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist der Eintritt frei. Der Ausstellungskatalog ist in den Opelvillen für 42 Euro erhältlich.
Stiftung Opelvillen
Ludwig-Dörfler-Allee 9
D-65428 Rüsselsheim
Telefon: +49 (0)6142 – 83 59 07 |