Nobler Kunstmarkt in Wien  |  | Pierre-Alexandre Aveline, Das Ladenschild des Kunsthändlers Gersaint, um 1732 | |
Die Fürstlichen Sammlungen Liechtenstein nehmen in ihren neuen Ausstellung „Noble Begierden“ den europäischen Kunstmarkt, seine Mechanismen, Persönlichkeiten und Institutionen aus historischer Sicht in den Blick. Dafür haben Stephan Koja, Direktor der Fürstlichen Sammlungen, Christian Huemer, Leitung des Belvedere Research Center, und Yvonne Wagner, Chefkuratorin der Fürstlichen Sammlungen, über 200 Exponate im Liechtensteinischen Gartenpalais in Wien zusammengetragen und zeichnen mit ihnen die Geschichte des Kunsthandels von der griechisch-römischen Antike über die italienischen Stadtstaaten der Renaissance und das „Goldene Zeitalter“ der Niederlande bis hin zu sensationsheischenden Präsentationen und transatlantischen Verkäufen im 19. Jahrhundert nach. Den prominenten Leihgaben internationaler Sammlungen, darunter Gemälden von Tizian, Rembrandt, Claude Monet und Gustav Klimt, stellen sie Hauptwerke aus den Fürstlichen Sammlungen von Giambologna, Pieter Breughel d.J., Anthonis van Dyck und Giovanni Antonio Canal gegenüber und untersuchen mit Schriftstücken, Archivalien, Grafiken und Publikationen die Ankaufs- und Verkaufspolitik sowie die Sammlungsstrategien verschiedener Protagonisten der Kunstwelt.
„Der Kunstmarkt ist für die Bekanntheit einzelner Künstler ebenso verantwortlich wie die Kunstgeschichtsschreibung selbst, denn der Wert von Kunstwerken ist für den Handel von zentraler Bedeutung, und die Nachfrage nach bestimmten Künstlern beeinflusst wiederum deren Bekanntheit maßgeblich. Das Wissen um diese Dynamik ist unerlässlich, um zu verstehen, wie Künstler Anerkennung finden und Karriere machen“, erläutert Stephan Koja die Idee der Ausstellung. „Wir rücken daher den Kunstmarkt, der oft als undurchsichtig wahrgenommen wird, bewusst ins Rampenlicht.“ Dabei stehen gerade die Sammlungen der Fürsten von Liechtenstein mit ihrer 400jährigen Geschichte in einer langen Tradition des generationenübergreifenden Sammelns. Dafür war und ist eine aktive Ankaufstätigkeit unumgänglich. Neuerwerbungen formten damals wie heute das Erscheinungsbild der Galerien. So prägten nicht nur die persönlichen Vorlieben der verschiedenen Fürsten, sondern auch der Kunstmarkt mit seinen wechselnden Verkaufsstrategien, Trends setzenden Akteuren sowie ökonomischen Aspekten die Kunstsammlung.
Schlaglichtartig befasst sich die Schau mit Strukturen, prägenden Persönlichkeiten und Vermarktungsmethoden. Dabei wird deutlich, dass viele Phänomene des heutigen Kunstmarkts im Grunde jahrhundertealt sind und nichts an Aktualität verloren haben: Auktionen kannte schon das Römische Kaiserreich, Kunstmessen zogen bereits im Antwerpen des 16. Jahrhunderts ein internationales Publikum an, und die ersten Werkkataloge Alter Meister wurden von Kunsthändlern im 18. Jahrhundert verfasst. Da richtungsweisende Entwicklungen oft von Städten und Regionen ausgingen, hat das Kuratorentrio diesen Innovationszentren eigene Räume gewidmet, in denen sie die Fortschritte und neuartigen Praktiken veranschaulichen. Auf diese Weise wird deutlich, wie nachhaltig der Handel nicht nur die Verbreitung von Werken, sondern auch die Entwicklung der Künste und die Kunstgeschichtsschreibung geprägt hat.
Die Ausstellung „Noble Begierden. Eine Geschichte des europäischen
Kunstmarkts“ läuft vom 30. Januar bis zum 6. April. Das Gartenpalais Liechtenstein hat täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Der Ausstellungskatalog aus dem Verlag De Gruyter kostet 59 Euro.
Gartenpalais Liechtenstein
Fürstengasse 1
A-1090 Wien
Telefon: +43 (0)1 – 319 13 910 |