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Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Die Ludwig Galerie im Schloss Oberhausen zeigt eine aufschlussreiche Schau zur Pop Art in Deutschland

Statements gesellschaftlicher Befindlichkeiten



Bodo Boden, Whoom (Mondfähre), 1970

Bodo Boden, Whoom (Mondfähre), 1970

Unversehens landet man auf dem Mond. Über einer Kraterlandschaft schwebt eine Raumfähre in Form eines riesigen roten Lippenstiftes, dessen Hülle mit goldenen Applikationen ausgestattet ist. Dieser Inbegriff von Luxus verschränkt sich mit technischem Fortschritt, Ereignissen der Zeit, Rebellion, Weiblichkeit und Erotik. Der Künstler Bodo Boden reflektierte in dem Siebdruck „Whoom (Mondfähre)“ von 1970 die erste bemannte Mondlandung, die der amerikanischen Raumfahrtmission Apollo 11 am 20. Juli 1969 geglückt war. Flächige Zonen gesättigter, strahlender Farbkontraste erinnern an die Ästhetik von Andy Warhols Serigrafien. Auch Grafiken von Thomas Bayrle leiten unmittelbar in die aktuelle Schau zur „German Pop Art“ in der Oberhausener Ludwig Galerie ein. Aus hunderten kleinen stöhnenden Frauenköpfen setzte er in liebreizendem Rot und der Farbe des Inkarnats ein Paar beim Geschlechtsakt zusammen. Sex ist ein zentrales Thema der Pop Art, egal ob in Amerika, England oder eben in Deutschland. Das Aufbrechen von Tabus, die Emanzipation der Frau und das Propagieren der Liebe spiegeln sich in vielen Darstellungen.


Denkt man die die Pop Art, überstrahlen deren amerikanische Exponenten stets die Spielarten in anderen Ländern. Hierbei geraten regionale Einflüsse in den Hintergrund; doch sie prägten das Kunstgeschehen stets wesentlich. Nach Ausstellungen zur amerikanischen und britischen Variante widmet man sich nun in der Ludwig Galerie Schloss Oberhausen der weit aufgefächerten deutschen Ausführung der Pop Art, die die Kuratorin Sarah Hülsewig in sieben thematische Kapitel aufschlüsselt. Dazu trug sie eine rund 180 überwiegend aus Grafiken und Multiples bestehende Auswahl von 46 Künstlern und Künstlerinnen zusammen. Über 120 Exponate stammen aus der im Ludwigshafener Wilhelm-Hack-Museum verwahrten Kollektion des Sammlers Heinz Beck, der sich bei dem Erwerb des Konvolutes in nur fünf Jahren zwischen 1965 und 1970 auf Grafiken konzentrierte und dabei orientiert für sein Zuhause kaufte, während der Namenspatron der Galerie, Peter Ludwig, auf großformatige Arbeiten internationaler Stars und museale Präsentationen setzte.

Das Phänomen der Pop Art entfaltete in den 1960er und 1970er Jahren auch in Deutschland eine nachhaltige Präsenz. Doch im Unterschied zum englischsprachigen Raum splittet sich die deutsche Ausformung im Spannungsfeld vieler paralleler Kunstströmungen und historischer Umstände auf. Homogen ist hier wenig. Kapitalistischer Realismus, Fluxus, Institutionskritik, Antikriegshaltung, Vergangenheitsbewältigung, Happenings, Neo-Realismus, Op-Art, Phantastischer Realismus oder ZERO fließen hier ebenso ein wie Erscheinungen des Wirtschaftswunders, antimuseale Haltungen oder die Verdrängung der jüngsten Geschichte. Gemeinsame Merkmale sind jedoch die Abwendung vom Credo der vollständigen Abstraktion, die Verwendung von Multiples oder Drucktechniken zur breiten Verfügbarkeit der Kunstwerke sowie Orientierung an der Bildästhetik der Massenmedien mit Alltags- und Konsumsujets.

Schon in den ersten Kapiteln wird die spezielle Themenwahl der deutschen Kunstschaffenden offenbar. Der Begriff „Kapitalistischer Realismus“ signalisiert bereits die Abwendung von der Abstraktion durch eine Gruppe junger Studierender an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf. Durch spezielle Ausstellungsorte, wie Kaufhäuser, hinterfragten sie kritisch die Verbindung von Kunst und Massenkonsum. Mit aus Tapetenmustern entwickelten, geometrischen, kräftig kolorierten Formen oder verfremdeten Geschirrtuchmustern in Siebdrucken setzte sich Konrad Lueg am konsequentesten mit dem Alltag und Konsumgütern auseinander. Gerhard Richter verwendete in seinen Arbeiten Fotovorlagen aus Zeitungen, die er mittels einer Wischtechnik verschwommen machte, um so seine Skepsis gegenüber autoritären Strukturen oder ausgegrenzter belastender Historie aufzuzeigen.

Damit in Verbindung steht ein weiblichen Beiträgen gewidmeter Themenkreis, der seinerzeit allzu stark in den Hintergrund rückte. Frauen wie Almut Heise legten den Fokus auf das Weibliche und auf das Private, wie es etwa ihre Radierung „Wohnzimmer mit Fernseher“ von 1968 offenbart, in der sie die bürgerliche Lebenswelt der Mittelschicht mit gemusterten Accessoires in Szene setzte. Zeichen und Symbole der Massengesellschaft rückten bei Schöpfern abstrakterer Arbeiten in den Vordergrund. Ferdinand Kriwet formte aus Schriften kreisförmige „Sehtexte“, die durch die Überlagerung das Lesen in einer medialen Reizüberflutung erschwerten. Linien für Verkehrswege, die in kein grafisches System eingebunden sind, waren die Spezialität von Peter Brüning, der durch die kartografischen Zeichen die Dynamik moderner Mobilität herauskehrte.

In einem weiteren Ausstellungsteil behandelt Sarah Hülsewig kritische Positionen. Schwerpunkte liegen hier vor allem auf tagesaktuellen Ereignissen. Bezeichnend dafür ist die Beanstandung der Schuldverdrängung. In Anlehnung an die Produktionstechnik und Ästhetik von Wahlplakaten wurde der Politik lautstark der Spiegel vorgehalten, wie es etwa Wolf Vostell 1967 in seinem ergreifenden Siebdruck „Treblinka“ praktizierte. In Objektkästen thematisierte er zudem den Krieg in Vietnam. Ein Siebdruck mit gerasterten Strukturen zeigt ein Kampfflugzeug, aus dem statt Bomben Lippenstifte als Konsumsymbole fallen. Aber auch Wohnungsnot, Umweltverschmutzung oder die Notstandgesetze fanden ihren künstlerischen Ausdruck. Das schwarz-rot-goldene und mit einem Hakenkreuz auf dem Rücken versehene „Bundesdeutsche Notstandschwein“, ein Multiple von Hans-Peter Alvermann, zog sogar gerichtliche Dispute nach sich. Gegen Exklusivität und hohe Preise auf dem Kunstmarkt formte sich eine antimuseale Haltung, gegen die Künstler*innen mit auflagenstarken Werken anzugehen versuchten. Wie Auguste Rodin bei seinen „Bürgern von Calais“ holte auch Siegfried Neuenhausen 1967 mit seiner ausgreifenden Skulpturengruppe identitätsloser Männer unter dem Titel „Die Bürger von B.“ die vermeintlich heile gesellschaftliche Ordnung vom Sockel und spielte auf Ausgrenzung, Unterdrückung und verschwiegene Dinge an.

Ein weiterer Unterschied zur amerikanischen und britischen Pop Art wird in dem Kapitel deutlich, das sich mit dem deutschen Alltag auseinandersetzt. Reisen, der Besitz von Autos oder von Fernsehern wurden zwar auch in der angloamerikanischen Kultur thematisiert, doch die Deutschen betonten das Durchschnittliche und Private, den kleinbürgerlichen Wohlstand. Dies geschah keineswegs ungebrochen optimistisch, sondern meist düster und sarkastisch. Die Verdrängung der Vergangenheit überschattete den erzielten Wohlstand. Mit der ihm eigenen Note brachte dies Konrad Klapheck in seiner Farblithografie „Der Harem (Schuhspanner)“ ästhetisch wie inhaltlich konkret auf den Punkt. Diese betont kritische Haltung und das Kreisen der deutschen Pop Art an der Grenze zu anderen Strömungen arbeitet die informative wie stimulierende Schau in Oberhausen vortrefflich heraus.

Die Ausstellung „German Pop Art – Zwischen Provokation und Mainstream. Die Sammlung Heinz Beck zu Gast in der Ludwiggalerie“ läuft bis zum 3. Mai. Die Ludwig Galerie Schloss Oberhausen hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 6 Euro; für Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre ist er frei. Der Ausstellungskatalog kostet im Museum 34,90 Euro.

Kontakt:

Ludwig Galerie Schloss Oberhausen

Konrad-Adenauer-Allee 46

DE-46049 Oberhausen

Telefax:+49 (0208) 412 49 13

Telefon:+49 (0208) 412 49 28

E-Mail: ludwiggalerie@oberhausen.de

Startseite: www.ludwiggalerie.de



29.01.2026

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Veranstaltung vom:


25.01.2026, German Pop Art - Zwischen Provokation und Mainstream

Bei:


Ludwig Galerie Schloss Oberhausen

Kunstsparte:


Grafik

Kunstsparte:


Multiples

Kunstsparte:


Skulptur

Stilrichtung:


Pop Art

Stilrichtung:


Nachkriegskunst

Variabilder:

Lambert Maria Wintersberger, Heroin Oral, 1967
Lambert Maria Wintersberger, Heroin Oral, 1967

Variabilder:

Thomas Bayrle, Herzensbrecher, 1970
Thomas Bayrle, Herzensbrecher, 1970







Lambert Maria Wintersberger, Heroin Oral, 1967

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Thomas Bayrle, Herzensbrecher, 1970

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Peter Brüning, Landkarte (Legenden 1964), 1964

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Almut Heise, Wohnzimmer mit Fernseher, 1968

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Konrad Klapheck, Der Harem (Schuhspanner), 1967/68

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Siegfried Neuenhausen, Die Bürger von B., 1967

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Wolf Vostell, Objekt B 52, 1968

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Timm Ulrichs, Ich kann keine Kunst mehr sehen, 1968/2011

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Rissa, Der Koch II, 1969

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Werner Nöfer, Television, 1969

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Gernot Bubenik, Organ V, 1967

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KP Brehmer, ART B 013 (Ulbricht), 1967

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