 |  | Die BRAFA in Brüssel hat noch bis Sonntag geöffnet | |
Eines fällt in diesem Jahr gleich auf: der unübertrefflich üppige Blumenschmuck in den Gängen der BRAFA, der Brussels Antiques and Fine Art Fair, diesen Blumenschmuck gibt es in heuer nicht, es sei denn, man delektiert sich an den Narzissenblüten aus Papier, die zu Hunderten in den schlichten weißen Blumenkübeln stecken, aus denen ein Bäumchen ragt. Aber der Blumenschmuck ist und war nie nötig, denn was die BRAFA zu bieten hat, ist vortrefflich genug. Dabei hat sie schon im Vorfeld für Schlagzeilen gesorgt. Klaas Muller, Präsident der BRAFA und Händler Alter Meister mit Galeriesitz in Brüssel, hat vor drei Jahren für 100.000 Euro das Bildnis eines alten Mannes von beeindruckender Ausdrucksstärke ersteigert. Das Porträt wurde mittlerweile von einigen Experten als eine Ölstudie Peter Paul Rubens zugeschrieben und birgt ein Geheimnis. Schaut man in den langen grauen Bart, entdeckt man ein Auge, und stellt man das Blatt auf den Kopf, erscheint das Porträt einer Frau. Muller konnte sich schon im Vorfeld der Messeeröffnung vor Interviews kaum retten. Man ist gespannt, ob die kleine feine Arbeit dieses spielerischen Doppelporträts für 1 Million Euro verkauft wird.
Während anderswo wie in Wien gerade Messen abgesagt werden, hat die BRAFA noch einmal zugelegt. In ihrer 71. Ausgabe gibt es 147 Aussteller, 17 mehr als im vergangenen Jahr. Hinzukommt eine neue Halle, die ausschließlich dem Genuss verpflichtet ist; denn so manches Kunstwerk wurde erst bei einem guten Essen final verkauft. Das bedeutet, dass die Hallen 3 und 4 ausschließlich den Galerien zur Verfügung stehen. Ein Neuzugang, der gleich mit einer großen Koje aufwartet, ist die Düsseldorfer Galerie Beck & Eggeling. Eine kleine Arbeit von Alex Katz, bescheiden an eine Schmalseite gehängt, zieht die Sammler an. Das poppige Männerbild „Eric“, 1996 in Öl auf Holz gemalt, ist für 88.000 Euro im Angebot, Pablo Picassos schwarzweiße Lithografie „Femme au corsage à fleurs“, ein Bildnis seiner Frau Jacqueline Roque, kostet dagegen nur 55.000 Euro. Ebenfalls zum ersten Mal ist die Galerie Pron aus Paris zur BRAFA angereist. Ein knallroter Stuhl aus Metall zeigt einen stilisierten Teufel. Mit breitem Grinsen und vier offenen Armen lädt er ein, Platz zu nehmen und über die Messe zu blicken. Der ungewöhnliche Stuhl aus den 1970er Jahren stammt von keinem geringeren als dem chilenischen Surrealisten Roberto Matta, der sich mit dem Möbelstück, das es auch in einer Holzanfertigung gibt, als Designer ausweist und 30.000 Euro sehen will.
Spezialist in Sachen ungewöhnlicher Silberschmiedekunst ist das Tübinger Kunsthaus Kende. Der Japaner Takahiro Iede hat eine Vase aus Silber und den zwei verwandten Metalllegierungen Shakudo und Shiuichi gewoben. An dieser Technik des Metallweben, dem Ayaori-gane, hat er jahrelang gearbeitet, um sie zur Perfektion zu bringen. Mit seiner geometrisch ornamentalen, braun metallisch glänzenden Vase „Rhythmus“ von 2019 stellt er dies eindrucksvoll unter Beweis (Preis: 65.000 Euro). Christopher Kende ist zum zweiten Mal auf der BRAFA und weiß, dass er hier die Kundschaft für solche Handwerkskunst findet. Zwei Veranstaltungen zur selben Zeit bespielt Die Galerie aus Frankfurt. Am Heimatstandort fand am Wochenende das „House of Galleries“ als pointierter Jahresauftakt für zeitgenössische Kunst im Hochhaus Trianon statt, für das Peter Femfert eine Einzelausstellung zu Klaus Zylla konzipierte, während er in Brüssel die Klassiker seines Programms vorstellt. Auffallend ist ein frühes, expressives „Stillleben mit Flieder“ von Max Beckmann aus dem Jahr 1914, liegt doch am Fuß der Vase eine Tüte mit Kartoffeln, daneben ein Paar Gurken. Das Werk war über Jahrzehnte in einer Privatsammlung verborgen und kam direkt zur Galerie, worauf Femfert recht stolz ist. Daher verlangt er auch 360.000 Euro. An seinem Stand ragt zudem eine hockende Bronzegestalt Max Ernsts mit geschürzter Unterlippe von beeindruckender Größe heraus. Sie gehört zu einem Ensemble von drei markanten Figuren, das den Titel „Ein Lehrerkollegium an einer Schule für Totschläger“ trägt (Preis: 900.000 Euro). Aus dem Jahr 1925 stammt Ernsts etwas düstere surreale Landschaft „La Fôret“ für 480.000 Euro.
Zeitgenössische Werke belgischer Künstler finden die Besucher*innen der BRAFA zum Beispiel bei der Newcomerin Almine Rech, die in einem zum Gang hin offenen Raum eine in Grau gehaltene Dreier-Komposition von Hans Op de Beeck als Highlight platziert hat. Die kinetische Skulptur „Crow“, eine Krähe von 2025, scheint zu fliegen, kommt dabei aber nicht vom Fleck. Flankiert von zwei grauen abstrakten Bildern, simuliert diese Installation eine Traumsequenz von ungewöhnlicher Anmut. Das älteste Stück der Kunstmesse ist der Schädel eines jugendlichen Triceratops, eines Dinosauriers aus der Kreidezeit. 1998 in South Dakota entdeckt, kann man den beeindruckenden 66 Millionen Jahre alten Tierkopf bei Grusenmeyer-Woliner für 750.000 Euro erwerben.
In diesem Jahr hat die Messe einen besonderen Schwerpunkt auf das belgische Kulturerbe gelegt. Anlässlich ihres 50jährigen Bestehens hat die König-Baudouin-Stiftung als Ehrengast einen ausladenden Stand mit ihren Neuerwerbungen und Meisterwerken bestückt, die belgischen Museen und öffentlichen Sammlungen anvertraut wurden, und gibt damit einen hervorragenden Überblick über Sammlungsschwerpunkte in Belgien. Wer sich danach von all dem Glanz erholen will, kann sich in Halle 8 in einem der zahlreichen gastronomischen Angebote verwöhnen lassen.
Die BRAFA läuft noch bis zum 1. Februar und hat täglich von 11 bis 19 Uhr, am Donnerstag zusätzlich bis 22 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 35 Euro, ermäßigt 12 Euro; für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren ist er frei. Der Katalog kostet 20 Euro.
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