Paul Cézanne in der Fondation Beyeler  |  | Paul Cézanne, La Montagne Sainte-Victoire vue des Lauves, 1904/05 | |
Ihr neues Ausstellungsjahr hat die Fondation Beyeler in Riehen bei Basel am Wochenende mit einer Personale zu Paul Cézanne begonnen. Bei den rund 80 Exponaten legt Kurator Ulf Küster den Fokus auf die letzte Schaffensphase des französischen Malers ab der Mitte der 1880er Jahre, in der sich Cézanne vom Impressionismus emanzipierte und zu seinem eigenen Stil fand. Neben Portraits, Früchtestillleben, dem sich wiederholenden Motiv der Badenden sind auch Landschaften der Provence sowie Bilder der Serie seines Lieblingsbergs „Montagne Sainte-Victoire“ zu sehen, die anschaulich machen, wie Cezanne die Malerei veränderte. Seinen ersten europäischen Auftritt hat das Gemälde „Der Mühlstein im Park des Château Noir (Der Mühlstein)“ von 1892/94 aus dem Philadelphia Museum of Art. Zudem wird der 2025 von Albert Oehlen und Oliver Hirschbiegel geschaffene Kurzfilm „Cézanne on Art“ präsentiert.
Ulf Küster will in der Schau verdeutlichen, wie Paul Cézanne die Strukturen seiner Bilder sichtbar macht und damit die Betrachtenden einlädt, sich mit seinem Malprozess auseinanderzusetzen und daran teilzuhaben. Cézannes Bedeutung liegt nicht zuletzt darin, dass er die Malerei von traditionellen Konzepten wie der Notwendigkeit einer Zentralperspektive oder der Darstellung der Anatomie befreite. Es war sein Ziel, nicht nur die Natur abzubilden, sondern den Vorgang des Malens von Motiven der Natur in seinen Werken zu analysieren. Dies zeigt sich mit am eindeutigsten in den scheinbar unvollendeten Werken, in denen er auch Teile der Leinwand unbemalt beließ. Diese Kompositionen kennzeichnet eine Art offenes Ende, das den Betrachtenden die Möglichkeit gibt, sie in ihrer Vorstellung gedanklich selbst zu vervollständigen. Diese Idee geht auf Eugène Delacroix zurück.
Besonders greifbar wird dies bei seiner „Route tournante (Matinée de printemps à Saint-Antonin)“ von 1900/06. Mit kurzen energischen Pinselzügen baut Paul Cézanne einen Farbrhythmus auf, der in seiner Gesamtheit die Landschaft erkennbar macht, ohne sie naturnah wiederzugeben. Die Farbe und Pinselstriche bleiben deutlich sichtbar, bilden allein für sich betrachtet eine kleine Fläche, die die Bildstruktur verdeutlicht. Der Pfad führt hinab ins Tal, wo die In- und Übereinanderreihung der Grüntöne die Wälder erahnen lässt, im Hintergrund wölben sich in einem sanften Bogen goldbeige Hügel vor dem Horizont. Cézanne „vertuscht“ die Malerei nicht, vielmehr stellt er ihr Wesen deutlich vor Augen und unterstreicht es nochmals, indem er das Bild nicht bis in alle Ecken der Leinwand ausweitet und deren weiße Fläche sichtbar lässt. So übernimmt etwa eine Aussparung am Horizont die Rolle einer weißen Wolke. Höhepunkte der Schau sind die neun von insgesamt dreißig Ansichten der Montagne Sainte-Victoire oder die Gegenüberstellung der beiden Kartenspieler-Bilder der Londoner Courtauld Gallery und des Pariser Musée d’Orsay.
Die Ausstellung „Cézanne“ läuft bis zum 25. Mai. Die Fondation Beyeler hat täglich von 10 bis 18 Uhr, mittwochs bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt regulär 30 Franken, dienstags 25 Franken; für Jugendliche bis 25 Jahre ist er kostenlos. Der begleitende Katalog ist im Museum für 62,50 Franken erhältlich.
Fondation Beyeler
Baselstrasse 101
CH-4125 Riehen
Telefon: +41 (0)61 – 645 97 00 |