Hommage an Mavignier in Hamburg  |  | Almir da Silva Mavignier, kreuzung auf gelb, 1961 | |
Zum hundertsten Geburtstag von Almir da Silva Mavignier erinnert das Ernst Barlach Haus in Hamburg derzeit an den brasilianisch-deutschen Maler und Grafiker, der zu den international bekannten Pionieren der Konkreten Kunst und Optical Art gehört und Mitbegründer der legendären Ausstellungsreihe „Nove Tendencije“ in Zagreb war. Für die Schau, die in Zusammenarbeit mit dem Atelier Mavignier und seinem Sohn Delmar Mavignier entstand, hat die Kunsthistorikerin Miriam Schoofs Arbeiten aus dem Nachlass des Künstlers ausgewählt, die symptomatisch für Mavigniers Schaffen stehen.
Almir da Silva Mavignier befasste sich mit dem Zusammenspiel von Farbe, Form und Struktur sowie der Wechselwirkung optischer Erscheinung und ihrer Wahrnehmung. Charakteristisch sind hierbei Werke wie „struktur blau/weiß/grün auf schwarz“ von 1962 oder „kreuzung auf gelb“ von 1961, in denen sich geometrische Rastergrafiken aus Punkten und Strichen zusammensetzen. Auf den Betrachter können diese Kompositionen wie optische Täuschungen wirken, die sich bei Anblick bewegen oder in die dritte Dimension vordringen zu scheinen. In älteren Arbeiten wie „formen“ nutzte Mavignier noch eine freiere Komposition und erforschte damit das Verhältnis von Formen und Farben. Auch außerhalb seines Ateliers hinterließ der Künstler in Hamburg seine Spuren: die großformatige schwarz-weiße Punkteplastik „konvex-konkav und konvex“, die 1971 am Hamburger Hauptbahnhof installiert wurde, markierte den Übertritt seiner Kunst in den öffentlichen Raum.
Mavigniers Vorliebe für abstrakte Kompositionen entwickelte sich bereits in seinen Zwanzigern. Schließlich verließ er Brasilien und arbeitete in den 1950er Jahren in Paris und an der Ulmer Hochschule für Gestaltung weiter an seiner Kunst. Er beschäftigte sich vor allem mit den Licht- und Schattenwirkungen von Farbformen, optischen Farbmischungen und ihren sich wandelnden Energien in geometrischen Strukturen. Durch den Einfluss anderer Künstler*innen wie Helene Nonné-Schmidt, Max Bill oder Josef Albers entwickelten sich charakteristische Merkmale seiner Kunst, wie die Nutzung von Punkten oder Rastern, um präzise geometrische Muster zu kreieren. Im Verlauf seines Lebens nahm der Künstler an internationalen Ausstellungen teil, initiierte und kuratierte die Ausstellung „Neue Tendenzen“ in Zagreb, die der internationalen Künstlerbewegung zwischen Op Art, kinetischer Kunst und Lichtkunst ihren Namen gab, und wirkte bei Projekten der ZERO-Bewegung mit. 1965 zog Mavignier nach Hamburg, wo er bis 1990 als Malereiprofessor an der Hochschule für bildende Künste unterrichtete und schließlich 2018 auch starb.
Die Ausstellung „Almir Mavignier – Neue Tendenzen. Hommage zum 100.“ läuft noch bis zum 8. Februar. Das Ernst Barlach Haus hat dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintrittspreis beträgt 9 Euro, ermäßigt 7 Euro. Besucher unter 18 Jahren dürfen das Museum kostenlos besichtigen.
Ernst Barlach Haus
Baron-Voght-Straße 50a
D-22609 Hamburg
Telefon: +49 (0)40 – 82 60 85 |