Jawlensky-Archiv für Wiesbaden  |  | Alexej von Jawlensky, um 1934 | |
Das Archiv des Expressionisten Alexej von Jawlensky geht an das Museum Wiesbaden. Angelica Jawlensky Bianconi, die Enkelin des Künstlers, die die Schriftstücke und Gegenstände über 40 Jahre lang bewahrt hat, schenkt dem Museum das Archivgut. Es beinhaltet eine Vielzahl an Korrespondenzen mit befreundeten Künstlerinnen und Künstlern, etwa mit Wassily Kandinsky oder Ida Kerkovius, die „Lebenserinnerungen“ sowie für die Provenienzforschung wertvolle historische Gemäldelisten, Werkaufnahmen und Adressbücher. Neben einer umfangreichen kunsthistorischen Bibliothek hat Jawlensky Bianconi in Muralto im Schweizer Kanton Tessin außerdem originale Fotografien, Urkunden, Möbel oder Memorabilia ihres Großvaters gesichert. Dazu gehören aussagekräftige Reisepässe, die in vielen Gemälden Jawlenskys auftauchenden Vasen oder die bunten Seidenfliegen des stets elegant auftretenden Malers. Zuletzt übergab Jawlensky Bianconi den gesamten Schmuck, den der Künstler seiner Frau Helene über die gemeinsamen Jahrzehnte geschenkt hatte, dem Museum Wiesbaden, darunter das von Jawlensky 1927 eigenhändig ausgeführte Medaillon „Abstrakter Kopf – Zärtlichkeit“.
Der 1864 in Russland geborene Alexej von Jawlensky, der als Mitglied des „Blauen Reiters“ zu den wichtigsten Expressionisten zählt, starb 1941 in Wiesbaden, wo er seit 1921 gelebt und gewirkt hatte. Sein Sohn Andreas Jawlensky pflegte ab 1955 nach der Rückkehr aus einer zehn Jahre dauernden, traumatischen Kriegsgefangenschaft in Russland das Werk seines Vaters und begann noch in Wiesbaden das Archiv aufzubauen. Aufgrund des Einmarsches der sowjetischen Armee in Ungarn am 4. November 1956 beschloss die Familie Jawlensky aus Angst, erneut in russische Gefangenschaft zu gelangen, nach Locarno in die neutrale Schweiz überzusiedeln. Nach dem Tod von Andreas Jawlensky im Jahr 1984 betreute seine Frau Maria mit ihren beiden Töchtern Lucia und Angelica das Archiv. 1998 übernahm die Kunsthistorikerin Angelica Jawlensky Bianconi die alleinige Leitung des Archivs und richtete Anfang 2000 einen ehrenamtlich tätigen, wissenschaftlichen Beirat ein. In Wiesbaden wird die Hinterlassenschaft nun als „Forschungsarchiv Alexej von Jawlensky“ geführt und steht unter der Leitung von Roman Zieglgänsberger, dem Kustos für Klassische Moderne. Ab 2027 soll sie im Zuge einer Neupräsentation der Gemälde Jawlenskys in Teilen dauerhaft ausgestellt werden. |