Elmar Trenkwalders Keramikburg im Belvedere  |  | Elmar Trenkwalder, WVZ 183 | |
Innerhalb der Ausstellungsreihe „Carlone Contemporary“, die halbjährlich Werke zeitgenössischer Künstler*innen in Bezug zum barocken Bildprogramm des Carlone-Saals im Oberen Belvedere setzt, ist derzeit Elmar Trenkwalder zu Gast und präsentiert hier seine Skulptur „WVZ 183“, die an Burgen aus Fantasyromanen erinnert. Seit mehr als 40 Jahren erschafft der 1959 in Tirol geborene Österreicher solche monumentalen Keramikarbeiten, die mit ihrer opulenten Formensprache, detailreichen Gestaltung und den architektonischen Elementen beeindrucken. Trenkwalder, der etwa an der Biennale in Venedig 1990, im Centre Pompidou oder dem Museum der bildenden Künste in Leipzig ausstellte, bezieht sich auf biomorphe Formen und kreiert archaische Figuren und Ornamente, die er händisch formt, brennt, glasiert und zu einem Ganzen zusammensetzt. Im Saal des Belvedere in Wien entsteht mit der gemalten Scheinarchitektur und der ornamentalen Sprache des Freskos sowie der vielschichtigen Installation Trenkwalders ein Spiel aus Geschichte und Gegenwart.
So wie das Trompe-l’œil des Carlone-Saals den Betrachter mit Illusion und Dekor in seinen Bann zieht, so wechselt auch „WVZ 183“ seine Form. Erheben sich aus liegenden Reliefs in Form eines achtstrahligen Sterns jeweils überdimensionale Finger, die sich aus teils kannelierten Säulen, teils Rundpfeiler mit Statuetten im Halbrelief herausschälen. Der ehemalige Schüler von Max Weiler und Arnulf Rainer an der Wiener Kunstakademie erklärt, dass er sein geometrisches Sternmotiv, das an eine Kompassrose erinnert, als ein Sinnbild des Navigierens im realen Raum wie auch in einer geistig-symbolischen Ebene verstehe. Die vertikalen emporstrebenden Finger „erscheinen zugleich als Säulen und Körperelemente, die das Fundament durchdringen, um über ihre eigene Präsenz hinaus auf die Existenz eines erweiterten Raums zu verweisen. Ich denke, dass sich diese Dynamik mit der Bildwelt des Deckengemäldes und der Scheinarchitektur des Carlone-Saales in idealer Weise verschränkt. Die Illusion eines sich nach oben, zum Firmament hin, in die höchsten Sphären des Universums ausdehnenden Raumes, erscheint wiederkehrend als skulpturale Artikulation und tritt mit dieser in Resonanz“, so Trenkwalder.
Die Ausstellung „Carlone Contemporary. Elmar Trenkwalder“ läuft bis zum 14. März. Das Obere Belvedere täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 19,50 Euro, für Senioren und Studierende 15,50 Euro. Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren sind frei.
Österreichische Galerie Belvedere – Oberes Belvedere
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