Goslarer Kaiserring für Gabriele Stötzer  |  | Der Kaiserring der Stadt Goslar 2026 geht an Gabriele Stötzer | |
Gabriele Stötzer erhält den Kaiserring der Stadt Goslar 2026. Die 1953 in Emleben bei Gotha geborene Künstlerin zähle zu den zentralen Figuren der DDR-Kunstszene und werde für ihr visionäres, experimentelles Werk ausgezeichnet, das gesellschaftliche und politische Strukturen konsequent hinterfragt. Das gab die Stadt Goslar bekannt. Mit ihrer Kunst und ihrem Leben stehe Stötzer ganz besonders für persönliche und künstlerische Freiheit, würdigte Goslars Oberbürgermeisterin Urte Schwerdtner die Preisträgerin beim traditionellen Neujahrsempfang der Stadt in der Goslarer Kaiserpfalz. In ihrem Werk nimmt Gabriele Stötzer Rollenzuschreibungen in den Blick und untersucht kritisch Machtverhältnisse, insbesondere solche, die in der Zeit der DDR vorherrschten.
In Jurybegründung heißt es: „Mit der Verleihung des Goslarer Kaiserrings an Gabriele Stötzer wird eine wichtige Persönlichkeit gewürdigt, welche durch ihre Vorreiterrolle im Bereich des künstlerisch-aktivistischen Arbeitens schnell zu einem zentralen Vorbild für jüngere (weibliche) Künstlerinnengenerationen avancierte. Gabriele Stötzer steht nicht nur für ein experimentelles, hochqualitatives Œuvre, sondern hat wegweisend im Bereich der Vernetzung und Kollaboration agiert. Wichtige Aspekte ihrer frühen Arbeiten – wie das Gegenüberstellen des Individuums und der Masse – gewinnen heute wieder an Brisanz und verleihen ihrem Werk erneut eine ganz eigene Aktualität.“
Seit den 1970er Jahren hat Gabriele Stötzer ein wegweisendes künstlerisches und schriftstellerisches Œuvre entwickelt, das sich intensiv und kritisch mit Geschlechterrollen und kulturellen Normen auseinandersetzt. Ihr Schaffen, das den weiblichen Körper als Ausgangspunkt nimmt, widersetzte sich den Repressalien des DDR-Regimes. Eine einjährige Haftstrafe wegen Staatsverleumdung im Frauengefängnis Hoheneck prägte dabei ihr Werk maßgeblich. Auch gesellschaftlich wirkte Gabriele Stötzer in der DDR, baute in Erfurt ein Netzwerk von Künstlerinnen und Künstlern auf, leitete dort zu Beginn der 1980er Jahre die „Galerie im Flur“, die 1981 mit einem Verbot durch die Stasi belegt wurde, als sie überbezirkliche Bedeutung erhielt, und gründete 1984 die „Künstlerinnengruppe Erfurt“.
Die Arbeiten von Stötzer, die Fotografie, Malerei, Filme, Performances, Grafik, Keramik, Zeichnung und Weberei umfassen, bestächen durch das Reaktionäre und Revolutionäre, das sich kontinuierlich gegen ein starres und entmündigendes System auflehnt, so Florence Thurmes, Generaldirektorin der Kunstsammlungen Chemnitz, in ihrer Ausführung zur Preisvergabe. „Tabus und festgeschriebene Strukturen werden systematisch bearbeitet und aufgebrochen. Wie ein Seismograph fängt Stötzer ihre Zeit, die ihr anhaftende Missstände, Utopie und patriarchalen Züge ein, dokumentiert und hinterfragt sie in ihren Arbeiten. Als eine der wichtigsten Protagonistinnen der 1980er Jahre lehnte sie sich gegen tradierte Sujets, den sozialistischen Realismus und eine von männlichen Kollegen dominierte offizielle Kunstszene auf. So schaffte sie nicht nur neu geprägte Frauenbilder, sondern auch neue künstlerische Sichtweisen und erweiterte den in der Zeit der DDR starr geprägten Kunstbegriff kontinuierlich und maßgeblich, welcher sich bis heute trägt“, so Thurmes weiter. |