Lalannes Nilpferd-Rekord  |  | Redkordstar: François-Xavier Lalannes unikate „Hippopotame Bar“ von 1976 | |
Der Bildhauer, Entwerfer und Maler François-Xavier Lalanne ist für seine ungewöhnlichen Kreationen bekannt, die zwischen Skulptur und Nutzobjekt angesiedelt sind und häufig Tiere zum Vorbild haben. Nun kam seine kuriose Bar in Form eines Nilpferds aus der Sammlung Schlumberger bei Sotheby’s in New York zur Versteigerung und brach gleich mehrere Rekordmarken. Das kupferne voluminöse Tier, das sich an mehreren Stellen öffnen lässt und im Innern ein drehbares Flaschenregal, Stauraum für Gläser, einen Eiskübel und ein Tablett zum Servieren von Speisen birgt, war mit einem Schätzpreis von 7 Millionen US-Dollar aufwärts nicht nur das Highlight der Auktion „Important Design, Featuring Works from the Schlumberger Collection“, sondern sollte auch eines der teuersten Schöpfungen Lalannes werden. Nach dem Wettstreit zwischen sieben Interessenten, der 26 Minuten dauerte, fiel der Hammer schließlich bei 26,8 Millionen Dollar. Mit Aufgeld zahlte der erfolgreiche Bieter über 31,4 Millionen Dollar, was der „Hippopotame Bar“ nicht nur den Lalanne-Rekord einbrachte, sondern sie auch zum wertvollsten Designobjekt machte, das bisher auf einer Auktion gehandelt wurde.
Die funktionale, nur einmal existente Tierskulptur hatte Anne Schlumberger 1976 bei François-Xavier Lalanne in Auftrag gegeben. Die im April verstorbene Erbin des im Elsass gegründeten Ölimperiums Schlumberger war eine begeisterte Kunstsammlerin und Mäzenin. Mit Lalanne und seiner ebenfalls schöpferisch tätigen Ehefrau verband sie eine enge Freundschaft. So legte sich Schlumberger im Jahr 2000 Claude Lalannes Beistelltisch „Nénuphars“, gebildet aus vier vergoldeten Seerosenblättern, zu, der nun bei Sotheby’s von 200.000 Dollar auf 450.000 Dollar stieg. Das filigrane Gartentor „Les Portes du Jardin“, das Claude Lalanne ebenfalls aus vergoldeter Bronze als dünnes verzweigtes Astwerk mit kleinen Tieren darin schuf, erreichte hohe 620.000 Dollar (Taxe 250.000 bis 350.000 USD). Auch die beiden 1933/34 entworfenen, bronzenen Stehlampen „Osselet“ von Alberto Giacometti standen in Schlumbergers Haus in Houston; sie kletterten von je 150.000 Dollar nun auf 350.000 Dollar, respektive 400.000 Dollar. Bruder Diego Giacometti beteiligte sich mit dem Couchtisch „Torsade“ von 1965, der nun 350.000 Dollar einbrachte (Taxe 200.000 bis 300.000 USD).
Über die Schlumberger-Kollektion hinaus konnten die Lalannes in der Sotheby’s-Auktion vom 10. Dezember weiterhin punkten. Claude stellte etwa noch ihren hochrechteckigen Spiegel von 1986 mit vegetabilen Blattelementen für taxgerechte 600.000 Dollar, ihren aus einem verschlungenen Astwerk gebildeten Armlehnstuhl „Singerie“, in dem zwei Affen turnen, für 850.000 Dollar (Taxe 400.000 bis 600.000 USD) oder ihren aus Aluminium gefertigten Blatttisch „Gingko“ von 2010 für 400.000 Dollar zur Verfügung (Taxe 250.000 bis 350.000 USD). François-Xavier Lalanne beteiligte sich etwa noch mit seinen beiden Tierskulpturen „Mouton de Pierre“, 1979 in einer Auflage von 250 Stück produziert, für 200.000 Dollar (Taxe 250.000 bis 350.000 USD) oder dem Entenboot „Le Métaphore“ von 2002 für 280.000 Dollar (Taxe 200.000 bis 300.000 USD).
Ansonsten besetzten Art Déco-Entwerfer die vorderen Ränge der Zuschlagsliste: Jacques-Émile Ruhlmann mit seinem eleganten, dick gepolsterten Lehnsesselpaar „Gonse“ für 1,25 Millionen Dollar (Taxe 700.000 bis 1.000.000 USD), mit seinem nicht minder geschmackvoll proportionierten Esstisch „Redhead“ für 420.000 Dollar (Taxe 200.000 bis 300.000 USD), Eugène Printz mit seinem hohen Lampenpaar aus Mahagoniholz und oxidiertem Messing für 210.000 Dollar (Taxe 220.000 bis 280.000 USD) oder Albert Cheuret mit seiner ebenfalls vom Boden mannshoch aufragenden floralen Bronzelampe samt Blütenschirm aus Alabaster um 1925 für 230.000 Dollar (Taxe 60.000 bis 80.000 USD). Bei den organisch inspirierten Vasenkreationen des dänischen Keramikers Axel Salto aus der Sammlung des heuer verstorbenen Künstlerkollegen Joel Shapiro siegte das blutrot glasierte, muschelartige Exemplar im „Knospen“-Stil aus den frühen 1970er Jahren bei 350.000 Dollar (Taxe 70.000 bis 100.000 USD). Als eine der wenigen Designerinnen machte noch die Amerikanerin Judy Kensley McKie mit ihrer stilisierten Bank „Lion“ aus einem kompakten Bronzeblock von 1994 bei 320.000 Dollar auf sich aufmerksam (Taxe 100.000 bis 150.000 USD). |