Uli Sigg beschenkt Berliner Museum  |  | Mao Tongqiang, Family Tree | |
Das Museum für Asiatische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin kann sich über eine wichtige Erweiterung seiner Sammlung zeitgenössischer ostasiatischer Kunst freuen. Aus der Sammlung Sigg hat es die raumfüllende Fotoinstallation „Family Tree“ von Mao Tongqiang erhalten. Der 1960 geborene chinesische Künstler hat das rund 400 Quadratmeter messende Werk über mehrere Jahre intensiver Feldforschung geschaffen und dafür Bildmaterial von rund 1.000 Familien seines Heimatlandes gesammelt. Mao Tongqiang geht damit auf die Vielfalt chinesischer Familienstrukturen der Gegenwart ein und verweist zugleich auf die tiefgreifenden Veränderungen, die China seit der konfuzianisch geprägten Familienordnung der Kaiserzeit bis in die mobile Lebenswirklichkeit des 21. Jahrhunderts durchlaufen hat.
Die historischen Bestände des Museums für Asiatische Kunst, das Kunst und materielle Kultur über viele Jahrhunderte hinweg dokumentiert, würden durch „Family Tree“ in entscheidender Weise erweitert, so Kuratorin Maria Sobotka, die Teile von Mao Tongqiangs Installation in ihre aktuelle Ausstellung „Alles unter dem Himmel“ integriert hat. „Das Werk eröffnet einen unmittelbaren Blick auf die gesellschaftlichen Transformationsprozesse des modernen China und ergänzt die longue durée unserer Sammlung um eine prägnante zeitgenössische Perspektive. Im Zusammenspiel dieser zeitlichen Ebenen wird sichtbar, wie radikal sich soziale Ordnungen, Haushaltsformen und Alltagswirklichkeiten innerhalb weniger Jahrzehnte gewandelt haben“, so Sobotka weiter.
„Family Tree“ dokumentiere eine Realität, die sich in China in weniger als zwei Generationen grundlegend verändert hat: von der Landwirtschaft zur Industrie, von dörflichen Bindungen zu urbaner Mobilität, vom kollektivistisch geprägten Alltag zu kapitalisierten Lebenswelten. „Die gewaltige Binnenmigration Chinas hat Familien neu verteilt, getrennt – und zugleich neue Formen der Nähe entstehen lassen. ‚Family Tree‘ zeigt diese Gegenwart mit einer Klarheit, die im Dialog mit unseren historischen Beständen ihre besondere Tiefe erhält. Wir sind Rita und Uli Sigg außerordentlich dankbar für diese bedeutende Schenkung“, freut sich Sobotka.
Der Schweizer Wirtschaftsjournalist und Unternehmer Uli Sigg, der von 1995 bis 1998 Schweizer Botschafter in Peking war, baute ab Ende der 1970er Jahre das erste Joint-Venture-Unternehmen zwischen China und dem Westen auf. So kam er mit der Kultur aus dem Reich der Mitte in Kontakt und interessierte sich vor allem für die dortige zeitgenössische Kunstproduktion. Seine Sammlung gilt als die weltweit umfangreichste und bedeutendste ihrer Art und wurde bisher in zahlreichen Museen weltweit präsentiert, darunter im Kunstmuseum Bern, der Hamburger Kunsthalle oder im Museum der Moderne in Salzburg. Einen Großteil mit fast 1.500 Arbeiten schenkte Sigg 2012 als Grundstock dem M+ Museum of Visual Culture in Hongkong, das im November 2021 eröffnet wurde.
Die Ausstellung „Alles unter dem Himmel. Harmonie in der Familie und im Staat“ im Humboldt Forum versammelt Arbeiten von He Chongyue, Siren Eun Young Jung, Jane Jin Kaisen, Mirae kate-hers Rhee sowie Mao Tongqiang und thematisiert das Spannungsverhältnis von Familie und Staat in China und Korea zwischen Ideologie, Fürsorge und Kontrolle im 20. und 21. Jahrhundert. Sie ist bis zum 25. Mai 2026 zu sehen. Das Museum für Asiatische Kunst hat im Humboldt Forum täglich außer dienstags von 10:30 bis 18:30 Uhr geöffnet. Geschlossen bliebt an Heiligabend. Der Eintritt beträgt 14 Euro, ermäßigt 7 Euro; für Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 19. Lebensjahr ist er kostenlos.
Museum für Asiatische Kunst
Humboldt Forum
Schlossplatz
D-10178 Berlin
Telefon: +49 (0)30 – 99 211 89 89 |