Prechtl-Nachlass geht dauerhaft nach Amberg  |  | Michael Mathias Prechtl, In memorian Max Beckmann, 1960 | |
Das Stadtmuseum Amberg hat den künstlerischen Nachlass von Michael Mathias Prechtl erworben. Beim Ankauf der Gemälde, Zeichnungen und Grafiken, die sich seit 2015 als Dauerleihgabe in dem Museum befinden, wurde die Stadt Amberg durch die Kulturstiftung der Länder, die Fraktionsinitiativen Bayern und weitere private Förderer unterstützt. Die mehr als 1.000 Arbeiten gehörten bisher der Tochter des 2003 verstorbenen Malers, Zeichners, Illustrators und Grafikers. „Nach langen und intensiven Gesprächen und Verhandlungen ist es uns gelungen, den künstlerischen Nachlass von Michael Mathias Prechtl dauerhaft zu sichern und der Öffentlichkeit wie auch der Forschung zugänglich zu machen“, so der Amberger Kulturreferent Fabian Kern. „Damit erfüllen wir einen wichtigen Wunsch des Künstlers und seiner Tochter und bewahren ein bedeutendes kulturelles Erbe für kommende Generationen in Amberg. Mein ausdrücklicher Dank gilt allen öffentlichen und privaten Förderern, deren engagierte Unterstützung den Ankauf erst ermöglicht hat.“
Das vielfältige Konvolut umfasst Aquarelle, meist in Mischtechnik mit Sepia und Farbstift auf Papier, Bleistiftzeichnungen auf Karton oder Papier, Buntstiftzeichnungen auf Papier, Collagen auf Karton, Holzschnitte, ein- und mehrfarbige Lithografien, Rötelzeichnungen oder eine Reihe von Gemälden, darunter die frühen Werke „In memorian Max Beckmann“ von 1960 oder „Selbstbildnis im blauen Hemd“ von 1961. Eine Vielzahl der Arbeiten ist durch Prechtls spezifische Technik des Handliniendrucks geprägt. Inhaltlich deckt die Sammlung von Entwurfszeichnungen in frühen Stadien der Motiventwicklung über konkrete Vorstudien und erste Ausführungen bis hin zu verschiedenen finalen Versionen sämtliche Bereiche des künstlerischen Prozesses ab.
Michael Mathias Prechtl, einer der bedeutendsten Buchillustratoren und Plakatmaler Deutschlands, wurde am 26. April 1926 in Amberg in der Oberpfalz geboren und studierte von 1950 bis 1956 an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. In den 1970er Jahren fand Prechtl mit seiner realistischen, an Dürer und Cranach orientierten Kunst internationale Anerkennung. So entwarf er beispielsweise Titelbilder für den „Spiegel“ oder das „Zeit-Magazin“, für die „New York Times“ zeichnete er mehrere Politikerporträts. Für einen Skandal sorgte 1985 das Plakat zur Oktoberfest-Ausstellung im Münchner Stadtmuseum, in dem Prechtl unter der Überschrift „Das Oktoberfest – 175 Jahre bayerischer Nationalrausch“ einmütig König Ludwig II., Richard Wagner, Karl Valentin, Bertolt Brecht, Lenin, einen Hitlergruß-Zeigenden und weitere Persönlichkeiten um eine nackte, auf einem Löwen reitende Frau mit weiß-blauer Schlange zusammenbrachte.
Zu Prechtls letzten Auftragsarbeiten vor seinem Tod im März 2003 gehörten zwei Plakate für die Bayerische Landesausstellung „Der Winterkönig“ im Stadtmuseum Amberg. Teile seines Nachlasses werden bereits in der Dauerausstellung des Stadtmuseums präsentiert. Für das kommende Jahr ist anlässlich des 100. Geburtstags von Michael Mathias Prechtl eine große Sonderausstellung in Amberg geplant. |