Salzburger Förderpreis für Peter Schreiner  |  | Peter Schreiner | |
Der Salzburger Kunstverein und das Land Salzburg vergeben ihren diesjährigen Förderpreis an Peter Schreiner. Der 1980 in Hallein nahe Salzburg geborene Künstler erhält die mit 3.000 Euro dotierte Auszeichnung für seine künstlerische Tätigkeit, die einen wesentlichen Beitrag zur zeitgenössischen fotografischen Praxis leiste, so die Jury, die mit dem Kunsthistoriker und Kurator Niklas Koschel, der Künstlerin Beate Terfloth und Agnes Scherer, Professorin für Malerei am Salzburger Mozarteum, besetzt war. Sie wählten Schreiner aus einem Bewerberfeld von 75 Künstlerinnen und Künstlern aus. In ihrer Begründung heißt es weiter: „Seine Arbeit fordert die Einlassung auf die Unmöglichkeit finaler Antworten und verwandelt so Unsicherheit in Denkräume. In einer Zeit postfaktischer Wirklichkeitsproduktion betont sie die epistemische Verantwortung der Betrachtenden und fordert jenes Bewusstsein für Perspektivität ein, das im kritischen Umgang mit Bildern notwendig ist.“
Peter Schreiner, der Geschichte an der Universität Wien sowie Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt Fotografie an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel studiert hat, untersucht Fragen nach dem Verhältnis von Ereignis und Deutung, von Geschichtsschreibung und Dichtung. Dabei nutzt er Verfahren wie Fotografie und Text, deren traditionelle Bindungen an eine gegebene, eindeutig bestimmbare Realität sich in seiner Überarbeitung mehr und mehr verschieben. Zu einem zentralen Mittel dieser Arbeit ist die Reproduktion von gefundenen sowie eigenen Fotografien geworden. Schreiner löst sie aus den ihnen zugewiesenen Zusammenhängen heraus und überführt sie in andere materielle, räumliche und publizistische Verhältnisse, wodurch sich Unschärfen bilden, die einer eindeutigen Lesbarkeit entgegenstehen.
Das betonte auch die Jury: „Insbesondere durch Findung, poetische Wertung und Wiederverwertung bestehender Bilder und Gegebenheiten schafft er ein lyrisches Missverständnis von Erinnerung und Geschichtsnarrativierung. An der Schnittstelle von dokumentarischem Anspruch und erzählerischer Konstruktion verweist er auf die rezeptiven Bedingungen unserer Beziehung zu Bildlichkeit. In der Fokussierung auf diese Dimension des Bildes beweist Schreiner besondere Zeitgenossenschaft. Er etabliert ein Bildverständnis jenseits der Opposition von Wahrheit und Fälschung. Dabei macht er Qualitäten sichtbar, die bestimmen, wie wir Bilder lesen, welche Bedeutungen wir ihnen zuschreiben und wie diese Bedeutungen sich im Prozess der Betrachtung kontinuierlich transformieren. Bei aller Betonung der sozialen, historischen und konzeptuellen Bildbedeutung weiß Schreiner durch die phänomenale Präsenz des Einzelbildes zu verführen. Seine konzeptuell angelegten Werkgruppen stellen die Betrachtenden vor Rätsel, die in ästhetischer Leichtigkeit aufscheinen, aber nicht in Leichtigkeit zu lösen sind.“ |