Turner Prize geht an Nnena Kalu  |  | Nnena Kalu hat den Turner Prize 2025 gewonnen | |
Nnena Kalu hat den diesjährigen Turner Prize gewonnen. Die britisch-nigerianische Künstlerin wurde gestern in Bradford, der „UK City of Culture“ 2025, mit der renommierten Auszeichnung der Tate und mit 25.000 Pfund geehrt. Die Jury lobte Kalus kühne und fesselnde Arbeiten und würdigte ihre dynamische Umsetzung ausdrucksstarker Gesten in faszinierende abstrakte Skulpturen und Zeichnungen. Ihre Werke, etwa ihre bunten hängenden Objekte aus verschiedenen vorgefundenen Materialien oder ihre großformatigen rhythmischen Zeichnungen aus kreisenden Linien, seien von kraftvoller Präsenz, ihre Arbeitsweise unverwechselbar, Maßstab, Komposition und Farbe ihrer Arbeiten raffiniert angelegt.
Nnena Kalu wurde 1966 in Glasgow als Tochter nigerianischer Eltern geboren. Sie ist Autistin und hat eine Lernschwäche. Entsprechend wirkte sie bei der gestrigen Preisverleihung etwas abwesend. Kunst hat sie nie studiert. 1999 begann Kalu, bei ActionSpace im Londoner Stadtteil Clapham intensiver künstlerisch zu arbeiten. Die Hilfsorganisation unterstützt Künstler*innen mit geistiger Behinderung. Ihre hängenden, farbintensiven, kokonartig versponnen Skulpturen, die Kalu aus bunten Stoffen, Seilen, Paketklebeband, Frischhaltefolie, Papier oder den Magnetbändern alter Videokassetten fertigt, erinnern an fliegende freundliche Geschöpfe, etwa die Drachen im chinesischen Brauchtum. Auf ihren energiegeladenen Zeichnungen, die stets zu zweit oder zu mehreren auftreten, verdichtet sich ein enges Liniengewirr wie ein Strudel um ein Zentrum und erzeugt eine soghafte Wirkung.
Neben Nnena Kalu waren in diesem Jahr noch der 1984 in Bagdad geborene Maler Mohammed Sami, der auf vordergründig harmlosen Landschaftsbildern Krieg und Gewalt thematisiert, die koreanisch-kanadische Künstlerin Zadie Xa, die für die Turner Prize-Schau eine bunte immersive Unterwasserwelt geschaffen hat, in der sich Mensch, Tier und Natur auf Augenhöhe begegnen, und Rene Matic nominiert. Die 1997 geborene, non-binäre Person ist die Jüngste im Bunde und beschäftigt sich in ihren Fotografien, Filmen und Installationen mit Subkulturen, Identität, Glaube und Familie. Sie erhalten jeweils ein Preisgeld von 10.000 Pfund. Die Ausstellung der vier Finalisten ist noch bis zum 22. Februar 2026 in der Cartwright Hall Art Gallery in Bradford zu sehen.
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