Hamburg zeigt ein Update der Ausstellungsreihe „Kunst um 1800“  |  | Auguste Desperet, Dritter Ausbruch des Vulkans von 1789, 1833 | |
In der Hamburger Kunsthalle ist aktuell die Schau „Kunst um 1800“ zu sehen. Sie bezieht sich auf den gleichnamigen Ausstellungszyklus, der von 1974 bis 1981 der Wirkmacht von Kunstwerken im „Zeitalter der Revolutionen“ nachging. Damit prägte die Kunsthalle bis heute nachwirkende Debatten über die gesellschaftliche Relevanz von Kunst. Die gegenwärtige Ausstellung kommentiert und aktualisiert aus einer heutigen Perspektive die historischen Ordnungen der Dinge sowie die Displays, die unter dem damaligen Direktor Werner Hofmann entstanden. Jetzt geht es um Aspekte, die im Zyklus der 1970er Jahre fehlten oder nur ansatzweise zum Vorschein kamen, darunter Themen wie Feminismus, weibliche Kunstschaffende, jüdische Aufklärung, Sklaverei, Abolitionismus und die Haitianische Revolution. Dies gelingt den Gastkurator*innen Petra Lange-Berndt von der Universität Hamburg und Dietmar Rübel von der Akademie der Bildenden Künste München, indem sie 50 der damals ausgestellten Gemälde, Bücher und Grafiken mit 70 Leihgaben in ein Zusammenspiel bringen und um fünf zeitgenössische Werke ergänzen.
Diese Schau über die wissenschaftliche und kuratorische Praxis ist wie ihre Vorläuferin aus den 1970er Jahren im Kuppelsaal des Obergeschosses zu sehen, der damals als „Denk-Raum“ und kuratorisches Experimentierfeld Verwendung fand. Im Fokus der damaligen Reihe standen Themen und Künstler, die mit den Konventionen ihrer Zeit brachen, wie Caspar David Friedrich, William Blake, Johan Tobias Sergel, Johann Heinrich Füssli, John Flaxman, der legendäre Dichter Ossian, Philipp Otto Runge oder Francisco de Goya. „Kunst um 1800“ ist nun in zehn Stationen gegliedert, präsentiert ein Panorama der Epoche und stellt Inhalte wie Aufklärung, Gewalt, Träume, die politische Landschaft, Industrialisierung sowie Revolution und Freiheit aus heutiger Sicht vor. Die Bedeutung der historischen Ausstellungsreihe liegt darin, dass Narrative der europäischen Kunstgeschichte revidiert wurden, etwa indem Themen und Künstler im Zentrum standen, was ein Bruch mit damaligen Konventionen war.
Die gegenwärtige Ausstellungsarchitektur hat der Künstler Marten Schech in Form der Raumskulptur „Binnacle (Round Loge with Three Corners)“ gestaltet. Schech bezieht sich auf den runden Grundriss des Raumes und erweitert ihn durch An-, Ein- sowie Umbauten. Dadurch changiert die Skulptur zwischen Massivbau und Kulisse. Innen und Außen sind nur schwer zu unterscheiden, besonders in Schechs künstlicher Grotte „Hut Grotto“. Zeitgenössische Arbeiten von Mark Dion und Sigmar Polke zur Französischen Revolution sowie von Kara Walker zur Sklaverei ergänzen die Exponate von insgesamt 100 Künstler*innen. Hinzu kommt Suzanne Treisters Lichtprojektion. Vier Monate lang erstrahlt ihre „Vision: Intergalactic Social Systems“ am Firmament des Kuppelsaals, richtet sich gegen Universalismen und taucht die Konstellationen der Ausstellung in ein technoschamanisches Licht.
Die Schau „Kunst um 1800. Eine Ausstellung über Ausstellungen“ läuft bis zum 29. März 2026. Die Hamburger Kunsthalle hat dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, am Donnerstag zusätzlich bis 21 Uhr, an Silvester nur bis 15 Uhr und an Neujahr erst ab 12 Uhr geöffnet. Das Haus bleibt an Heiligabend und am 1. Weihnachtsfeiertag geschlossen. Der Eintritt beträgt 16 Euro, ermäßigt 8 Euro, für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist er frei. Die begleitende Publikation kostet 48 Euro.
Hamburger Kunsthalle
Glockengießerwall
D-20095 Hamburg
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