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Berliner Ansicht Unter den Linden mit Reiterstandbild Friedrichs des Großen, 1920 / Otto Pippel

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© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


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Hamburger Kunstpreis für Otobong Nkanga

Otobong Nkanga

Der Kunstpreis Finkenwerder 2026 geht an Otobong Nkanga. Das teilte die Hochschule für bildende Künste Hamburg mit, die die 1974 geborene Nigerianerin als eine „der aktuell gefragtesten Künstlerinnen weltweit“ bezeichnete. „Mit Otobong Nkanga ehren wir eine Künstlerin, die uns mit ihrer vielschichtigen, poetischen Arbeit in den Bann zieht“, sagte Jurymitglied Kader Attia. Insbesondere wenn sie Teile ihrer Werke in Performances durch Musik, Bewegung und Energie aktiviert, werde ihr Körper zum Medium und schaffe eine einzigartige Verbindung von Kunst, Raum und Leben, so Attia weiter. Mit Einzelausstellungen im MoMA in New York und der Tate Modern London oder der beeindruckenden Überblicksschau, die aktuell im Musée d’Art Moderne in Paris zu sehen ist, gehöre Nkanga zweifelsohne zu den international renommiertesten Künstlerinnen unserer Zeit. Davon zeugten auch ihre Beteiligungen an nahezu allen weltweit wichtigsten Kunstbiennalen wie der 58. Biennale di Venezia, der 14. Documenta in Kassel und Athen, der 14. Sharjah Biennale oder der 36. São Paulo Biennale in diesem Jahr.

Im Zentrum von Otobong Nkangas Kunst steht die Beziehung des Menschen zur Erde und zu den Materialien, die er ihr entnimmt – von Pflanzen und Samen bis zu seltenen Erden und Mineralien. Ausgehend von der Annahme, dass keine Energie je verloren geht, sondern umgewandelt wird und in anderer Form weiterbesteht, beschreibt die Künstlerin in ihren Zeichnungen, Aquarellen, Installationen, großformatigen Wandteppichen und Performances Metamorphosen des Seins. Sie ist dabei kritische Beobachterin des Anthropozäns mit all seinen negativen Implikationen und zeigt zugleich auf, wie anpassungsfähig die Natur ist und dass die Erde am Ende auch ohne den Menschen weiter existieren wird. Durch ihre Auseinandersetzung mit indigenem Wissen sowie mit den Architekturen und Mythologien des afrikanischen Kontinents wirft Otobong Nkanga eine kritische Perspektive auf tradierte europäische Denkmuster und aktuelle politische Entwicklungen im globalen Norden und setzt diesen eine Suche nach alternativen Ökonomien und Gesellschaftsformen entgegen.

Den Förderpreis zum Kunstpreis Finkenwerder erhält die Filmemacherin, Musikerin, Malerin, Performerin und Installationskünstlerin Leyla Yenirce, geboren 1992 in Kurdistan. Yalda Afsah, die ebenfalls der Jury angehörte, begründete die Wahl: „Leyla Yenirce schafft eindringliche visuelle und akustische Resonanzräume, die kollektive wie persönliche Geschichten anklingen lassen und in denen Gewalt, Widerstand und Erinnerung gleichzeitig spürbar werden. Wir würdigen eine Künstlerin, die den präzisen Einsatz ihrer Medien beherrscht und Beobachtung in sinnlich erfahrbare Spannung verwandelt.“ In ihrer Praxis beschäftigt sich Yenirce multimedial mit Repräsentation von Widerstand sowie kulturellen, medialen und militärischen Dominanzstrukturen. Dafür sammelt sie digitales und analoges Bildmaterial, das sie in ihrer Arbeit mal mehr, mal weniger offensichtlich einbindet. Ihr Bildarchiv zeugt von der weit verbreiteten Zirkulation von Bildern, die Frauen im Widerstand zeigen, und deutet gleichzeitig auf ihre eigene, von den Medien geprägte Beziehung zu ihrem Geburtsland Kurdistan hin.

Die vom Kulturkreis Finkenwerder e.V. initiierte und von der Firma Airbus Operations mit 20.000 Euro finanzierte Auszeichnung wird seit 1999 in der Regel alle zwei Jahre an Künstler*innen vergeben, die mit ihrem Schaffen einen herausragenden Beitrag zur zeitgenössischen Kunst geleistet haben und maßgeblich aktuelle Kunstdiskurse prägen. Seit 2022 wird der Preis in Kooperation mit der Hochschule für bildende Künste Hamburg vergeben, ergänzt durch den mit 10.000 Euro dotierten Förderpreis für Graduierte der Hochschule. Zu den bisherigen Preisträgern gehören Almut Heise, George Rickey, Candida Höfer, Neo Rauch, Daniel Richter, Thorsten Brinkmann, Ulla von Brandenburg, Christian Jankowski, Edith Dekyndt, Georges Adéagbo, Renée Green und zuletzt Julia Scher.


27.11.2025

Quelle: Kunstmartk.com/Johannes Sander

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