Camera Austria-Preis Jakob Ganslmeier und Ana Zibelnik  |  | Der Camera Austria-Preis 2025 geht an Jakob Ganslmeier und Ana Zibelnik | |
In der kommenden Woche erhalten Jakob Ganslmeier und Ana Zibelnik den Camera Austria-Preis für zeitgenössische Fotografie der Stadt Graz. In ihren Arbeiten untersuchen der 1990 in München geborene Fotokünstler und seine 1995 in Ljubljana geborene Mitstreiterin das Erstarken radikaler faschistischer Ideologien. Die Jury hob besonders die einfühlsame und systematische Analyse der visuellen und sprachlichen Muster dieser Entwicklung hervor und betonte: „Ihre präzise recherchierten Werkgruppen greifen auf Fotografie, Grafikdesign, Interviews, Publikationen, Videoinstallationen und Ausstellungsdesign zurück, um die Verbreitung eines maskulinen, rechtsextremen Vokabulars in unserer visuellen Alltagskultur durch Memes, Tattoos, TikTok-Videos, Werbeplakate, architektonische Motive und ableistische Kommunikation herauszuarbeiten.“
Serien wie „Bereitschaft“ von 2024, „Redpilled“ von 2023“ und „Haut, Stein“, die zwischen 2017 und 2020 entstand, setzten sich aktiv mit den ästhetischen Strategien von Alt-Right-Propaganda auseinander und legten die ihnen inhärente Kontinuität mit historischen Begrifflichkeiten offen. Weiter heißt es in der Begründung: „Die produktiven Kollaborationen des Duos begegnen dem Thema auf menschliche Weise mit Sensibilität und Vertrauen, als versuchten sie, das Individuum aus der gewaltvollen Ideologie herauszulösen. Ihr Ansatz verleiht den Arbeiten eine beeindruckende Tiefe, Dringlichkeit und Menschlichkeit und wirft gleichzeitig Fragen nach Verantwortlichkeit auf. Die Arbeiten von Jakob Ganslmeier und Ana Zibelnik spiegeln die von den Jurymitgliedern geteilte Besorgnis über fortschreitende politische Verschiebungen in der westlichen Kultur wider, die die Grundfesten der Demokratie bedrohen.“
Der Camera Austria-Preis für zeitgenössische Fotografie der Stadt Graz wird alle zwei Jahre vergeben und richtet sich an Künstler*innen, die einen monografischen Beitrag in der Zeitschrift Camera Austria International veröffentlich haben. Er ist mit 15.000 Euro dotiert. Die erste Auszeichnung ging im Jahr 1989 die amerikanische Künstlerin Nan Goldin. Preisträger*innen waren danach unter anderem David Goldblatt, Allan Sekula, Aglaia Konrad, Sanja Ivekovic, Heidrun Holzfeind, Joachim Koester oder Jochen Lempert sowie in den letzten Jahren Lebohang Kganye, Belinda Kazeem-Kaminski und Joanna Piotrowska. |