Penck-Schenkung für Halle  |  | Bei der Übergabe des Penck-Gemäldes im Kunstmuseum Moritzburg | |
Die Moritzburg in Halle an der Saale kann sich über einen prominenten Zuwachs in ihrem Bestand freuen. Das Hamburger Sammlerpaar Michael und Susanne Liebelt überlässt dem Kunstmuseum das monumentale Gemälde „Der höchst geniale Wanja kommt in höchst geniale Höchstform“ von A.R. Penck aus dem Jahr 1975. Vermittelt wurde die Schenkung von der ehemaligen Mitarbeiterin Cornelia Blume, die zwischen 1980 und 2021 Kustodin für Plastik war und sich in ihrer langjährigen Tätigkeit am Kunstmuseum Moritzburg besonders für zeitgenössische Positionen engagierte.
Direktor Thomas Bauer-Friedrich zeigte sich den Liebelts zu großem Dank verpflichtet und sagte: „Das beeindruckende Gemälde profiliert unseren bisherigen Sammlungsbestand an Arbeiten von A.R. Penck auf das Beste. 2017 konnten wir ein Selbstporträt des Künstlers aus dem Jahr 1976 aus der Sammlung G. und A. Gerken in Hamburg ankaufen, das seither Teil der permanenten Sammlungspräsentation ist. 2002 und 2014 konnten, ebenfalls auf die Initiative von Cornelia Blume zurückgehend, großformatige farbige Druckgrafiken Pencks aus den 1980er und 1990er Jahren als Schenkungen erworben werden. Mit der großzügigen Schenkung des Ehepaares Liebelt aus Hamburg können wir die für die Kunst in der DDR so bedeutende Position von A.R. Penck nun noch besser vermitteln.“
Das fast drei auf drei Meter große Gemälde „Der höchst geniale Wanja kommt in höchst geniale Höchstform“ schuf Penck in seiner Dresdner Zeit, in der die staatlichen Repressalien der DDR gegenüber dem Künstler zunahmen. So wurde ihm die Ausbildung an der Hochschule für bildende Künste in Dresden untersagt und als dissidentischem, autodidaktischem Künstler die Aufnahme in den Verband Bildender Künstler verwehrt, was einem Berufsverbot gleichkam. Das farbintensive, auf einem Tischtuch ausgeführte Quadrat zeigt auf den ersten Blick eine abstrakte energische und ungestüme Komposition. Langsam schält sich die Figur eines nach rechts schreitenden, zurückblickenden Mannes heraus, der durch Wald und Dickicht aus der Bildtiefe auf die Betrachtenden zuläuft.
Ob A.R. Penck mit dem Werktitel auf Tschechows Theaterstück „Onkel Wanja“ anspielt, bleibt offen. Als Meisterstück der psychologischen Dekonstruktion einer stagnierenden Existenz und des Scheiterns von Erwartungen könnte Penck es auf seine eigene Lebens- und Arbeitssituation in der DDR bezogen haben, die 1980 in die Ausbürgerung aus der DDR mündete: als Symbol der Resignation, des verschwendeten Genies und der ungenutzten Lebensenergie. Zudem vermittelt Penck mit der Figur im Farbenmeer, die sich in der Camouflage auflöst, ein allgemeines ironisches Statement zum Leben der Menschen in der DDR. Mit den Superlativen „höchst genial“ und „Höchstform“ des ins Absurde übersteigernden Bildtitels parodiert Penck ferner die Sprache der offiziellen Kunstkritik und staatlichen Propaganda und legt deren leere Rhetorik offen. |