Wolfgang-Hahn-Preis für Lee Ufan  |  | Lee Ufan wird mit dem Kölner Wolfgang-Hahn-Preis geehrt | |
Mit Lee Ufan erhält im kommenden Jahr einer der weltweit renommiertesten Künstler den Wolfgang-Hahn-Preis der Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig in Köln. Mit dem Preisgeld von 100.000 Euro kann das Museum nun ein Werk aus dem Schaffen des fast 90jährigen Südkoreaners ankaufen, das bisher noch nicht in seiner Sammlung vertreten war. Die diesjährige Gastjurorin Mami Kataoka, Direktorin des Mori Art Museums in Tokio, erläutert die Entscheidung der Jury: „Lee Ufan hat darüber gesprochen, wie seine Erfahrungen mit mehreren Ausstellungen in Deutschland in den 1970er Jahren seine Arbeit auf die Weltbühne gebracht haben. Im Laufe seiner sechzigjährigen Karriere hat er sich mit der wesentlichen Bedeutung der Existenz in allen Beziehungen beschäftigt, die über Ost und West hinausgehen – ohne dabei dem westlichen Modernismus zu folgen oder sich in östliche spirituelle Traditionen zurückzuziehen. Unser heutiges Interesse an Lee Ufans Schaffen, das uns ein Bewusstsein für ganzheitliche Perspektiven vermittelt, entspringt möglicherweise unserer Sehnsucht nach zwischenmenschlichen Beziehungen, die die Grundlage unserer Menschlichkeit bilden. Lee Ufans Werk wird eine großartige Bereicherung für die Sammlung des Museum Ludwig sein und zu dessen globaler Ausrichtung beitragen.“
Lee Ufan, im Juni 1936 in Südkorea geboren, ging mit zwanzig Jahren nach Tokio, wo er 1961 ein Philosophiestudium an der Nihon University abschloss. In den 1960er Jahren war er eine Schlüsselfigur der japanischen Künstlergruppe Mono-ha, die sich dem Einfluss des Westens auf die Kunst widersetzte. Die Mitglieder von Mono-ha – Schule der Dinge – nutzten hauptsächlich vorgefundene, natürliche Materialien, die für sich selbst sprechen sollten. Kunst wurde nicht primär als schöpferischer Akt gesehen, sondern als Neuanordnung von Vorgefundenem, das dadurch in Beziehung mit dem umgebenden Raum tritt. Seit den 1970er Jahren konzentriert sich Lee Ufan vor allem auf eine reduzierte minimalistische Malerei. Beeinflusst von der für ihren monochromen Stil bekannten koreanischen Dansaekhwa-Bewegung arbeitet er mit einem breiten Pinsel, mit dem Lee Punkte, Linien und diffuse Rechtecke auf großformatigen Leinwänden platziert. Diese Elemente erscheinen als isolierte Formzeichen, rhythmisch strukturierte Muster oder in lockeren Zusammenschlüssen. Den Malakt betrachtet Lee dabei als „ein reines und absolutes Ereignis“ mit einer unmittelbaren, vom rationalen Kalkül gelösten Begegnung zwischen Künstler, Material und Bildträger.
„Die Werke von Lee Ufan stehen schon sehr lange auf meiner persönlichen Wunschliste für die Sammlung des Museums Ludwig. Umso mehr freue ich mich, dass Lee Ufan den Preis annimmt“, sagte Museumsdirektor Yilmaz Dziewior zur Preisvergabe. „Der heute 90jährige Künstler pflegt eine enge Beziehung zur Kunstszene in Deutschland, vor allem zum Rheinland: Zur Eröffnung des Museums Ludwig vor 50 Jahren waren seine Arbeiten in der Kunsthalle Düsseldorf, dem Glaskasten in Marl, der Galerie m in Bochum und bereits im Museum Ludwig selbst zu sehen. Bis heute fehlte aber ein Werk des Künstlers in der Sammlung. Diese Leerstelle wird nun mit der Erwerbung zum Wolfgang-Hahn-Preis geschlossen.“ Dabei kommt Lee Ufan dem Kölner Museum entgegen; denn seine wichtigen Werke werden heute schon für Millionenpreise gehandelt. |